Eurokrise Meldung

Der Indexanbieter MSCI hat Griechen­land vom Industrie­land zum Schwellen­land zurück­gestuft. Ein bisher einmaliger Vorgang. Grund dafür sei, dass die grie­chische Börse einige Anforderungen an einen entwickelten Markt nicht mehr erfülle, heißt es bei MSCI, beispiels­weise in Bezug auf Wert­papierleihe, Leer­verkäufe sowie die Größe des Marktes. Griechen­land fällt damit aus dem MSCI-Welt­index und dem MSCI Europa heraus.

MSCI dient als Vergleich

MSCI ist neben Stan­dard&Poor’s oder Dow Jones einer der großen Indexanbieter welt­weit. Die MSCI-Indizes gelten vielen Investoren als Mess­latte für ihre Anlagen. Die Experten von Finanztest beispiels­weise messen die Qualität von Aktienfonds Welt an einem Referenzfonds, der sich wiederum auf den MSCI World bezieht. Auch in anderen Fondsgruppen dienen Fonds, die einen Index von MSCI abbilden, als Maßstab.

Kleiner Anteil im großen Welt­index

Im MSCI World hatte Griechen­land bisher nur einen sehr kleinen Anteil von 0,03 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland ist mit rund 3,5 Prozent vertreten, die USA mit mehr als 50 Prozent. Im MSCI Europe lag der Anteil Griechen­lands bei 0,05 Prozent, der von Deutsch­land bei rund 13,5 Prozent. Die Umstrukturierung hat somit so gut wie keine Auswirkung auf Anleger, die Fonds auf den MSCI World oder den MSCI Europe gekauft haben.

Trotz Boom­jahr unterm Strich fett im Minus

Die grie­chische Börse ist gemessen am MSCI-Index um rund 60 Prozent abge­stürzt, seitdem im Mai 2010 das erste Rettungs­paket für das hoch verschuldete Land geschnürt wurde. Die Fünf­jahres­bilanz sieht noch düsterer aus: minus 87 Prozent seit Mai 2008. Und das trotz Aufschwung in den vergangenen zwölf Monaten. Von Mai 2012 bis Mai 2013 gab es ein Plus von über 40 Prozent. Der lokale Börsen­index Athex Composite hat sich in derselben Zeit sogar fast verdoppelt. Doch das gute letzte Jahr hat die schlechte Gesamt­bilanz nicht verbessert.

Index mit zwei Werten

Die unterschiedliche Wert­entwick­lung rührt unter anderem aus der unterschiedlichen Anzahl der Werte in den Indizes. Während der Athex Composite 60 grie­chische Titel umfasst, enthält der Index von MSCI lediglich zwei Unternehmen, das sind der Lotto- und Sport­wetten­anbieter OPAP und OTE Hellenic Telecom. Letztere hat die Firma Coca Cola Hellenic ersetzt, die sich aus Griechen­land zurück­gezogen und ihren Haupt­sitz in die Schweiz verlagert hat.

Andere Krisenländer nicht betroffen

MSCI unterteilt die Börsen­welt in entwickelte Märkte, Schwellenmärkte und so genannte Frontier Markets, die an der Grenze zum Schwellen­land stehen. Die Herab­stufung vom entwickelten Markt zum Schwellenmarkt betrifft nur Griechen­land. Die anderen Krisenländer in Euro­land wie Irland, Spanien oder Portugal zählen weiter zu den entwickelten Märkten. Die europäischen Staaten Polen, Tschechien und Ungarn sind als Schwellenländer einge­stuft. Bulgarien und Rumänien sind nach der Einschät­zung von MSCI Frontier Markets.

Qatar und Emirate hoch­gestuft

Gleich­zeitig mit der Herab­stufung Griechen­lands gab MSCI bekannt, dass Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate mit Wirkung vom Mai 2014 an von Frontier Markets zu Schwellenländern befördert werden. Mehr Informationen zur Einteilung der Welt­börsen gibt es unter www.msci.com.

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