Eurokrise Meldung

Hat ein Sparer mehr als 100 000 Euro bei einer Bank angelegt, muss er sich künftig an der Rettung seines Instituts beteiligen. Die Experten von Finanztest erklären die neuen Regeln für Bank­pleiten.

Neue Haftungs­regeln ab 2018

Die Finanz­minister der Europäischen Union (EU) haben sich Ende Juni auf neue Haftungs­regeln für marode Groß­banken geeinigt. Danach sollen zunächst die Aktionäre für die Schieflage einer Bank haften. Reicht das nicht, kommen die Gläubiger an die Reihe, die der Bank Geld geliehen haben – darunter auch Privat­anleger mit großen Einlagen. Steuerzahler sollen nur noch zahlen, wenn das Geld von Aktionären und Gläubigern nicht ausreicht. Die neue Richt­linie soll 2018 in Kraft treten.

Nicht alle Kunden müssen helfen

Kunden, die bis zu 100 000 Euro auf dem Spar­konto haben, werden nicht an der Rettung ihrer Bank beteiligt. An der gesetzlichen Einlagensicherung ändert sich nichts. Sie schützt bis zu 100 000 Euro pro Anleger und Bank bei allen Banken mit Sitz in der EU. Mit den neuen Regeln zieht die EU-Kommis­sion die Lehren aus den Finanz­krisen der vergangenen Jahre. Sie hatte seit dem Jahr 2008 mehr als 4,5 Billionen Euro Staats­hilfen genehmigt, um marode Banken zu retten. Länder wie Irland sind durch ihre Hilfen für heimische Banken selbst in Not geraten und mussten durch europäische Hilfs­programme gerettet werden.

Weiter Diskussion um Haftungs­pläne

Über die Details der Regeln müssen die Mitglieds­staaten noch mit dem EU-Parlament verhandeln. Sie treten nur in Kraft, wenn das Parlament zustimmt. Während Deutsch­land auf strikte Einhaltung der Vorgaben pocht, möchte Frank­reich zur Rettung von Banken auch Geld aus den nationalen Abwick­lungs­fonds sowie dem Europäischen Stabilitäts­mecha­nismus (ESM) nehmen.

Tipp: Bank­kunden, die mehr als 100 000 Euro auf einem Spar­konto haben, sollten ihr Geld auf mehrere Banken verteilen. Über das System der Einlagensicherung können Sie sich im Produktfinder Zinsen detailliert informieren.

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