Die üblen Vertriebsmethoden der Gesellschaft für Wirtschafts- und Finanzplanung (GWF) in Osterode hätten das Ehepaar Becker* aus Aken fast 25.000 Mark gekostet. Diese Summe forderte die Europäische Hypothekenbank (Eurohypo) der Deutschen Bank für die Nichtannahme zweier Darlehensverträge über 270.000 Mark. Erst nach mehreren Beschwerden senkte die Bank ihre Forderung auf 1.500 Mark.

Wie es zur Unterschrift unter die Darlehensverträge kam, schildern die Beckers so: Obwohl sie dem GWF-Mitarbeiter mitgeteilt hätten, dass sie für die Finanzierung ihres Eigenheims einem Angebot der Debeka-Bausparkasse zugestimmt hätten, habe der Vermittler der GWF weiter auf einen Termin gedrängt. Er könne der Familie wesentlich günstigere Konditionen bieten. Schließlich habe man nachgegeben.

Daraufhin hätten Mitarbeiter der GWF und der Eurohypo stundenlang an einem Sonntagabend auf sie eingeredet. "Die beiden Herren erklärten uns, dass das Darlehen der Eurohypo besser als das der Debeka ist und dass es sich ja nur um ein Angebot handelt", sagte Ursula Becker. Gegen 23 Uhr, als Anton Becker das Gespräch abbrechen wollte, um noch pünktlich zu seiner Arbeitsstelle in Bayern zu kommen, hieß es, das Ehepaar müsse sofort unterschreiben. Bereits am nächsten Tag würden die Zinsen steigen.

Danach sei alles ganz schnell gegangen. Müde und unter Zeitdruck habe man die Verträge um 23 Uhr am Abend unterschrieben.

Das böse Erwachen kam schon am nächsten Tag. Nachdem Ursula Becker feststellte, dass sie nicht ein Angebot, sondern zwei Darlehensverträge unterschrieben hatte, widerrief sie diese am nächsten Tag telefonisch und wenig später schriftlich.

Doch ein Widerruf für Hypothekendarlehen sei rechtlich nicht möglich, teilte die Eurohypo mit und forderte 25.000 Mark Entschädigung.

Auf Nachfrage teilte die Bank mit, es sei bei ihr nicht üblich, Darlehensverträge nachts in der Wohnung von Kunden abzuschließen. "Aufgrund intensiver Erörterungen des Falles sowohl in unserem Haus als auch mit Mitarbeitern der GWF gehen wir davon aus, dass sich ein ähnlicher Fall nicht wiederholen wird."

GWF-Prokurist Uwe Kippenberg jedoch verteidigte das Vorgehen. Nur wegen der Montagetätigkeit von Becker sei "der Zeitansatz aus dem normal üblichen Zeitrahmen gehebelt worden", schrieb er. Korrekt und schnell habe man beraten. Das zeige auch ein Vergleich der Angebote.

Finanztest verglich selbst und stellte das Gegenteil fest: Die Tilgung des Eurohypo-Darlehens über eine fondsgebundene Lebensversicherung ist für die Beckers riskant, der Effektivzins des Darlehens deutlich höher als bei der Debeka.

*Name von der Redaktion geändert.

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