Euro oder Teuro Meldung

Die Teuro-Debatte hat den deutschen Wortschatz um eine blumige Formulierung erweitert, der gefühlten Inflation. Ähnlich wie bei der gefühlten Temperatur beschreibt sie einen Zustand subjektiver Befindlichkeit: Die Verbraucher glauben, dass die Preise im Zuge der Euro-Einführung saftig gestiegen sind; der Wahrheit entspreche dies aber nicht – sagt das Statistische Bundesamt.

Nach dessen Angaben lag die Preissteigerungsrate in Deutschland im Monat Mai bei gerade mal 1,2 Prozent. Gleichzeitig bestätigen die Statistiker aber die Vorwürfe, viele Einzelhändler hätten die Einführung des neuen Geldes für Preissteigerungen genutzt: So sind zum Beispiel Tomaten seit April 2001 um 51,9 Prozent teurer geworden.

Wie passt das zur Statistik? Das Bundesamt berechnet die Teuerung auf der Basis des so genannten Warenkorbs. Dieser ist eine angenommene Durchschnittseinkaufsliste von 60.000 Haushalten mit unterschiedlichen Einkommen. Der Warenkorb umfasst 750 Produkte, die verschieden gewichtet werden. Mit einem Anteil von 27,5 Prozent entfällt der Löwenanteil auf Ausgaben für Wohnung, Strom, Wasser und Gas. Nahrungsmittel machen aber nur 13,1 Prozent des Warenkorbs aus – da fällt eine Preiserhöhung für Tomaten (Warenkorbanteil: 0,95 Promille) in der Statistik kaum auf.

Ähnlich die Ausgaben für den Besuch in Hotels, Restaurants und Cafés: Wegen ihrer mit 4,6 Prozent relativ geringen Gewichtung im Warenkorb geht die Teuerung in der großen Statistik unter. Die Kunden müssen aber hier für den Verzehr von Kaffee, Tee und Kakao 4 Prozent mehr berappen. Auch Fleischgerichte sind um 4 Prozent teurer geworden, und Bier kostet 3,9 Prozent mehr.

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