Die Euro-Gruppe in Würzburg ist jetzt offenbar endgültig zusammen gebrochen. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht für die 15 Beteiligungsgesellschaften Insolvenz angemeldet. Von dem Antrag sind etwa 40 000 Anleger betroffen, die sich mit langjährigen Verträgen bei den Euro-Gruppen-Gesellschhaften engagiert haben. Ob sie etwas von ihrem Geld wieder sehen, ist fraglich. Finanztest hatte seit dem Jahr 2000 regelmäßig vor den riskanten Beteiligungen an Gesellschaften der Euro-Gruppe gewarnt. Die Firmen Goj, Ibeka, Lenz, Schober, Schuster-Schreiber, Knothe, Pierenz und Bialek stehen seit langem auf der Finanztest-Warnliste.

Gutachter untersucht Geldanlagen

Wie berichtet war nach der Insolvenz der AVB Allgemeine Vermögensberatungs GmbH, deren Mitarbeiter die riskanten Unternehmensbeteiligungen an Anleger vermittelten, zunächst die Ibeka Immobilien Beteiligungs AG aus Würzburg insolvent geworden. Der Insolvenzantrag war von einem Mitarbeiter des Unternehmens gestellt worden, der kein Gehalt mehr bekommen hatte. Das Amtsgericht Würzburg hat die Rechtsanwälte Bruno Fraas und Frank Hanselmann von der Kanzlei Bruno Fraas & Kollegen als vorläufige Insolvenzverwalter eingesetzt. Wegen des von der Euro-Gruppe selbst gestellten Insolvenzantrags wird jetzt zunächst ein Sachverständiger die Vermögenslage der Ibeka AG sowie weiterer Firmen der Euro-Gruppe prüfen. Anschließend werden die Insolvenzverwalter vermutlich versuchen, die Immobilien der Eurogruppe zu verwerten. Dazu gehört neben dem 17-stöckigen Würzburger Hotelturm auch das Euro-Center in der Wörthstraße in Würzburg sowie ein Ärztehaus und weitere kleinere Immobilien. Eine Stellungnahme, wie das Insolvenzverfahren ablaufen wird, wollen die Insolvenzverwalter am Montag abgeben.

Keine Stellungnahme vom Vorstand

Euro-Gruppe selbst äußerte sich trotz mehrerer Anfragen von Finanztest nicht. Jürgen Spilker, Vorstand der Anlagefirmen, reagierte auf Anschreiben und Faxe nicht. Ein erfolgreicher Verkauf des Hotelturms war der Ibeka AG – wie berichtet – in den vergangenen Monaten nicht gelungen. Der Verkauf des Hotelturms war angestrebt worden, um wieder liquide zu werden. Zwar hatte sich zunächst ein Käufer gefunden, der zahlte aber nicht. Daraufhin drohte mindestens ein Gläubiger der Ibeka mit Zwangsvollstreckung. Für die Firmen, für die nur Eigenantrag auf Insolvenz gestellt wurde, prüft jetzt ein Sachverständiger die Vermögenslage. Der Eigenantrag auf Insolvenz bestätigt letztlich den in der vergangenen Woche gestellten Insolvenzantrag.

Wenig Hoffnung für Anleger

Durch den Zusammenbruch der Euro-Gruppe ist der Großteil des Anlegergeldes mit großer Wahrscheinlichkeit verloren. Möglich waren langfristige Einmalanlagen und Sparpläne. Dabei gingen Anleger erhebliche Risiken ein. Denn als atypisch stille Gesellschafter sind sie laut Prospekt nicht nur an den Gewinnen, sondern auch an den Verlusten des Unternehmens beteiligt. Hinzu kamen hohe Kosten. Finanztest hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass dadurch Gewinne von Anfang an nicht besonders wahrscheinlich waren. Auch die Verflechtungen der verschiedenen Gesellschaften erhöhten das Risiko für die Anleger, da der Zusammenbruch eines Unternehmens zwangsläufig die Pleiten aller anderen Gesellschaften nach sich ziehen musste.

Ersatzansprüche möglich

Betroffene Anleger sollten sich unverzüglich von einem in Geldanlagefragen erfahrenen Anwalt beraten lassen. Möglicherweise lässt sich zumindest ein Teil des Geldes noch retten. In der Vergangenheit gelang es mehrfach, Rückzahlungsansprüche wegen Falschberatung durchzusetzen. Vermittler der inzwischen insolventen AVB Allgemeine Vermögensberatung GmbH hatten nämlich zahlreiche Anleger zum Abschluss der Beteiligungsverträge mit unlauteren Mitteln überredet. Anlegern wurde unter anderem weis gemacht, dass sie ihre Lebensversicherungs- und Bausparverträge zugunsten der angeblich lukrativen Beteiligungen kündigen sollten. Das aus den gekündigten Verträgen frei werdende Geld wurde dann in Verträge der Euro-Gruppe gesteckt. Dazu wurden in vielen Fällen sogar Anwälte eingeschaltet. Im Auftrag der Anleger kündigten sie die Verträge und legten das Geld als Einmalanlage bei der Euro-Gruppe an. Das erweckte den Anschein besonderer Seriosität. Die Berater der Euro-Gruppe verschwiegen jedoch stets, dass die vorzeitigte Kündigung von Lebensversicherungs- oder Bausparverträgen meist mit empfindlichen Verlusten verbunden sind.

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