Die grüne Taube steht für ethische Kriterien, die Finanztest an Fonds anlegt.

Eine gute Rendite allein genügt vielen Anlegern nicht. Sie wollen zumindest die schmutzigsten Geschäfte meiden.

Billigklamotten aus Bangladesh, jahr­hunderte­lange Strahlung durch Atom­kraft­werke, Klimawandel, Krieg. Die Welt ist voller schmutziger Geschäfte. Rund 95 Prozent der 18 000 in unserer Daten­bank gelisteten Fonds investieren in jedwedes Unternehmen, das gute Renditen verspricht. Die Frage, mit welchen Produkten und Methoden die Gewinne erzielt werden, steht nicht an erster Stelle. Weniger als 5 Prozent der Fonds achten bei der Auswahl der Wert­papiere ausdrück­lich auf ethische oder ökologische Kriterien.

Jeder Zweite für ethische Anlagen

Dabei wünschen sich Anleger mehr Ethik in der Geld­anlage. Laut einer aktuellen Umfrage zur Alters­vorsorge der Meinungs­forscher von Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale Bremen sagen 50 Prozent der Befragten, dass die Anbieter ethische und ökologische Aspekte berück­sichtigen sollen. In einer früheren Forsa-Studie zur Geld­anlage allgemein zeigte ein Drittel der Befragten Interesse an sauberen Investments.

Viel einge­zahlt haben die Anleger bisher aber nicht: Derzeit liegen in ethisch-ökologischen Fonds zwar rund 100 Milliarden Euro, im Vergleich zum gesamten Volumen sind das aber nur 2,5 Prozent. Woran liegt das?

In fast allen Fonds­gruppen gibt es eine saubere Alternative. Genau die haben wir uns angeschaut. Dazu haben wir mehr als 300 Fonds unter die Lupe genommen, die angeben, Aktien und Anleihen nach ethischen und ökologischen Kriterien auszuwählen. In den Tabellen dargestellt sind 58 Fonds aus den wichtigsten Gruppen (siehe PDF).

Die Guten ins Töpf­chen ...

Die Fonds gehen bei der Auswahl der Aktien und Anleihen unterschiedlich vor. Ein bekannter Ansatz ist die Auswahl der Klassen­besten, das Best-in-Class-Prinzip. Ausgewählt werden dafür Firmen, die sich in ihrer Branche besonders hervortun.

Im S&P Dow Jones Sustainability World Index zum Beispiel ist als nach­haltigster Auto­konzern BMW gelistet. Der Schweizer Nach­haltig­keits­spezialist Robeco­Sam, der die Unternehmen für den Index analysiert, führt die Klimastrategie des Auto­bauers als Grund an. Bei den Versorgern liegt die spanische Iberdrola vorn, die zwar als Atom­kraft­werks­betreiber bekannt ist, aber auch viel Energie aus erneuer­baren Quellen erzeugt.

... die Schlechten ins Kröpf­chen

Eine andere Heran­gehens­weise bei der Zusammen­stellung eines sauberen Fonds ist es, bestimmte Branchen von einem Investment von vorn­herein auszuschließen. Das heißt, Manager kaufen keine Aktien oder Anleihen von Firmen etwa der Rüstungs-, der Atom- oder der Ölbranche. Was tabu ist, ist von Fonds zu Fonds verschieden. Einen allgemeingültigen Mindest­stan­dard gibt es nicht.

Finanztest-Unter­suchung im Detail

Wir wollten wissen, welche Branchen und Verhaltens­weisen dazu führen, dass ein Fonds ein Unternehmen oder einen Staat ausschließt. Gefragt haben wir nach besonders umstrittenen Geschäften, wozu außer der Atom- und der Rüstungs­branche auch die Förderung von fossilen Brenn­stoffen gehört, insbesondere der umwelt­schädlichen Kohle. Auch nach dem Umgang mit Verstößen gegen Menschen- und Arbeits­rechte, Beispiel Kinder­arbeit, haben wir uns erkundigt.

Das Ergebnis: Nahezu alle Fonds­gesell­schaften wenden Ausschluss­kriterien an. Von ein paar haben wir keine Antworten erhalten. Es kommen außerdem immer wieder neue nach­haltige Fonds dazu, die wir nach und nach ebenfalls prüfen werden.

Klima nicht immer Thema

Atom­kraft ist für ethisch-ökologische Anleger tabu. China will Atom­energie weiter ausbauen – um CO2 zu vermeiden.

Das Ergebnis fällt so vielfältig aus wie die Ansätze der Fonds. Nur in einem Punkt herrscht Einig­keit: Alle 58 in der Tabelle aufgeführten sauberen Fonds schließen geächtete Waffen aus. Doch schon, was Waffen und Rüstung allgemein angeht, zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Nur 37 der 58 in der Tabelle (siehe PDF) abge­druckten Fonds schließen tatsäch­lich sämtliche Waffen aus, wozu außer Kriegs­waffen beispiels­weise auch Jagd­gewehre gehören.

16 Fonds schließen Atom­kraft nicht aus. Und nur rund die Hälfte der aufgeführten Fonds haben das Klima­thema fossile Brenn­stoffe auf der Ausschluss­liste.

Ethische Finanztest-Kriterien

Genau hier liegt wohl eine der Ursachen für das Miss­verhältnis zwischen dem Interesse an ethischen Geld­anlagen und dem investierten Geld: Anleger sehen sich zahlreichen Ansätzen gegen­über – und sie fürchten, dass ihr Ökofonds nicht so öko ist, wie sie dachten.

Damit das nicht passiert, haben wir drei Kriterien definiert, die ein Fonds mit einem Nach­haltig­keits­anspruch aus unserer Sicht erfüllen sollte:

Die Fonds dürfen nicht investieren in

  • Hersteller geächteter Waffen, nämlich Streumunition und Land­minen,
  • Atom­kraft­werks­betreiber,
  • Firmen, die Arbeits- und Menschen­rechts­verstöße dulden.

Die ethischen Finanztest-Kriterien sorgen für Klarheit: Mit solchen Fonds können sich Anleger sicher sein, dass sie an den schmutzigsten Geschäften nicht mitverdienen. 35 von 58 Fonds erfüllen diese Anforderung.

Bei der Definition der ethischen Finanztest-Kriterien haben wir uns an den Ausschluss­kriterien orientiert, die auch ethische Banken wie die GLS Bank oder die Kirchen­banken auf Unternehmen durch­gängig anwenden. Waffen- und Rüstungs­geschäfte sind bei den Banken meist sogar komplett ausgeschlossen.

Konsequent sauber

Von den welt­weit anlegenden Aktienfonds gehen der Fonds Ökovision Classic von Ökoworld, der Swiss­canto Green Invest Equity und der Triodos Sustainable Equity besonders streng vor. Alle drei erfüllen nicht nur die ethischen Finanztest-Kriterien, sondern schließen auch die Förderung fossiler Brenn­stoffe aus. Ebenfalls ausgeschlossen sind industrielle Tierhaltung und Land­wirt­schaft unter intensivem Einsatz von Dünge­mitteln und Pestiziden.

Trotzdem unterscheiden sich die Fonds: In den Top Ten, den zehn größten Werten, liegen jeweils andere Titel.

Größte Position beim Ökovision ist die US-Eisenbahngesell­schaft CSX, gefolgt vom Halb­leiter­hersteller Micron Technology, ebenfalls USA. Auf Platz 3 liegt das deutsche Software-Unternehmen SAP. Die Firma biete Software an, die das Management von Umwelt- und Nach­haltig­keits­aspekten unterstütze, heißt es bei der Fonds­gesell­schaft Ökoworld.

Beim Fonds von Swiss­canto stehen drei amerikanische Werte vorn: der Kranken­versicherer United Health, der Chemiekonzern Albemarle und die Firma Bright Horizons Family Solutions, die zum Beispiel Betriebs­kinder­gärten betreibt.

Toptitel des Triodos Sustainable Equity ist die Priceline Group, ein Online-Reiseanbieter aus den USA. Auf Platz 2 liegt die Schweizer Pharmafirma Roche, auf Platz 3 der US-Medien­konzern Time Warner. Priceline gilt den Analysten von Triodos zufolge als eines der nach­haltigsten Internet­unternehmen.

Ökovision und Swiss­canto halten jeweils rund 100 verschiedene Aktien, beim Triodos verteilt sich das Fonds­vermögen auf rund 70 Werte. In unserer Punktebe­wertung, die das Chance-Risiko-Verhältnis zeigt, sind die Fonds zurzeit nur Durch­schnitt.

Rendite nicht außer Acht lassen

Manchen ethisch orientierten Anlegern ist der wirt­schaftliche Erfolg ohnehin nicht so wichtig. Aber auch eine ethische Geld­anlage ist eine Geld­anlage und sollte eine vernünftige Rendite bringen. In unsere Finanztest-Punktebe­wertung über­setzt heißt das: Das Chance-Risiko-Verhältnis der Fonds sollte mindestens durch­schnitt­lich sein.

In der Tabelle (siehe PDF) haben wir also Fonds mit drei, vier und fünf Punkten aufgeführt. Fünf Punkte sind die Bestnote. Fonds mit weniger als drei Punkten sind nicht empfehlens­wert.

Was die Punktebe­wertung angeht, ist es bei den sauberen wie bei herkömm­lichen Fonds: Es gibt gute und schlechte. Die ökonomische Qualität ist also kein Grund, ethische Fonds zu meiden.

Auch ethische Fonds unter den Top-Fonds

Top-Fonds mit fünf Punkten gibt es unter den ethischen wie unter den herkömm­lichen Aktienfonds Welt. Der Anteil mittel­mäßiger Fonds (drei Punkte) ist bei den ethischen Fonds allerdings höher als bei den herkömm­lichen.

Top-Fonds im Test

Bei den Aktienfonds Welt gibt es drei Fonds mit fünf Punkten: Das sind der Gree­nEffects NAI-Werte-Fonds, der LGT Sustainable Equity Global und der TerrAssisi Aktien. Der Fonds von LGT erfüllt allerdings nicht alle ethischen Finanztest-Kriterien.

Der Gree­nEffects investiert in die 30 Werte des Natur­aktien­indexes NAI, der TerrAssisi Aktien ist mit rund 60 Werten etwas breiter aufgestellt.

Anleihen zum Absichern

Ebenso wie auf die Fonds­qualität sollten Anleger auf die Zusammen­stellung ihres Depots achten. Sie sollten nicht nur in Aktien investieren, sondern auch sichere Zins­anlagen beimischen.

Für den sicheren Teil kommen zum Beispiel Tages­geld oder Fest­geld von ethischen Banken infrage. Wollen Anleger bei Fonds bleiben, haben sie die Wahl zwischen Rentenfonds Euro und gemischten Fonds, die selbst bereits Aktien und Anleihen mischen.

Häufig kaufen Renten- und Misch­fonds Anleihen von Unternehmen, sie können aber auch in Staats­papiere investieren. Für diese gelten eigene Kriterien. Beispiels­weise ist ein Ausschluss­grund, dass ein Staat das Klimaab­kommen von Paris nicht unterzeichnet oder die Streumunitions- und Anti­personenminen­konventionen nicht ratifiziert hat.

Drei Rentenfonds Welt haben besonders strenge Kriterien: KCD-Union Nach­haltig Renten, Kepler Ethik Rentenfonds und Liga-Pax-Rent-Union.

Der einzige Rentenfonds mit fünf Punkten ist der Superior 1 Ethik Renten, der ebenfalls die ethischen Finanztest-Kriterien erfüllt. In den Toppositionen finden sich Anleihen von Banken und verschiedenen europäischen Staaten.

Fertiger Mix

Bei den Misch­fonds sollten Anleger sich zunächst aussuchen, welcher Mix am besten zu ihrem Risiko­typ passt: defensiv, ausgewogen oder offensiv. Wenn sie einen flexiblen Fonds wählen, kann der Aktien­anteil erheblich schwanken. Sämtliche auf Unternehmen bezogene Ausschluss­kriterien erfüllen die Misch­fonds von Swiss­canto und Triodos Sustainable Mixed. Die Priceline Group ist hier mit Aktien und Anleihen vertreten.

Bei den defensiven Misch­fonds haben der FairWorld­Fonds von Union und der Superior 3 Ethik weitreichende Ausschluss­kriterien und eine Bewertung von fünf Punkten. Der FairWorld­Fonds nimmt derzeit allerdings kein neues Geld mehr an.

Wenig Angebote der Banken

Anleger können ethische Fonds theoretisch bei jeder Bank kaufen. Oft werden sie ihnen aber nicht angeboten – was übrigens auch ein Grund ist, warum so wenig Geld in diesen Fonds landet. Direkt darauf angesprochen, würden viele Anleger wohl gerne sauberer anlegen. Aber so wissen sie oft gar nicht, dass es diese gute Art der Geld­anlage gibt.

Tipp: Informationen zu Ökofonds und Zins­anlagen ethischer Banken finden Sie auf unserer Themenseite Ökofonds und ethische Banken, sowie weitere Details zu Fonds in unserem Produktfinder Fonds und ETF im Test.

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