Ethisch-ökologische Fonds Test

Typisch öko: Der dänische Windradhersteller Vestas ist ein Liebling der Manager ethisch-­ökologischer Fonds.

Ethisch-ökologische Fonds verheißen Rendite ohne Reue. Finanztest hat die Anlagekonzepte von 60 Fonds ­untersucht, damit Anleger gezielt investieren können.

Guten Gewissens gut verdienen, das ist der Traum aller Anleger. Ethisch-ökologische Fonds wollen ihn erfüllen.

Wir haben für 60 Fonds geprüft, wie sauber sie investieren. Viele der Fonds sind noch nicht lange auf dem Markt. Deshalb konnten wir nur für ein Viertel auch die Wertentwicklung und ihre Stabilität in den vergangenen fünf Jahren bewerten. Die Qualität klafft weit auseinander (siehe Tabelle „Spreu und Weizen...“).

Für die inhaltliche Beurteilung der Fonds haben wir die Anbieter mit einem ausführlichen Fragebogen nach ihren Anlagekonzepten befragt und dann geprüft, ob sie sich daran halten. Wie sich dabei zeigte, wurden einige Fonds ihrem hehren Anspruch nicht gerecht.

Nachhaltige Widersprüche

Ethisch-ökologische Fonds Test

Der britische Pharmagigant Glaxo-SmithKline gilt innerhalb seiner Branche als vergleichsweise nachhaltiges Unternehmen.

Die Fondsgesellschaft Activest teilte uns mit, dass ihr Fonds Lux EcoTech nicht in Rüstungsunternehmen investiere. Dort entdeckten wir jedoch mit Mitsubishi Heavy Industries einen Konzern, der fast ein Fünftel seines Umsatzes im Militärbereich erzielt und zum Beispiel Kampfflugzeuge für die japanische Luftwaffe baut. Activest will die Aktien demnächst verkaufen.

Der Sustainable Vision Equity Fund von Metzler dürfte nach seinen Vorgaben keine Firmen enthalten, die über 10 Prozent ihres Umsatzes mit Nuklearanlagen machen. Wie kam dann die Eon-Aktie ins Portfolio? Fast ein Drittel des Umsatzes stammt bei dem Konzern aus Atomstrom. Immerhin hat Metzler die Eon-Anteile inzwischen veräußert.

Widersprüche stellten wir auch beim DAB Advisor I Meridio GreenBalance fest, der eigentlich keine Profiteure von Glücksspielen aufnehmen darf. Dennoch befand sich zwischenzeitlich die Aktie der Hilton-Hotelgruppe, die einen Teil ihrer Umsätze mit Glücksspielen erzielt, im Fondsvermögen.

Zum Glück sind solche Ungereimtheiten seltene Ausnahmen. Nach unseren Erkenntnissen hält sich das Gros der Nachhaltigkeitsfonds an die selbst auferlegten Beschränkungen.

Die österreichische Erste Sparinvest müsste sich allerdings genau genommen selbst auf ihre schwarze Liste setzen, denn dort steht bei ihrem Espa Stock Ethik T gemäß der Antwort auf unseren Fragebogen auch der Finanzsektor. Das ist nicht abwegig, denn jedes unsoziale, unethische oder umweltfeindliche Projekt wird schließlich von irgend jemandem finanziert. Aber ist die Erste Sparinvest nicht auch im Finanzsektor aktiv?

Unverständlich ist, warum viele Fonds nicht die genauen Anlagekriterien offen legen. In mehr als der Hälfte der Verkaufsprospekte sucht man sie vergeblich. Wenn die Fondsmanager bei den Unternehmen zu Recht auf Transparenz pochen, sollten sie diese auch in den eigenen Prospekten praktizieren.

Nachhaltigkeit als Anlagestrategie

Nachhaltigkeit ist heute eine Investmentstrategie, die bei Anlegern gut ankommt. Die Zeiten, als sich nur ein paar Umweltbewegte für ethisch-ökologische Fonds interessierten, sind vorbei.

Wir haben uns deshalb entschlossen, solche Fonds ab sofort in unserem Fondsdauertest ab Seite 89 mitlaufen zu lassen. Anleger finden sie eingeordnet in der passenden Fondsliste, zum Beispiel bei den Aktienfonds Welt.

Spezialisierte Ökofonds, die sich auf erneuerbare Energien und Umwelttechniken beschränken, bleiben dort – wie in unserer Untersuchung – unberücksichtigt. Als reine Branchenfonds sind sie kein Basisinvestment. Für Anleger, die auf Windkraft oder Sonnenenergie setzen, sind die aber genau richtig.

Die Zahl der ethisch-ökologischen Fonds ist in den vergangenen Jahren rapide gewachsen, ebenso wie das in ihnen investierte Kapital. Dennoch besteht zu grüner Aufbruchstimmung kein Anlass. Im Gesamtmarkt der Investmentfonds sind ethisch-ökologische Fonds immer noch kleine Fische.

Zum Vergleich: Allein in dem weltweit anlegenden Vermögensbildungsfonds I, einem Aktienfonds der Fondsgesellschaft DWS, liegen 6,6 Milliarden Euro. Das ist fast doppelt so viel wie in allen in Deutschland zugelassenen Nachhaltigkeitsfonds zusammen. Sie bringen es auf etwa 3,4 Milliarden Euro.

Die besten ihrer Branchen

Bei den geringen Anlagesummen einiger Fonds ist es fraglich, ob sie sich auf Dauer am Markt behaupten können. Weniger und dafür größere Fonds wären aus Anlegersicht vielleicht sogar besser. Denn bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die vermeintliche Vielfalt als Fassade, hinter der immer wieder die gleichen Konzepte erscheinen.

Die meisten ethisch-ökologischen Fonds sind reine Aktienfonds und richten sich bei der Titelauswahl nach der Best-in-Class-Methode. Mit dieser Methode werden aus jeder Branche die umweltfreundlichsten, ethischsten oder sozialsten Unternehmen herausgefiltert. So haben viele Nachhaltigkeitsfonds auch Auto- und Chemiefirmen, Ölmultis und Flugunternehmen im Portfolio.

Dem Fondsmanagement ist es kaum möglich, selbst nach den saubersten Unternehmen zu fahnden. Stattdessen orientieren sie sich an Nachhaltigkeitsindizes (siehe „Die ethisch-ökologische Indexwelt“) und beauftragen externe Sachverständige mit Recherchen.

So beruht die Aktienzusammenstellung in vielen Fonds auf den Daten von spezialisierten Agenturen wie der Münchener Oekom Research oder der Schweizer Sustainability Asset Management (SAM). Kein Wunder, dass man in den Portfolios immer wieder auf ähnliche Titelmischungen stößt.

Der Best-in-Class-Ansatz kann im Kleinen positive Wirkung haben. Wenn Manager ihre Firma für Nachhaltigkeitsfonds attraktiver machen können, indem sie Arbeitsbedingungen verbessern oder mehr für die Umwelt tun, motiviert sie das. Denn die erhöhte Nachfrage von Fonds lässt oft die Aktienkurse steigen. Wird dagegen eine Branche von vornherein verteufelt, entfällt der sanfte Druck aufs Management.

Manche Branchen sind tabu

Allerdings kann man auch Anleger verstehen, denen so viel Pragmatismus zu weit geht. Für sie kommen nur Fonds mit strengeren Richtlinien infrage.

Wer präzise Vorstellungen von einem ethischen Investment hat, entscheidet sich am besten für einen Fonds, der mit Negativkriterien arbeitet. Dann fallen meist Waffen-, Alkohol- und Tabakproduzenten durchs Raster oder die Fonds sieben Unternehmen aus, die ihr Geld mit Atomenergie oder gentechnisch veränderten Lebensmitteln verdienen.

Doch leider ist die Abgrenzung nicht eindeutig. Beispiel Rüstung: Darf eine Firma ins Portfolio, die zivile Güter für die Armee herstellt? Ist ein Mikrochip-hersteller tabu, weil seine Produkte ebenso in Raketen wie in Staubsaugern verwendbar sind? Gelten die Beschränkungen nur für das Unternehmen selbst oder auch für Tochtergesellschaften und verbundene Unternehmen?

Bis ins Detail lässt sich das nicht überprüfen, aber unsere Tabellen auf den folgenden Seiten geben Auskunft, ob die Ausschlusskriterien auch für Zulieferer und Tochterunternehmen gelten und ob ein Unternehmen mit einem gewissen Umsatzanteil sündigen darf.

Kein Ersatz für Direktanlage

Selbst bei strengster Auslegung ist aber der Kauf eines Umwelt- oder Ethikfonds nicht das geeignete Mittel, nachhaltige Ideen zu unterstützen. Das Geld wird nicht in neue Projekte investiert, sondern in den Kapitalmarkt gepumpt. Wer sich sozial oder ethisch engagieren will, spendet sein Geld besser oder investiert direkt. Das geht zum Beispiel über geschlossene Fonds, die Windkraft- oder Solaranlagen errichten.

Doch Anleger müssen genau prüfen, ob das Projekt ihren Zielen entspricht und ob es seriös kalkuliert ist. Selbst dann riskieren sie, dass die Sache floppt und sie ihr Geld verlieren. Ein reines Gewissen gibt es nicht umsonst.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3193 Nutzer finden das hilfreich.