Ethisch-ökologische Banken Meldung

Enttäuscht von ihrer Bank, wenden sich immer mehr Menschen den ethisch-ökologischen Banken zu.

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Es klingt zunächst nicht allzu spektakulär, wenn Sprecher Christof Lützel berichtet, dass die GLS-Bank im vergangenen Jahr 7 000 neue Kunden gewonnen habe und im ersten Halbjahr dieses Jahres weitere 7 000. Nun sind es 68 000 Menschen, die der Bank zumindest Teile ihres Ersparten anvertraut haben.

Was das bedeutet, erschließt sich erst im Vergleich. Im Jahr 2008 hat die GLS-Bank um 27,4 Prozent zugelegt, von Juni 2008 bis Juni 2009 sogar um 35 Prozent. „Wir sind die am schnellsten wachsende Bank in Deutschland“, sagt Lützel.

Auch die Umweltbank in Nürnberg hat dieses Jahr bereits rund 7 000 Kunden dazugewonnen. Sie durfte ihren 75 000. Kunden begrüßen. Die Ethikbank, eine Tochter der Volksbank Eisenberg in Thüringen, betreut zurzeit zwar nur rund 8 300 Kunden, aber immerhin 700 mehr als Ende vergangenen Jahres.

Die Sondergruppe der ethisch-ökologischen Geldinstitute ist damit noch lange nicht vollständig. Die kirchlichen Banken ordnen sich inzwischen ebenfalls dort ein.

Wir haben als Beispiele die Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) mit evangelischen Wurzeln und die katholisch geprägte Bank für Kirche und Caritas (BKC) gewählt. Beide kümmern sich bundesweit um Kunden. Die Bank für Kirche und Caritas wendet sich vor allem an Mitarbeiter katholischer Einrichtungen.

Die Ligabank und die Paxbank haben es abgelehnt, unsere Fragen zu beantworten, weil sie nur für Bedienstete der katholischen Kirche tätig seien. Sie waren vor kurzem aufgefallen, weil sie ihre eigenen Anlagekritierien nicht einhielten und Kundengeld auch in Hersteller von Rüstungsgütern und Verhütungsmitteln investiert hatten. Sie haben Besserung gelobt.

Gar nicht gemeldet haben sich die Steyler Bank und die Spar- und Kreditbank Witten (Bund freier evangelischer Gemeinden Deutschlands eG). Nur regional tätig sind die Evangelische Darlehensgenossenschaft Kiel, die Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel und die Landeskirchliche Kredit-Genossenschaft Sachsen (evangelisch-lutherisch).

Konservativ in die Zukunft

Für den Zulauf zu ethisch-ökologischen Banken sorgen das Verlangen nach Transparenz und Sicherheit sowie der Wunsch, sein Geld für das Gute arbeiten zu lassen.

Diese Geldhäuser wirtschaften im positiven Sinne konservativ: „Wir stützen uns auf einfache kaufmännische Grundregeln und betreiben noch klassisches Bankgeschäft“, sagt Alexander Stark von der Umweltbank.

Die Kundeneinlagen werden in Form von ökologischen Krediten weitergereicht. Die Umweltbank zum Beispiel hat das Geld der Kunden zu 47 Prozent in Solarprojekten angelegt, zu 29 Prozent in ökologischen Baumaßnahmen und zu 24 Prozent in Wind-, Wasser und Biomassekraftwerken und in der ökologischen Landwirtschaft.

Wohnungsbau mit sozialverträglichen Mieten, Kindergarten- und Schulbau, ökologische Tierhaltung, Fotovoltaikanlagen und Entwicklungshilfeprojekte hilft die GLS-Bank zu finanzieren.

Ähnlich arbeitet die Ethikbank und legt im Internet gleich offen, wie sie ihre Zinsen erwirtschaftet. Die Bank bietet zusätzlich einen Ökobaukredit für Privatleute an.

Banken verpflichten sich zur Moral

Wie andere Kreditinstitute investieren aber auch ethisch-ökologische Banken an der Börse. Sie geben sich jedoch strenge Vorgaben und schließen viele Unternehmen und Staaten von ihren Investitionen aus.

Tabu sind Unternehmen, die Atomkraftwerke bauen oder betreiben, Rüstungsgüter herstellen oder vertreiben oder Kinder für sich arbeiten lassen. Außen vor bleiben auch Firmen, die Pflanzen und Saatgut gentechnisch verändern, Tierversuche anstellen oder Menschen klonen.

Staatsanleihen korrupter Regimes kommen ebensowenig infrage wie die von Staaten, die zum Beispiel das Abkommen zur Ächtung von Landminen missachten.

Ausschluss- oder Tabukriterien sind meist nur der erste Schritt. Danach prüfen die Bankmanager, wie nachhaltig eine Firma in ihrer Vergleichsgruppe wirtschaftet. In der Autobranche erfüllt zum Beispiel die BMW-Bank die Kriterien der Ethikbank am besten und gelangt so in deren Portfolio.

Anleger können Depot übertragen

Trotz der Maßstäbe der Institute für die bankeigenen Investitionen dürfen Anleger ihre Depots meist vollständig überführen. Was drin ist, spielt zunächst keine Rolle. Die Berater der Banken legen den Anlegern aber nahe, ihr Depot nach und nach den Auswahlkriterien anzupassen.

Die Umweltbank geht noch weiter. Zu ihr dürfen nur „dunkelgrüne“ Wertpapiere mitgebracht werden. Im Augenblick sind das 41 Umweltaktien aus deutschsprachigen Ländern.

Wollen die Anleger Geld auf Sparkonten legen, kümmern sich die Banken um die korrekte Investition. Der Markt ist aufnahmefähig. Christof Lützel von der GLS-Bank sieht zum Beispiel kein Problem, das viele zusätzliche Geld nach den strengen Kriterien anzulegen. Im Gegenteil: „Ethisches Investment ist die Zukunft“, sagt er. „Wir haben keine Kreditklemme.“

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