Ethisch-ökölogische Banken Test

Enttäuscht von Banken, die spekulieren und fragwürdige Unternehmungen finanzieren, wechseln viele Menschen zu ethischen Geldhäusern.

Wie radio­aktiv ist Ihre Bank?“, fragte nach der Atom­katastrophe in Japan der Verein urge­wald. Die Nicht­regierungs­organisation untersuchte die Verflechtungen deutscher Banken mit der interna­tionalen Atom­industrie und rief zum Banken­wechsel auf. Das brachte die Ethik­bank auf eine Idee: Sie bot jedem Neukunden – befristet – einen Sonderzins für das Tages­geld an und zusätzlich ein kostenloses Giro­konto. Mit Erfolg: Allein im Juni und im Juli 2011 eröff­nete die Ethik­bank doppelt so viele Giro- und Tages­geld­konten wie von Januar bis Mai desselben Jahres.

Zocker­banken den Rücken gekehrt

Mitt­lerweile zählt die Ethik­bank knapp 13 000 Kunden, doppelt so viele wie 2007. Schon nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers verließen viele enttäuschte und verärgerte Kunden ihre herkömm­liche Bank und brachten ihr Geld zur Ethik­bank oder einem anderen ethisch-ökologisch ausgerichteten Institut.

Ein Motiv der Wechselwil­ligen: Sie wollten mit den Zocker­banken, die mit ihren hoch­spekulativen Fantasie­produkten das Finanz­system an den Rand des Abgrunds bugsiert hatten, nichts mehr zu tun haben. Die Zahl der Kunden von Ethik­bank, GLS-Bank, Umwelt­bank und Bank für Kirche und Diakonie stieg von 150 000 vor Beginn der Finanz­krise auf rund 250 000 jetzt. Das ist ein Zuwachs von 67 Prozent.

Die Bank für Kirche und Diakonie ist eine von zahlreichen Kirchen­banken. Sie stellt ihre Dienste bundes­weit allen Kunden zur Verfügung – anders als andere Kirchen­banken, die sich ausschließ­lich an Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen wenden.

Eine Bank ist eine Bank

Die Geldhäuser mit Anspruch sind schon seit den 70er Jahren Teil des deutschen Banken­systems, je nach Sicht­weise sogar schon viel länger. Wie alle anderen Banken und Sparkassen unterliegen sie der Kontrolle durch die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin). Das Geld ist dort genauso sicher wie bei den herkömm­lichen Instituten. Ihre Mitarbeiter sind Bank­kaufleute, Betriebs- oder Volks­wirte, wie die in anderen Banken auch. Sie beraten und verkaufen.

Der Kunde kann bei den meisten ein Giro­konto eröffnen, auf das sein Gehalt oder sons­tige Geld­eingänge fließen. Miete, Strom und weitere Kosten können von dort abge­bucht oder über­wiesen werden.

Zinsen sind in Ordnung, nicht spitze

Auch Geld­anlagen wie Tages­geld und Fest­geld, Spar­konten, Sparpläne oder Spar­briefe bieten die alternativen Banken an. Die Zinsen, die sie zahlen, sind im Vergleich mit anderen Banken durch­aus in Ordnung, an die Spitzen­angebote konventioneller Banken reichen sie allerdings nicht heran.

Wer will, kann auch ein Wert­papierdepot eröffnen. Die GLS-Bank wünscht, dass ihre Kunden nur Wert­papiere verwahren lassen, die mit den Anla­gekriterien der Bank in Einklang stehen. Ein Verbot spricht sie allerdings nicht aus.

Die Umwelt­bank geht in diesem Punkt strenger vor: Wert­papiere, die nicht zu ihrer Anlagephi­losophie passen, müssen einfach draußen bleiben.

Geld nicht für jeden Zweck

Der wesentliche Unterschied zwischen den ethisch-ökologischen und den herkömm­lichen Banken zeigt sich bei der Verwendung des Geldes, das ihnen ihre Kunden zur Verfügung stellen. Die Banken können damit auf zweierlei Weise verfahren. Sie können das Geld an andere private Kun-den oder Unternehmen ausleihen und dadurch gezielt ökologische oder ethische Projekte fördern. Oder sie können es am Kapitalmarkt anlegen, indem sie Aktien oder Anleihen kaufen. Dann kommen ihre spezi­fischen Anla­gekriterien ins Spiel.

Keine Atom­industrie

Die Banken definieren eine ganze Reihe Ausschluss­kriterien. Zu den ökologischen Ausschlüssen gehören zuvor­derst die Atom­industrie, aber auch andere umwelt­schädliche Branchen oder Praktiken. Bei der GLS Bank zählen dazu die Herstellung von Schädlings­bekämpfungs- und Pflanzen­schutz­mitteln oder der Einsatz von Gentechnik in der Land­wirt­schaft. Tabu sind auch Unternehmen, die Umwelt­verschmut­zung nach­weislich zulassen.

Ähnlich sieht es auch bei der Ethik­bank aus. Unternehmen, die mit Atom­kraft, grüner Gentechnik sowie ozon­zerstörenden Chemikalien Geld verdienen, kommen als Investment nicht infrage.

Keine Rüstung, keine Kinder­arbeit

Außer ökologischen gibt es auch ethische Investitions­tabus. Bei allen Banken ge-hören dazu die Rüstungs­industrie sowie Kinder­arbeit oder die Miss­achtung von Menschen­rechten. Die GLS Bank und die Bank für Kirche und Diakonie schließen ausdrück­lich auch Pornografie und die Embryonen­forschung aus.

In Anleihen von BMW investiert

Die Ethik­bank etwa hat eine Reihe von Anleihen gekauft. Welche das sind, zeigt sie auf ihrer Internetseite. Derzeit ist die Bank vor allem in Anleihen von Staaten und Bundes­ländern sowie in Pfand­briefen investiert. Auch Unternehmen sind dabei, beispiels­weise hält die Ethik­bank Anleihen des deutschen Auto­konzerns BMW. BMW gefällt deshalb, weil das Unternehmen Nach­haltig­keit in seine Geschäfts­tätig­keit ausdrück­lich einbezieht.

Auch die GLS Bank legt Geld am Kapitalmarkt an und auch sie veröffent­licht ihre Anlagen auf ihrer Internetseite. Zurzeit besteht das Anlageportfolio der GLS Bank aus rund drei Viertel Anleihen, dazu kommen Anlagen bei anderen Banken und rund 2 Prozent Aktien und Beteiligungen.

Derzeit befinden sich im Portfolio der GLS Bank Staats­anleihen, Anleihen von Banken und Pfand­briefe. Außerdem hat die Bank unter anderem Anleihen des Baumarktes Kingfisher und des norwegischen Staats­konzerns Stat­kraft gekauft. Stat­kraft erzeugt Strom aus Wasser­kraft, Kingfisher baut seine neuen Baumärkte CO2-neutral.

Die Nach­haltig­keit hinterfragt

Auch Triodos und die Bank für Kirche und Diakonie sind am Kapitalmarkt unterwegs und kaufen dort Wert­papiere, die zur Anlagephi­losophie passen. Dabei ist die Triodos Bank die einzige der genannten Institute, die ihre Nach­haltig­keits­forschungen selbst betreibt. Die anderen greifen auf die Erkennt­nisse von Rating­agenturen zurück, die sich darauf spezialisiert haben, Unternehmen und Staaten auf Nach­haltig­keit zu prüfen.

Die Bank für Kirche und Diakonie zum Beispiel zieht die Münchner Firma oekom research zu Rate. Im Auftrag der Ethik­bank forscht imug, ein Unternehmen mit Sitz in Hannover. Die GLS Bank arbeitet mit beiden zusammen, mit imug und oekom research, und lässt deren Anlage­vorschläge von einem siebenköpfigen Anla­geausschuss prüfen. Dieser Ausschuss setzt sich aus internen und externen Fachleuten zusammen.

Für Solar, Wind, Wasser und Biogas

Am Kapitalmarkt legen die Banken unter anderem das Geld an, das sie von Kunden bekommen haben, aber nicht an andere Kunden ausleihen konnten. Bei der Umwelt­bank fließt das Kundengeld ausschließ­lich in Umwelt­projekte. Anfang 2010 verteilte sich das Geld ungefähr zur Hälfte auf Solar­finanzierungen und zu einem Drittel auf ökologische Baufinan-zierungen. Der Rest floss in Wind-, Wasser­kraft- und Biogas­anlagen.

Die GLS Bank finanziert zum Beispiel Wohnungs­bau mit sozial­verträglichen Mieten, Kinder­garten- und Schulbau, ökologische Tierhaltung, Fotovoltaikanlagen und Entwick­lungs­hilfe­projekte.

Kein Konsumenten­kredit zu haben

Auch das Kredit­geschäft der Ökobanken unterliegt strengen Kriterien. Wer als Kunde bei einer Öko-, Ethik- oder Kirchen­bank einen Kredit aufnehmen will, unterliegt ebenfalls speziellen Regeln. Die meisten Institute verleihen nur Geld, wenn sich die Kunden dafür ein Haus bauen oder reno­vieren. Normale Konsumenten­kredite gibt es meist nicht, es sei denn, man zählt den Dispo auf dem Giro­konto dazu.

Keine undurch­sichtigen Geschäfte

Boden­ständig­keit wird bei ethisch-ökologischen Banken groß geschrieben. Wetten mit undurch­sichtigen Kreditpaketen und Spekulationen auf die Entwick­lung der Preise von Grund­nahrungs­mitteln und Rohstoffen kommen für diese Institute nicht infrage.

Trans­parenter als die Konkurrenz

In einem Punkt sind die ethisch-ökologischen Banken schon weit vorn: Sie versuchen, trans­parenter zu arbeiten als ihre herkömm­liche Konkurrenz. Beispiels­weise veröffent­licht die GLS Bank alle Kredite, die sie vergibt, mit Angabe des Zwecks und der Höhe des Kredits. Einen großen Vorsprung in Sachen Trans­parenz verzeichnen die Öko- und Ethik­banken bei den Eigen­anlagen. Herkömm­liche Banken bewahren über ihre Käufe am Kapitalmarkt Still­schweigen – auch wenn es sich dabei um das Geld ihrer Kunden handelt, mit dem sie arbeiten.

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