Wer ethisch investieren möchte, hat Auswahl: Er kann zwischen Spenden-Sparprodukten und Spendenfonds wählen. Finanztest zeigt, was sich für wen eignet.

Gutes tun und Geld vermehren ist kein Widerspruch. Das erkennen ­immer mehr Kapitalanleger. Sie wollen ihr Geld so anlegen, dass neben einer marktgerechten Rendite und einer entsprechenden Sicherheit auch ethische Kriterien berücksichtigt werden.

Der Markt für ethische Kapitalanlagen soll in Deutschland nach Schätzungen von Experten mittlerweile ein Volumen von gut zwei Milliarden Euro haben. Doch welche Geldanlagen sind ethisch? Schwer zu beantworten, denn für ethisch gibt es keine allgemein gültige Definition.

Dieses Problem kennt auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie hat bislang keinen Ethikfonds in Deutschland genehmigt. „Ethisch ist ein interpretationsbedürftiger Begriff“, sagt Sabine Lautenschläger, Pressesprecherin der Bundesanstalt. Das Gesetz für Kapitalanlagegesellschaften schreibt jedoch zum Schutz der Anleger vor, dass die Behörde nur Fonds zulassen darf, die klar darlegen, nach welchen Grundsätzen sie ihre Wertpapiere auswählen. „Fonds, die sich beispielsweise an einem Nachhaltigkeitsindex orientieren, haben keine Probleme mit einer Zulassung“, sagt sie.

Bei diesem Ansatz werden die Aktien der besten Unternehmen einer Branche (Best of Class) gekauft, denen es gelungen ist, den Ressourceneinsatz und die Umweltbelastung zu reduzieren. Zu den Kandidaten können dann auch Firmen wie BMW oder Shell zählen – Aktien, die zwar nachhaltig sein können, aber für viele Anleger nicht unter ethisches Investment fallen dürften.

Auch wenn es schwierig ist, den Markt für ethische Geldanlage einzugrenzen, so lassen sich zwei Tendenzen beobachten: Zum einen gibt es Sparanlagen, die einen Teil der Rendite für einen guten Zweck spenden – unabhängig davon, wie und in welcher Branche das Geld erwirtschaftet wurde.

Zum anderen gibt es Sparangebote mit klaren ökologischen oder sozialen Anlagerichtlinien. Hierzu zählen Ökofonds. Aber auch Banken, wie etwa die Umwelt- oder GLS-Bank, sind ethisch ausgerichtet. Ihr Ziel ist es, als Aktionär oder Fondsmanager Einfluss auf Unternehmen auszuüben, sich ökologisch und sozial zu verhalten und günstige Kredite an förderungswürdige Projekte oder Firmen zu vergeben. Wer also ethisch investieren möchte, muss sich zunächst entscheiden: Möchte er in erster Linie „Spenden und Geldanlage“ kombinieren, dann kommen für ihn Spendenfonds und einige Bankprodukte infrage. Oder möchte er, dass sein Geld nach ökologischen und sozialen Anlagerichtlinien investiert wird. Dann sind Ökofonds und Angebote ethisch grüner Geldhäuser für ihn geeignet.

Spenden und Sparen

„In Deutschland sind Geldanlage und Spenden in einem Produkt selten“, sagt Thomas Röhr, Pressesprecher BSTI - Deutscher Fundraisingverband. Diese Erfahrung machte auch Finanztest. Wir fanden nur zehn Angebote, bei denen gleichzeitig gespart und gespendet wird. Fünf davon sind Spendenfonds.

Die meisten Spendenfonds, wie etwa der DWS Bildungsfonds und der DKD Fonds, haben keine verbindlichen Investitionsrichtlinien, überweisen aber regelmäßig einen Teil der Ausschüttung an eine Wohltätigkeitsorganisation.

Ähnlich sind auch zahlreiche Spenden-Sparanlagen der Banken und Sparkassen gestrickt. Die norisbank etwa bietet das Spendensparen an. Der Sparer legt sein Geld für ein Jahr fest. Der effektive Jahreszins beträgt 3,50 Prozent. Auch hier überlässt der Anleger einen Teil des Ertrags, nämlich 0,25 Prozentpunkte, der Kinderkrebshilfe. Die norisbank schießt noch einmal genauso viel dazu, sodass zusammen 0,5 Prozentpunkte des Anlagebetrags der gemeinnützigen Organisation zufließen. „Insgesamt konn­ten wir so im vergangenen Jahr 12 221 Euro spenden“, sagt Ulrich Zeidner, Pressesprecher der Bank. Spenden, die über diesen Kanal an die Kinderkrebshilfe fließen, kann der Anleger allerdings nicht von der Steuer absetzen, weil er keine Quittung erhält.

Als Spenden für kirchliche, religiöse und gemeinnützige Zwecke sind normalerweise bis zu 5 Prozent der jährlichen Gesamteinkünfte absetzbar.

Doch nicht nur herkömmliche Banken wie die norisbank bieten Spendensparprodukte. Auch die GLS- und Ökobank haben sie im Angebot. Hier spendet der Anleger die gesamten Zinsen und erhält eine Quittung.

Ethisch-grüne Geldhäuser

Für Anleger, denen es nicht egal ist, wie ihre Rendite erwirtschaftet wird, kommen entweder Ökofonds oder die Sparanlagen der ökologischen und ethischen Banken infrage. In der Tabelle finden Sie Banken aus diesem Bereich, bei denen jeder Sparer anlegen kann.

Die Alternativbanken arbeiten zunächst wie herkömmliche Banken auch: Sie leiten die bei ihnen angelegten Gelder als Kredite weiter. Allerdings verleihen die alternativen Banken das Geld zu günstigen Kreditkonditionen an sozial und ökologisch ausgerichtete Unternehmen und Projekte – zum Beispiel an Biohöfe oder Waldorf-Kindergärten. Diese Projekte können sie aber nur fördern, weil viele ihrer Kunden auf einen Teil der Zinsen verzichten und die Banken nicht ausschließlich gewinnorientiert arbeiten. Bei einem Zinsvergleich gehören sie daher selten zu den Testsiegern.

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