Ethanol-Kamin Eine brandgefähr­liche Deko

Ethanol-Kamin - Eine brandgefähr­liche Deko
Heimelig, aber riskant. Ethanol-Kamine sollen unkompliziert für Gemütlich­keit sorgen. Doch es kommt immer wieder zu schweren Unfällen. © Getty Images / iStockphoto

Ethanol-Kamine sind beliebt, aber brandgefähr­lich. Die Raum­luft belasten sie außerdem. Wer auf die Deko nicht verzichten will, sollte unsere Tipps beachten.

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So gefähr­lich sind Ethanol-Kamine

Ethanol-Kamine immer wieder Ursache von Unfällen

Einen gemütlichen, wohlig warmen Kamin, aber mobil und ohne Rauch und Ruß: Das versprechen immer noch manche Anbieter von Ethanol- oder Bioethanol-Kaminen. Doch die heimeligen Öfen können brandgefähr­lich sein. Mehr­fach wurden in den vergangenen Jahren in Deutsch­land Menschen durch Ethanol-Explosionen teils schwer verletzt. Ursache sind häufig Bedienungs­fehler oder Miss­geschicke. Wird Ethanol nachgefüllt, wenn der Kamin noch heiß ist, kann eine Stich­flamme emporschießen.

Tipp: Wer trotz der Risiken einen Ethanol-Ofen nutzen möchte, sollte unsere Tipps für den Betrieb beachten und Lösch­mittel parat halten. Die Stiftung Warentest hat Löschmittel verglichen und erläutert, wie Sie einen Brand bekämpfen, ohne sich zu gefährden.

Ethanol-Kamine im Schad­stoff-Check

Ethanol verbrennt vor allem zu Kohlen­dioxid und Wasser­dampf. Aber das sind nicht die einzigen Emissionen. Das französische Verbrauchermagazin 60 Millions de consommateurs hat in einem Ölofen-Test auch zwei Ethanol-Kamine geprüft. Die Modelle Wikao Zenith Smart und OneConcept Phantasma Tower erzielten in dem Anfang 2021 veröffent­lichten Test ,„katastrophale Ergeb­nisse“ beim Schad­stoff­ausstoß.

Zu viel Kohlen­monoxid und Form­aldehyd

In einem Versuchs­raum mit konstantem Luft­austausch über­schritt die Konzentration von Kohlen­monoxid – geruchlos und giftig – etwa 13 Milligramm pro Kubik­meter. Laut Welt­gesund­heits­organisation WHO sollten es im Acht-Stunden-Mittel nicht mehr als 10 Milligramm sein.

Krebs­er­regendes Form­aldehyd erreichte bei dem Test Konzentrationen von jeweils 140 und 192 Mikrogramm je Kubik­meter. Der WHO zufolge sollte der Wert 100 Mikrogramm während 30 Minuten nicht über­schreiten.

Auch beim Ausstoß von krebs­er­regendem Benzol und Fein­staub schnitten die getesteten Kamine schlecht ab.

Tipp: Nutzen Sie Ethanol-Öfen nur in gut belüfteten Räumen und nicht zum Heizen.

Beim Kauf auf aktuelle Din-Norm achten

Ethanol-Kamine können ungeprüft auf den Markt gebracht werden. Über­wachte Sicher­heits­regeln gibt es nicht, also auch kein GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“.

Etliche Anbieter werben damit, dass ihre Modelle der Din-Norm 4734 entsprechen. Allerdings ist die veraltet. Die Din EN 16647:2016 ist die aktuelle Norm für Deko-Feuer­stellen mit einem flüssigem Brenn­stoff wie Ethanol. Sie gilt für Geräte mit einer maximalen Leistung von 4,5 Kilowatt. Das entspricht einem Brenn­stoff­verbrauch von etwa einem halben Liter in der Stunde.

Für Ethanol-Kamine, die mehr verbrennen können oder eine definierte Heiz­funk­tion haben, gelten weiterreichende Vorschriften.

Was die Norm vorschreibt

Um der Norm zu entsprechen, sind zum Beispiel Warn- und Bedienungs­hinweise notwendig. Ebenso gelten Anforderungen an die Konstruktion der Geräte. Insbesondere soll das Umstoßen und Auslaufen des Brenn­stoffs verhindert werden.

Die Norm allein schützt nicht!

Wenn Sie einen Ethanol-Kamin kaufen wollen, achten Sie darauf, dass er der gültigen Norm entspricht und die Prüfung durch ein unabhängiges Institut belegt ist. Die Experten der Stiftung Warentest meinen allerdings: Selbst die Norm-Anforderungen können nicht voll­ständig vor Unfällen schützen.

Grund­sätzlich sollten Ethanol-Kamine nur brennen

  • in zugfreier Umge­bung, mit dem vorgesehenen Brenn­stoff,
  • nach dem Lesen der Gebrauchs­anleitung
  • und in gut belüfteten Räumen.

Auf dem Typenschild muss auch die Mindest­größe des Raumes vermerkt sein.

Auch Bioethanol ist explosiv

Bioethanol besteht zwar in der Regel zu etwa 95 Prozent aus pflanzlichen Alkoholen, ist aber ebenfalls Ethanol und damit ein gefähr­licher Brenn­stoff und Brand­beschleuniger. Schon ab 21 Grad Celsius kann Ethanol mit Luft ein leicht entzündliches Gemisch bilden. Läuft Ethanol aus und entzündet sich, brennt schnell der ganze Raum. Vor allem ist das entstehende Luft-Ethanol-Gemisch explosions­fähig.

Tipp: Alternativ und sicher lässt sich Kamingefühl auf dem Fernseher, Monitor oder Notebook erzeugen - durch behagliche Kamin­videos als Bild­schirm­schoner. Die besten Fernseher, Monitore und Laptops finden Sie in den Tests der Stiftung Warentest.

Informieren Sie sich vor dem Kauf genau

Im Fach­geschäft. Wenn Sie sich einen Kamin oder eine Deko-Feuer­stelle kaufen wollen, sollten Sie das im Fach­geschäft tun.

Vorführen lassen. Lassen Sie sich in jedem Fall den Kamin vorführen und wichtige Sicher­heits­hinweise geben.

Prüfbe­richt erbitten. Nur ein Prüfbe­richt nach Norm Din EN 16647:2016 eines unabhängigen Prüf­instituts ist zuver­lässig. Verlassen Sie sich nicht allein auf Zeichen auf der Verpackung oder in der Werbung. Sie sind leicht aufzudrucken.

Genau lesen. Vor dem Kauf sollten Sie die Aufstell- und Bedienungs­anleitungen genau gelesen haben. Im Online­handel können diese für den Verbraucher wichtigen Informationen fehlen.

Ganz Ohr sein. Lassen Sie sich das Gerät genau erklären. Manche Deko-Feuer­stellen oder Kamine lassen sich nicht „abstellen“. Sie brennen in jedem Fall so lange, bis das Ethanol verbraucht ist. So lange müssen Sie die Flamme auch über­wachen. Andere lassen sich löschen, indem die Luft­zufuhr zur Flamme unterbrochen wird. Da verbleibt das restliche Ethanol im Kamin.

Achtung, gefähr­lich beim Entzünden

Das im Kamin verbliebene Ethanol kann beim nächsten Entzünden gefähr­lich werden. Es könnten sich zünd­fähige Gasgemische in größeren Mengen bilden. Mehrere Unfälle mit schwersten Verbrennungen, zum Teil mit Todes­folge, hat es in den letzten Jahren gegeben.

Ethanol-Kamin: Tipps für den Betrieb

Sicheren Platz finden. Prüfen Sie, ob offene Flammen in Ihrem Haushalt einen sicheren Platz finden.

Abstand wahren. Halten Sie sich beim Aufstellen strikt an die Hinweise in der Aufstell­anleitung. Stellen Sie den Kamin so auf, dass sich keine brenn­baren Materialien wie Holz oder Papier in der Nähe befinden. Lassen Sie sich bei Wandgeräten vorher beraten. Sie sind besonders heikel in der Befestigung.

Besser verzichten

Wenn kleine Kinder oder Haustiere in Ihrem Haushalt leben, sollten Sie besser gänzlich auf die Anschaffung eines Ethanol-Kamins verzichten.

Sofort löschen. Wenn Ethanol oder andere brenn­bare Stoffe außer­halb des Kamins in Brand geraten, versuchen Sie die Flammen sofort zu löschen. Das geht beispiels­weise mit einem Schaum-Feuerlöscher. Achten Sie darauf, dass der Löscher für brennende Alkohole geeignet ist. Ist kein Feuerlöscher im Haus, kann eine schwere Baumwoll­decke helfen, den Brand zu löschen. Besser ist eine speziell behandelte Lösch­decke. Mehr zu Löschmitteln erfahren Sie im Vergleich der Stiftung Warentest. Übrigens: Die Stiftung Warentest hat auch Rauchmelder getestet.

Wenns brennt

Ist der Brand nicht umge­hend zu löschen, verständigen Sie sofort die Feuerwehr unter der Rufnummer 112.

Behut­sam befüllen. Besonders gefähr­lich beim Umgang mit Bio-Ethanol-Kaminen ist das Nach­füllen. Füllen Sie unter keinen Umständen Ethanol nach, während der Kamin brennt oder noch heiß ist. Immer nur in ein komplett kaltes Gerät nach­füllen! Hersteller sollten Angaben dazu machen, wie lange nach dem Erlöschen der Flammen zu warten ist, bis das Gerät wieder befüllt werden kann. Ebenso sollte in der Dokumentation stehen, wie viel Ethanol die Brenn­wanne des Kamins fasst. Außerdem muss die maximale Füll­menge im Gerät dauer­haft markiert sein. Füllen Sie auf keinen Fall mehr hinein. Lassen Sie das Ethanol-Gefäß nie neben dem Kamin stehen und verschließen Sie es sofort, nachdem Sie den Brenn­stoff einge­füllt haben.

Aufmerk­sam anzünden. Halten Sie sich beim Anzünden des Brenn­stoffs strikt an die Gebrauchs­anleitung. Gehen Sie dabei nicht zu nah an die Brenn­wanne heran.

Nur angegebenen Brenn­stoff verwenden. Nehmen Sie nur den in der Gebrauchs­anleitung angegebenen Brenn­stoff. Verwenden Sie in keinem Fall andere flüssige Brenn­stoffe.

Feuer beaufsichtigen. Lassen Sie das Feuer niemals aus den Augen. Verlassen Sie insbesondere nicht Haus oder Wohnung, während der Kamin noch brennt. Gehen Sie auch nicht zu Bett, solange die Flamme noch nicht erloschen ist.

Regel­mäßig lüften. Beim Verbrennen von Bio-Ethanol entstehen neben Wasser und Kohlen­stoff­dioxid auch Luft­schad­stoffe, die den Innenraum belasten. Durch das Kohlen­stoff­dioxid wird die Luft feuchter und schneller verbraucht. Zum Vergleich: Ein halber Liter verbrannter Ethanol erzeugt in etwa so viel Kohlen­stoff­dioxid wie 12 bis 16 Menschen in einer Stunde ausatmen. Also: Regel­mäßig und ausreichend lüften! Je kleiner der Raum, desto mehr müssen Sie lüften.

Brenn­stoff sicher lagern. Eine sichere Lager­stätte ist unbe­dingt notwendig. Der Brenn­stoff muss in einem Kunst­stoff­gefäß, fest verschlossen, fern einer Zündquelle, und kühl gelagert werden – in sicheren Räumen, in denen keine offenen Flammen entfacht werden, möglichst in einem abschließ­baren Schrank, unzugäng­lich für Kinder und Haustiere. Lagern Sie nie mehr als fünf Liter des Brenn­stoffs in nicht abschließ­baren Räumen. Der Brenn­stoff gehört nicht in die Hände von Kindern.

Richtig entsorgen. Ausgelaufenen Brenn­stoff saugen Sie am besten mit trockenen Tüchern auf, die sie danach sofort außer­halb der Wohnung entsorgen.

Wohn­accessoires nicht unterschätzen

Neben den Deko-Kaminen stehen viele weitere Wohn­accessoires und sogar Tische zur Auswahl, in denen sich mit Ethanol Feuer entfachen lässt. Dabei handelt es sich ebenso um offene Flammen, für die die oben genannten Risiken gelten.

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