Espressomaschinen: Vollautomaten und Kapselgeräte im Test

Auf Knopfdruck Cappuccino oder Latte? Das können jetzt auch Kapselgeräte. Zwei Vollautomaten fielen im Dauertest aus und einige geben Schadstoffe ab.

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Im vergangenen Jahr trank jeder durchschnittlich 146 Liter, mehr als Mineralwasser oder Bier. Neben dem klassischen Filteraufguss werden Espresso und seine milchigen Varianten immer beliebter. So freut sich der Deutsche Kaffeeverband über ein Absatzplus für Espresso- und Caffè-Crema-Röstungen von 20 Prozent im Vergleich zu 2006. Noch größer ist die Begeisterung für Einzelportionen in Pads und Kapseln. Davon wurden stolze 21 000 Tonnen verkauft. „Ein fantastisches Wachstum von 50 Prozent“, hieß es dazu kürzlich in einer Branchenzeitschrift.

Folglich verkaufen sich auch Espressoma­schinen erfreulich gut. In den Elektromärkten und Haushaltsgeschäften locken reihenweise schicke Modelle für den schnellen Koffeinkick. Bei der blitzenden Vielfalt ist es nicht leicht, die richtige Wahl für den ganz persönlichen Kaffeegenuss zu treffen.

Wir haben uns auf unserer Einkaufstour für Vertreter der beiden umsatzstärksten Gerätegruppen entschieden, also für Vollautomaten und Portionsgeräte. Sie brühen automatisch, was wenig eigenes Zutun verlangt – die richtige Einstellung des Geräts vorausge­setzt. Dafür verzichtet der Espressoliebhaber aber auf den Charme der Zeremonie mit einem Siebträgermodell.

Milchschaum muss sein

Espressomaschinen Test

Bei den mehr als 3000 Teilnehmern unserer Onlineumfrage ist Espresso am beliebsten. Mit größerem Abstand folgen Capuccino und Kaffee.

Bei den mehr als 3000 Teilnehmern unserer Onlineumfrage ist Espresso am beliebsten. Mit größerem Abstand folgen Capuccino und Kaffee.

Für manche Maschinen haben wir Sonderzubehör zum automatischen Milchschäumen dazugekauft (siehe Testtabelle: Espressomaschinen). Ein schöner, fester Milchschaum gehört nämlich für viele zum Kaffeegenuss dazu; sie mögen Cappuccino oder Latte macchiato genauso wie Espresso pur. Auch eine zusätzlich zum Test durchge­führte Umfrage unter unseren Internetnutzern zeigt das. Von den mehr als 3 000 Teilnehmern bereiten fast 40 Prozent auch gern Cappuccino zu, fast jeder Vierte Caffe Latte und Latte macchiato (siehe Infografik).

Wenig Crema, schwacher Espresso

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Zwölf Vollautomaten zu Preisen zwischen 400 und 1 300 Euro haben wir geprüft sowie drei Geräte für Nespressokapseln für 300 bis 812 Euro. Übrigens: Neue Modelle für andere Kapselarten, zum Beispiel für Lavazza- oder Nescafé-Espresso, waren zum Zeitpunkt unseres Einkaufs noch nicht in den Geschäften zu haben.

Die Qualität des Espressos konnte fast immer überzeugen. Meist lag er den Verkostern angenehm auf der Zunge. Den besten kleinen Schwarzen tranken sie aus dem Kapselgerät De'Longhi EN 680 M: sensorisch fehlerfrei mit viel fester, langandauernder Crema. Der Espresso aus der Krups Espresseria Automatic EA 8080 hingegen mundete eher schwach und wenig intensiv. Enttäuschend auch die dürftige Crema aus der Jura ENA 5. Nach mehreren Brühungen wird die aromaschützende Schaumhaube zwar dichter und üppiger, bleibt aber heller und weniger meliert als bei den anderen.

Cappuccino und Latte ganz einfach

Espressomaschinen Test

Der bequemste Weg zum Cappuccino-Vergnügen geht über einen einzigen Tastendruck: Tasse unter den Auslauf stellen und den Cappuccino-Knopf drücken. Diesen Luxus bieten sechs Maschinen: AEG-Electrolux, De'Longhi Perfecta cappu­ccino ESAM 5500 und Jura Impressa C9, Philips One-Touch und die Kapselmodelle von Siemens und De'Longhi. Die letzten drei haben zusätzlich eine Taste für Latte macchiato. Automatisch schichten sich Milch, Espresso und Milchschaum übereinander. Das sieht bei allen schön aus, füllt aber in der Werkseinstellung nur bei der Latissima von De'Longhi das Glas aus. Schade auch: Ein typisches Macchiato-Glas passt beim Philips-Gerät nur schräg unter den Auslauf.

Weniger komfortabel kommt man bei den Vollautomaten von Krups, Siemens und bei der Jura ENA 5 ans Ziel. Über die automatische Aufschäumdüse wird erst Milch aus dem Milchbehälter in die Tasse geschäumt, die schiebt man unter den Kaffeeauslauf und lässt den Espresso darüber fließen. Das ist immer noch praktischer, als die Milch mit der herkömmlichen Dampfdüse per Hand aufzuschäumen. Bei der Quelle/Privileg und der Spidem My Coffee Rapid Steam, einfache Vollautomaten für 400 Euro, bleibt jedoch keine andere Wahl. Hier fehlt jegliche Automatik fürs Milchaufschäumen. Serienmäßig gibt es sie auch nicht bei Saeco Talea Ring Plus, Gaggia Platinium Swing up und Krups Le Cube. Schaum liefern hier die separaten Milchaufschäumer Milk Islands und Aeroccino+ von Nespresso. Allerdings muss man ihn bei allen selbst in die Tasse löffeln.

Krups und Spidem fielen aus

Espressomaschinen Test

Am meisten Ärger machten Dichtungen und Schläuche. Jeder zehnte Teilnehmer unserer Onlineumfrage berichtete von Problemen mit der Brüheinheit.

Am meisten Ärger machten Dichtungen und Schläuche. Jeder zehnte Teilnehmer unserer Onlineumfrage berichtete von Problemen mit der Brüheinheit.

Wer viel Geld für das heimische Dolce Vita ausgibt, möchte lange Freude daran haben. In der Dauerprüfung musste deshalb jede Espressomaschine ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Dafür haben wir 4 000 Espressi, 20 Cappuccino und 20 Latte macchiato zubereitet sowie 500 Mal Dampf oder Heißwasser strömen lassen, unterbrochen von zwei einwöchigen Pausen. Zwei Espressomaschinen hielten den Dauertest nicht durch. Bei der Krups Espresseria blockierten Bohnen das Mahlwerk, die Elektronik versagte – ein Fall für den Kundendienst. Bei der Spidem-Maschine verstopfte der gemahlene Kaffee die Zuleitung zur Brühgruppe. Auch das lässt sich vom Verbraucher ohne Spezialwerkzeug nicht beheben. Hier muss also ebenfalls der Servicetechniker Hand anlegen. Das waren aber nicht die einzigen Probleme dieser beiden Espressomaschinen: Das Modell von Spidem muss umständlich und zeitaufwendig entkalkt werden, die Krups-Maschine nervt durch häufige laute Klackgeräusche.

Geräusche nerven

Espressomaschinen Test

Geräusche und das Saubermachen nerven unsere Online-Befragten am meisten. Auch mit der Milchschaumqualität sind viele nicht zufrieden.

Geräusche und das Saubermachen nerven unsere Online-Befragten am meisten. Auch mit der Milchschaumqualität sind viele nicht zufrieden.

Von allen Lästigkeiten, die eine Espressomaschine mit sich bringen kann, stört eine unangenehme Geräuschkulisse die Benutzer am meisten – jedenfalls diejenigen, die unsere Fragen beantwortet haben (siehe Infografik. Ausführliche Ergebnisse unter: www.test.de/umfrage-espresso). Daher haben wir der akusti­schen Belästigung eine größere Bedeutung zugemessen als in der Vergangenheit. Vielfach ist nicht die Mühle am unangenehmsten, sondern das abrupte Klacken der Brühgruppe oder ein knallartiges Entlüften am Ende des Brühens. Schalldruckpegel von über 70 Dezibel – wie bei einem Moped – sind dabei keine Seltenheit. Weniger Lärm machen meist Kapselgeräte.

Pflege ist Pflicht

Die Ergebnisse des Brühmarathons decken sich nur zum Teil mit den Langzeiterfahrungen der Umfrageteilnehmer. Ihre Maschinen zuhause fielen am häufigsten wegen kaputter Dichtungen und Schläuche aus. Auch mit der Brüheinheit gab es vergleichsweise häufig Probleme, vor allem bei Jura-Modellen. Möglicherweise fällt es daheim schwer, die Maschinen akribisch zu umsorgen. Gerade Vollautomaten sind wahre Mimosen, reagieren häufig recht empfindlich auf nachlässige Pflege und Wartung, eine falsch eingestellte Wasserhärte oder auf ein zu aggressives Entkalkungsmittel. Deshalb ist penibles Reini­gen und Entkalken notwendig – und zwar genau nach Gebrauchsanleitung. Bei Vollautomaten mit fester Brüheinheit (im Test Jura und Krups) ist das besonders wichtig, damit im Inneren nichts verstopft. Auch Modelle, deren Brüheinheit unter fließendem Wasser abgespült wird, verlangen eine zusätzliche Pflege des Innenlebens, was oft mühsam, aufwendig und kostspielig ist. Mit einem handelsüb­lichen Entkal­kungs­­­mittel, das bei einigen Maschinen zugelassen ist, kostet das Entkalken 50 Cent, stolze 6 Euro mit dem von Saeco vorgeschriebenen Mittel.

Zählwerk registriert Reinigungen

Nachlässigkeit bei der Pflege zahlt sich nicht aus. Im Gegenteil: Werden Teile im Inneren der Maschine durch falsche Entkalker oder den verzögerten Ersatz der Filterpatrone angegriffen oder durch Kalk- oder Kaffeeablagerungen undicht, verlangt der Kundendienst auch während der Garantie Geld. „Mangelnde Pflege oder Nichtbeachtung von Bedienungs- und Montagehinweisen“ (Bosch) gehen genauso zulasten des Kunden wie die „falsche Verwendung“ und „Fremdstoffe in den Kaffeebohnen“ (Jura), um nur zwei Beispiele aus Gebrauchsanleitungen zu nennen. In vielen Maschinen sitzen zudem Zählwerke, die die Reinigungs-und Entkalkungsvorgänge genau registrieren. So kann der Kundendienst nachvollziehen, wie fürsorglich der Benutzer mit dem Gerät umgegangen ist.

Sechs geben Blei oder Nickel ab

Für die Zuverlässigkeit der Ma­schine ist das Entkalken positiv. Anders bezüglich der Schadstoffe. Jura Impressa C9 und Quelle/Privileg geben nach dem Entkalken nickelhaltiges Wasser aus der Heißwasserdüse ab, bei der Krups Espresseria landet Nickel im Brühwasser. Beim Jura-Modell lagen die Werte sogar weit über 100 Mikrogramm pro Liter, dem EU-Richtwert für Geräte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Gesunden macht das nichts aus, für Nickelallergiker aber kann die Belastung problematisch werden. Deshalb sollten die Maschinen möglichst kein Nickel freisetzen.

Auch Teile, die Blei abgeben, haben in der Espressomaschine nichts verloren. Im Heißwasser aus der AEG-Electrolux Caffè Grande und der Philips One-Touch stellte das Labor Bleiwerte nahe der Obergrenze der Trinkwasserverordnung (25 Mikrogramm pro Liter) fest. Beim Kapselgerät von De'Longhi lag der Wert nur wenig niedriger. Akut giftig ist das zwar nicht, aber vermeidbar. Säuglingen und Kindern sollte man daraus jedoch keine Tees oder Ähnli­ches zubereiten. Denn die Kleinen reagieren besonders sensibel auf Blei.

Wichtig ist, das Gerät vor dem ersten Gebrauch und nach dem Entkalken mehrmals durchzuspülen. Die Schwerme­tall­belastung schwankt nämlich und ist nach dem Entkalken meist am höchsten.

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