Espressomaschinen Test

Die meisten Vollautomaten brühen guten Espresso. Am besten gelingt der kleine Schwarze aber in einem Kapselgerät. Wichtig für Allergiker: Manche Maschinen geben Nickel ab.

Zum ersten Mal hat eine Kapselmaschine den besten Espresso gebrüht. Das gelang in unseren bisherigen Tests nur einem Vollautomaten und einer Siebträgermaschine. Nun aber liegt der Koffeinkick aus der Kapsel vorn. „Sehr guter“ Espresso kommt einzig aus der Nespresso-Kapsel der De'Longhi Le Cube EN 185 M. Er überzeugt vor allem durch sehr viel haselnussbraune, besonders stabile Crema. Für Cappuccinoliebhaber hat diese De'Longhi dennoch einen Nachteil: Die Maschine hat keine Dampfdüse für leckeren Milchschaum.

Für den Test haben wir die Vertreter der beiden beliebtesten Gerätearten ausgewählt: elf Vollautomaten zu Preisen zwischen 400 und 1 200 Euro sowie sechs Portionsmaschinen (rund 100 bis 400 Euro) für den Espresso aus der Kapsel. Beide Typen haben spezielle Vor- und Nachteile, die vor dem Kauf bedacht sein wollen.

Kapseln: Bequem, aber bindend

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Milchschaum: Behälter anschließen, auf den Knopf drücken und schon entsteht Milchschaum ganz automatisch (links, De'Longhi Magnifica Elegance Pronto Cappuccino). Bei der Krups Nescafé Dolce Gusto (rechts) kommt auch die Milch plus Schaum für Cappuccino und Latte Macchiato aus der Kapsel.

Milchschaum: Behälter anschließen, auf den Knopf drücken und schon entsteht Milchschaum ganz automatisch (links, De'Longhi Magnifica Elegance Pronto Cappuccino). Bei der Krups Nescafé Dolce Gusto (rechts) kommt auch die Milch plus Schaum für Cappuccino und Latte Macchiato aus der Kapsel.

So ist eine Portionsmaschine zwar viel billiger als ein Vollautomat, dazu meist bequem, einfach und schnell zu reinigen, aber sie bindet den Kunden oft an ein bestimmtes System. Bei der De'Longhi sind es die Nespresso-Kapseln. Auch zwei weitere der sechs getesteten Portionsmaschinen brühen den Espresso nur aus Originalkapseln: Lavazza Blue und Krups Nescafé. Der Kunde kann hier nicht auf eine andere, möglicherweise billigere Kapselart ausweichen, sondern nur zwischen den verschiedenen Geschmacksrichtungen „seines“ Anbieters wählen. Auch nicht jedermanns Sache: Nachschub ist manchmal nur telefonisch oder über das Internet zu beziehen, zum Beispiel beim Nespressoclub – aber nur für Mitglieder.

Anders bei Gaggia l'Amante, Tchibo Cafissimo und dem baugleichen Severin-Modell. Hier fließt der Muntermacher aus verschiedenen Kapseln des italienischen Caffitaly-Systems, die in alle drei Geräte passen. Sensorisch einwandfrei wird der Espresso aber nicht. Der aus der Gaggia-Maschine hinterließ einen untypischen Fremdeindruck. Der Tchibo- und Severin-Espresso ist zudem recht stark mit verbrannter Note. So „gut“ wie aus den frischgemahlenen Bohnen der meisten Vollautomaten mundete Kapselespresso sonst nur noch aus der Lavazza Blue LB 1 000.

Verbrühungsgefahr: Am Krups-Gerät

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Heißes Wasser spritzt aus der Krups Nescafé Dolce Gusto, wenn man sie ohne Kapselträger betreibt.

Wie bei der De'Longhi Nespresso fehlt die Dampfdüse auch an der Krups Nescafé Dolce Gusto KP 2000. Anders als der Testsieger kann sie trotzdem Cappuccino und Latte Macchiato zubereiten. Dafür fließt erst Milch aus einer Pulverkapsel in ein Glas oder in eine Tasse, danach folgt der Kapselespresso. Das ist zwar bequemer, als die Milch extra aufzuschäumen, wird aber richtig teuer. Für eine Kapsel mit wenigen Gramm Milchpulver sind allein 25 Cent fällig. Hinzu kommt, dass dadurch jede Menge Abfall entsteht – mehr als bei den Portionsgeräten sowieso schon im Hausmüll landet. Die Verpackungen der Bohnen lassen sich viel leichter und dazu kostenlos über die gelbe Tonne entsorgen.

Dass die Krups Nescafé Dolce Gusto als Einzige den Test nur mit „ausreichend“ beendete, hat aber einen anderen Grund. Es lauert Verbrühungsgefahr: Wird bei eingeschaltetem Gerät der markante Wahlhebel versehentlich ohne Kapselträger auf „Heißgetränk“ gestellt, schießt überraschend sehr heißes Wasser heraus. Und zwar so heftig, dass es über die Tischkante spritzen kann – riskant vor allem in Haushalten mit kleinen Kindern. In der Gebrauchsanleitung gibt es zwar einen Hinweis dazu, der aber allzu leicht in Vergessenheit geraten kann. Es fehlt hier eine Verriegelung, die eine solche Fehlbedienung wirksam verhindert.

Vollautomaten: Vielseitig, aber teuer

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Im Unterschied zu den Kapselgeräten kann eine vollautomatische Espressomaschine mit ihrer Vielseitigkeit auftrumpfen. Ob kleine oder große Tasse, eine oder zwei Portionen, mild oder stark: Korrekt eingestellt, läuft stets die richtige Menge heißes Wasser auf das genau dosierte Espressomehl – entweder frisch gemahlen aus der Bohne oder vorgemahlen aus dem Pulverfach. Die teuren Modelle Saeco Prima Cappuccino Ring und De'Longhi Magnifica Elegance ESAM 3600 „zaubern“ sogar Cappucchino und Latte Macchiato auf Knopfdruck. Über ein integriertes Aufschäumsystem (bei der Saeco) beziehungsweise ein anschließbares Aufschäumsystem (bei der De'Longhi) inklusive Milchbehälter läuft erst Schaum in die Tasse, dann automatisch der Espresso hinterher. Das freut den Cappuccinofan. Weniger Spaß macht dann das anschließende Reinigen.

Pflege: Lästig, aber notwendig

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Kaffeepulverreste lagern sich gern im Inneren ab, hier rund um die innere Wasserschale (Saeco Primea Cappucchino Ring).

Spülen, Entkalken und Reinigen laufen bei den Vollautomaten zwar meist programmgesteuert ab, trotzdem ist das manchmal zeitraubend, nervig und auch nicht billig. Das gilt besonders für das Entkalken (Preis pro Entkalkung / pro Reinigung: siehe Tabelle, Klick auf Produktname). Extrem lästig ist es bei der Saeco Odea Go, die sich nur in manueller Prozedur entkalken lässt. Das dauert geschlagene 160 Minuten. Außerdem ist der Vorgang in der Geräteanleitung anders beschrieben als auf dem empfohlenen Entkalkungsmittel vom gleichen Anbieter.

Auch das Programmieren menügesteuerter Automaten erfordert oft Geduld und den festen Willen, sich damit „auseinanderzusetzen“. Gerade am Anfang geht wenig ohne die Anleitung. An klar strukturierten Modellen mit einfacher Tastenbedienung wie bei denen von Bosch und Siemens hätten vor allem Technikmuffel mehr Freude – vorausgesetzt allerdings, sie sind nicht allergisch auf Nickel.

Nickel: In drei Vollautomaten

Denn die Vollautomaten Siemens surpresso S50 und die baugleiche Bosch benvenuto B 40 geben vermehrt Nickel aus dem Dampfrohr ab. Bei der Krups Espresseria Automatic XP 7240 landet Nickel im Brühwasser – und zwar trotz des Wasserfilters, der auch Schwermetalle ausfiltern soll. Die drei Vollautomaten wurden deshalb abgewertet. Vor einem Jahr gab es Punktabzüge bei drei Portionskaffeemaschinen wegen zu viel Nickel (siehe Test Kaffeemaschinen für Kapseln und Pads). Damals appellierten wir an die Anbieter, auf nickelhaltige Chrombauteile zu verzichten. Trotzdem wurden wir jetzt wieder fündig. Auch das Verbraucherministerium Baden-Württemberg monierte kürzlich Schwermetalle in Kaffeevollautomaten. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hatte in etlichen Geräten erhöhte Nickelwerte gefunden. Gesunden Menschen machen die bei Kaffeevollautomaten gefundenen Nickelwerte nichts aus. Sie können aber zum Problem für Nickelallergiker werden, die Nickel notgedrungen schon über viele Lebensmittel aufnehmen. Allein deshalb sollten sie jede unnötige zusätzliche Belastung möglichst vermeiden.

Tipp: Spülen Sie die Espressomaschine vor dem ersten Gebrauch und nach dem Entkalken unbedingt mehrmals gründlich durch. Denn die Nickelbelastung schwankt und ist erfahrungsgemäß am höchsten im Neuzustand sowie nach dem Entkalken der Maschinen.

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