Espressomaschinen Test

Leckeren Espresso daheim? Vier Geräte machen ihre Sache gut. Einige haben Macken. Neu: köstlicher Kapsel-Kaffee.

Minestrone, Tagliatelle, Tiramisu – längst gehören italieni­sche Speisen wie selbstverständlich auf deutsche Tische. Immer mehr Italienfans wollen auch zu Hause nicht mehr auf ihren Espresso verzichten. So haben die Bundesbürger 2001 rund 450 000 Espressomaschinen gekauft, Tendenz steigend. Wir untersuchten neun Geräte verschiedener Funktionsprinzipien zwischen 230 und 850 Euro: Trotz mancher Macken – „Bella Italia“ muss kein Traum bleiben. Für Träumer werden stolze Besitzer von Espressomaschinen aber schon mal gehalten. „So ein Aufwand für 'ne Tasse Kaffee“ bekommen sie nicht selten zu hören. Doch was in der Espressotasse so verführerisch duftet, ist mit gefiltertem Kaffee nicht vergleichbar. Den Unterschied machen das Röstverfahren und die spezielle Extraktion. Espresso ist nur Espresso, wenn 90 bis 95 Grad heißes Wasser mit dem Druck von rund 9 bar durch etwa 7 Gramm Espressomehl gedrückt wird. Die Durchlaufzeit liegt zwischen 15 und 35 Sekunden. Das Ergebnis: etwa 40 Milliliter heißer Espresso voll Aroma, der idealerweise „rund, fest und samtig“ schmeckt, so ein Spezialist.

„Sehr guten“ Espresso machte keine

Espressomaschinen Test

Weil Espresso heiß am besten schmeckt: Sofort servieren und genießen.

Das klingt komplizierter als es ist. Denn wer einige Grundkenntnisse, Spaß an der Sache und ein gutes Gerät hat, kann seinen Gästen schon bald einen leckeren Espresso servieren. Immerhin bekamen vier Geräte das test-Qualitätsurteil „gut“ und fünf „befriedigend“. Ausschlagge­bend für das Urteil war die Qualität des Getränks. Ein Kriterium ist seine haselnussbraune und möglichst feinporige Schaumhaube, die Crema. Sie besteht aus Öl- und Fettstoffen und trägt dazu bei, dass sich die Aromastoffe nicht so schnell verflüchtigen. Im besten Fall ist sie so be­­ständig, dass aufge­streuter Zucker einige Sekunden lang nicht untergeht. Durch „sehr gute“ Crema erfreuten im Test alle Nepressosysteme (Funktionsprinzipien)sowie der Testsieger Orchestro Dialog Auto Cappuccino von Krups. Den vollautomatischen Maschinen Impressa E65 von Jura und Incanto Rapid Steam von Saeco gestanden die Verkoster bei der „Crema“ allerdings nur ein „Ausreichend“ zu.

Ausreißer dieser Art gab es beim Geschmackstest aber nicht: Der Espresso schmeckte fünfmal „gut“ – und zwar wiederum bei allen Kapselmaschinen – oder stellte die Verkoster immerhin zufrieden.

Tassen sollten vorgewärmt sein

Wichtig fürs Geschmackserlebnis ist auch die Temperatur. Damit er schmeckt, sollte Espresso in der Tasse mindestens 60 Grad haben. Deshalb trinkt man ihn am besten direkt nach dem Servieren in zwei bis drei Schlucken. Auch bei der Temperatur punkteten die Nespresso-Halbautomaten noch einmal, diesmal sogar wieder mit „sehr gut“.

Für die Idealtemperatur müssen die Tassen vorgewärmt sein. Das ist auf der geräteigenen Wärmeplatte oder mit heißem Wasser möglich. Der schnellere Weg ist der bessere: Denn von sechs Wärmeplatten erwärmte nur die der Saeco-Nespressomaschine die Tassen auf die gewünschten 40 Grad Celsius, und das erst nach einer Stunde. Umso wichtiger ist der Hinweis mit dem heißen Wasser. Auf ihn verzichten beide Siebträgerma­schinen. So zubereitet, enttäuscht das Ergebnis. Die zu kalten Tassen führten bei der Temperatur zum „Ausreichend“.

Ohne Geduld kein Cappuccino

Was aber tun, wenn die Gäste dem puren Schwarzen milchigen Cappuccino vorziehen? Dann wird aufgeschäumt – per Hand oder Dampfrüssel, wie ihn alle Geräte im Test haben: Der Dampf erhitzt die Milch und wirbelt auch Luft hinein. Diesen Effekt kann ein Düsenzusatz, die Aufschäumhilfe, verstärken. Beim Aufschäumen sollte sich das Milchvolumen verdoppeln.

Peinlicherweise schaffte das der Testsieger von Krups trotz des speziellen Auto-Cappuccino-Zubehörs mit Schlauch und Ventil selbst nach einer Minute nicht. Die meisten anderen Geräte machten mit ihren gewöhnlichen Aufschäumhilfen innerhalb von maximal 25 Sekunden annehmbaren Schaum. Hurrarufe von den Experten erntete aber keiner.

Fürs Milchaufschäumen gilt wie auch für die Espressozubereitung generell: Übung macht den Meister. Denn die Handhabung, besonders bei den Siebträgergeräten, ist immer noch eine Herausforderung. Wer vor der Kaufentscheidung steht, sollte deshalb überlegen, welche Vorteile der jeweiligen Funktionsprinzipien ihm am wichtigsten sind.

Gute Nerven bei der Handhabung

Die eine oder andere Schwäche hatten durch die Bank alle Geräte. Da rutscht zum Beispiel der Frischwasserbehälter aus der Hand (Alessi RS 04 Coban) oder stören Deckel am Wasserbehälter beim Einfüllen (beide Saeco-Geräte). Steckt eine Kapsel mal verkehrt herum in der Saeco-Nespresso-Maschine, kann man nur noch den Werkzeugkasten holen.

Nervenstärke zählt auch bei der Wartung: Entweder bleibt man beim Reinigen mit der Hand fast im schmalen Wasserbehälter stecken oder fieselt an zierlichen Dampfdüsen oder verwinkelten Abtropfschalen herum. Also haben wir Abtropfschale plus Gitter kurzerhand in den Geschirrspüler gesteckt, obwohl die Hersteller davon abraten oder sich dazu ausschweigen. Alle hielten ­­­­50 Spülgänge durch. Auch praktisch: Die Vollautomaten im Test reinigen und entkalken auf Knopfdruck. Bei den Saeco-Geräten lässt sich außerdem das Herzstück (die Brühgruppe) zum Saubermachen herausnehmen. Weniger Grund zur Freude gab es beim Entkalken des Gaggia-Geräts. Mit einem normalen Schraubendreher kommt man nicht an die Teile heran, die zum Entkalken auszubauen sind.

Espressogenuss kann teuer werden

Neben verzwickten Handgriffen erfordern viele Geräte laut Anbieter spezielle Reinigungs- und Entkalkungsmittel. Was da zum Anschaffungspreis hinzukommt, zeigt die Tabelle. Außerdem wird in den Bedienungsanleitungen der Vollautomaten – mit Ausnahme der zwei Saeco-Geräte – regelmäßige Wartung durch den Kundendienst empfohlen. Sie kann bis zu 150 Euro nach jeweils etwa 5 000 Espressozubereitungen kosten.

Teuer wird auf Dauer auch das Nespressosystem. Da die Kapseln, stets mindestens 50 Stück, nur über den Nespresso-Club zu haben sind und der Versand kostet, ist eine Tasse mit 35 Cent bis zu fünfmal teurer als aus offenem Kaffee zubereitet.

Die Bedeutung der Bohne

Welche Rolle spielt der Kaffee? Unser letzter Test ergab: Bringt ein Gerät mit teurem Kaffee volles Aroma, schmeckt es mit billigen Sorten auch noch gut. Umgekehrt lässt sich mit einem schlechten Gerät auch aus einer Spitzenbohne kein Hochgenuss zaubern. Aus 100 Prozent Arabica-Bohnen schmeckt Espresso feiner und weicher, mit geringen Mengen Robusta-Bohnen würziger. Immer gilt:

  • Frisch gemahlene Bohnen sowie frisches Leitungswasser verwenden.
  • Und experimentieren Sie doch einfach mal mit Sorte und Mahlgrad.

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