Interview: Wenn Espresso an Obst, Toast oder Gras erinnert

Espressomaschinen Test

Luigi Odello

Luigi Odello hat Espresso zu seinem Beruf gemacht. Der Italiener ist Generalsekretär des Internationalen Instituts für Kaffeeprüfer und des „Istituto Nazionale Espresso Italiano“ in Brescia. Es vergibt Qualitätszertifikate an Espressobars in Italien und in anderen Ländern Europas.

Wie viel Espresso trinken Sie am Tag?
Etwa fünf bis sieben Tassen. Den ersten trinke ich, wenn ich morgens um fünf ins Büro gehe, den letzten nach dem Abendessen. Zwischen jeder Tasse liegen etwa drei Stunden.

Genießen Sie ihn daheim oder in der Bar?
Wenn möglich in der Kaffeebar. Die suche ich mir aber genau aus. Zu Hause mache ich mir meinen „Caffè“ hin und wieder einmal mit der guten alten Mokkakanne.

Was zeichnet guten Espresso aus?
Er verbindet Geschmacksnoten wie Obst, Blumen, Schokolade, Vanille und Toast, darf nicht zu bitter und nicht zu sehr nach Säure schmecken. Die Crema muss haselnussfarben sein – Richtung dunkelbraun – und rötliche Reflexe haben.

Wann ist er nicht gelungen?
Wenn er nach Stroh, Gras und Korken schmeckt. Auch wenn man beim ersten Schluck an gekochte Kartoffeln, Pferdeschweiß und Schimmel denken muss, ist er von schlechter Qualität.

Was brauche ich für den Espresso zu Hause?
Wichtig sind gute Ausrüstung, ausgezeichneter Kaffee und Grundkenntnisse. Die braucht man selbst bei der Mokkakanne: Hier darf beispielweise das Pulver nicht im Filter festgedrückt werden.

Schlürfen Sie auch mal Cappuccino?
Eigentlich mag ich Espresso am liebsten pur. Hin und wieder spüle ich aber den Restschaum in der noch warmen Tasse mit einem Schluck guten Grappas aus, ganz nach alter Tradition.

Wann probierten Sie Ihren ersten „Caffè“?
Schon als ich sehr klein war, so drei, vier Jahre alt, gab mir meine Oma immer ein Löffelchen voll Espresso, wenn sie selbst einen trank. Und sie trank deutlich mehr Espresso als ich heute.

Warum trinken Sie nicht lieber Tee?
Noch ist nicht geklärt, warum viele Völker Kaffee so schätzen. Vielleicht enthält er so was wie Sexuallockstoffe oder „Boten des Lebens“.

Haben Sie einen Espressobar-Tipp für den nächsten Italienurlaub unserer Leser?
Probieren Sie mal einen Espresso mit Qualitätszertifikat bei „Rovoire“ auf der „Piazza della Signoria“ im schönen Florenz.

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