Espressomaschinen Test

Die Firma Jura setzt neue Maßstäbe. Ihre vollautomatische Impressa F50 beeindruckt mit vorzüglichem Espresso. Die Bohne dazu: illy, Sieger im Kaffeetest.

Heiß wie die Hölle, schwarz wie die Nacht und süß wie die Liebe“ – so mögen Italiener sprichwörtlich ihren Caffè. Bei uns heißt er Espresso, wird am liebsten mit aufgeschäumter Milch als Cappuccino oder Latte macchiato getrunken. Kaffee ist Kult, auch zu Hause.

Besonders bei teuren Vollautomaten schlagen Kundenherzen höher: Das Design ist schick, die Bedienung einfach. Ohne fummelige Handarbeit, wie sie eingefleischte Espressofans mit ihrem Siebträgergerät zelebrieren, fließt hier der kleine Schwarze sekundenschnell in die Tasse. Auf Knopfdruck läuft automatisch heißes, nicht kochendes Wasser druckvoll durch ein feines Sieb voller Kaffeemehl. Die integrierte Mühle liefert frisches Pulver, die Pumpe sorgt für den Druck. Dank Frischwassertank sind die eingeschalteten Geräte jederzeit betriebsbereit.

Stolze Preise

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Im Dauertest fließt literweise Espresso durch die Maschinen.

Bequemlichkeit und italienisches Flair haben ihren Preis. Zwischen 400 und 1 150 Euro mussten wir für die 13 Vollautomaten bezahlen. Noch bequemer, wenn auch nicht billiger, sind die Nespresso-Maschinen von Jura und Krups (520 und 450 Euro) sowie das Gerät für Espressopads (700 Euro). Das Kaffeemehl mit der speziellen Röstung steckt hier portionsweise in einer Aluminiumkapsel oder in einem flachen Pad. Kapselnachschub gibt es nur im Nespressoclub oder unter www.nespresso.com. Kapseln sind aber richtig teuer: Der Espresso kostet ungefähr 35 Cent statt 10 Cent aus Bohnen oder Pulver. Macht im Jahr leicht 250 Euro mehr für die Kapseln aus. Am preisgünstigsten lässt sich Espresso mit einem Siebträgergerät brühen, zum Beispiel mit dem getesteten Krups Novo Plus. Es ist „gut“ und kostet nur 150 Euro. Bei allen Espressomaschinen fallen aber noch Zusatzkosten an – mal mehr, mal weniger. Wasserfilter können mit etwa 60 Euro pro Jahr zu Buche schlagen, Entkalken und Reinigen kosten rund 30 Euro.

Erstmals Geschmack und Crema sehr gut

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Wichtigstes Prüfkriterium war die Espressoqualität. Erstmals beeindruckte ein Vollautomat mit „sehr gutem“ Espressogeschmack und „sehr guter“ Crema: die Jura Impressa F50. Die Verkoster, alle Espressoprofis, schwärmten von der „feinwürzigen, vorzüglich abgerundeten Mittelmeernote“ und der haselnussbraunen, feinporigen Crema. Kein anderer Espresso lag ihnen so vorzüglich auf der Zunge, weder der zweitbeste aus dem Siebträger noch der aus den Nespresso-Maschinen. Vollautomaten sind offensichtlich besser geworden. Vor zwei Jahren lagendie damals neuen Kapselsysteme noch vor den meisten Automaten.

Liebhaber milchiger Espressovarianten wie Cappuccino oder Latte macchiato brauchen guten Milchschaum aus der Düse. Der heiße Dampf erhitzt die Milch im Kännchen, pustet viele kleine Luftbläschen darunter, was das Volumen im Idealfall schnell verdoppelt. Fest und satt, feinporig und stabil soll das Milchhäubchen sein, weder verwässert noch großblasig. Das bekommen nicht alle Geräte gut hin. Besser und leichter gelingt Milchschaum mit einem speziellen Aufschäumer, der bei der adoro Minibar bereits integriert ist. Etlichen anderen Geräten (siehe Tabelle „Espressomaschinen“, Spalte Ausstattung/Technische Merkmale) liegt er bei. Wenn nicht, lohnt es sich, einen zu kaufen.

Blei und andere „Katastrophen“

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Ob der Espresso heiß genug wird, misst das elektronische Thermometer.

Ging es bei der Verkostung um sinnliche Gaumenfreuden, kamen bei den Laborprüfungen Messgeräte zum Einsatz. Sie brachten manch unangenehme Wahrheiten ans Licht. Zwei Vollautomaten von Saeco, großer italienischer Konkurrent von Jura, zeigten Schwächen gegen Ende der Dauerprüfung (6 000 Zyklen). Die Mahlwerke streikten: „ausreichend“ im Punkt Dauerprüfung und Verkalken.

Bei der Prüfung auf Schadstoffe stießen wir auf kleine Mengen Blei. Nicht etwa im frischen Leitungswasser, sondern in dem Wasser, das durch die Maschine lief. Übeltäter sind offensichtlich bleihaltige Bauteile. Bei Saeco Incanto rondò, Saeco Magic Comfort+ sowie adoro Minibar lagen die Bleiwerte bei etwa 10 Mikrogramm pro Liter. Zum Vergleich: Für Trinkwasser gilt ein Grenzwert von 25 Mikrogramm. Gefährlich ist das angesichts des vergleichsweise geringen Espressokonsums nicht, aber unnötig und vermeidbar. Schließlich schaffen es die meisten anderen Anbieter, ihre Produkte bleifrei zu halten. Dort, wo Wasser fließt, verbauen sie wohl nur Kunststoff.

Die adoro Minibar hat zusätzlich ein Sicherheitsproblem: Beim Brühen lässt sich der Brühkopf öffnen. Heißes Wasser läuft dann in den Schalter und zu dahinter liegenden Kabeln. Stromschlag nicht ausgeschlossen und deshalb „mangelhaft“. Tücken hat auch die Krups Nespresso Futuro. Ist sie in Betrieb und der Brühkopf nicht ganz geschlossen, spritzt Wasser heraus. Eine Sperre, wie sie die Jura Nespresso N90 hat, fehlt. Wer unachtsam ist, bekommt statt des heißen Espressos eine heiße Dusche. „Heiß wie die Hölle“ – so meint es das Sprichwort sicher nicht.

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