Nach­haltig­keits­stan­dards: Der Sieges­zug der Siegel

Durch­blick behalten. Diese Logos können Kaffee­packungen zieren (von links): EU-Biosiegel, Fairtrade, Hand in Hand, Rainforest Alliance, Utz. Auf 4C (ganz rechts) weisen Kaffee­anbieter häufig über ein Text­feld hin.

Kaffee ist der Rohstoff, der Nach­haltig­keits­siegeln zum Durch­bruch verhalf. 1967 exportierte Mexiko den welt­weit ersten Biokaffee. Seit rund zehn Jahren steigt die Zahl der Bohnen stark an, bei deren Produktion bestimmte ökologische oder soziale Kriterien einge­halten werden. Deutsch­land ist ein wichtiger Importeur solcher Kaffees. Laut Deutschem Kaffee­verband trägt etwa jeder zehnte Röst­kaffee bei uns ein Nach­haltig­keits­siegel.

Von Bio bis Utz

Größte Zertifizierer sind die Branchen­initiative 4C, Starbucks (C.A.F.E. Practices), Nespresso (AAA), die Label­organisationen Fairtrade, Rainforest Alliance und Utz sowie der Biosektor. Ihr Gesamt­anteil an der Welt­produktion liegt heute bei über 40 Prozent. In unserem Test (Nachhaltigkeitssiegel, test 5/2016) erwiesen sich Natur­land Fair, Fairtrade und Hand in Hand als sehr aussagekräftig.

Neue Denk­weisen

Die Über­produktion von Kaffee hatte 2001 zu einer Krise geführt und die Branche wachgerüttelt. Das Verbraucherbewusst­sein für schwankende Kaffee­preise ist gestiegen. Zertifizierungs­systeme wie Utz bedienen den Massenmarkt. Kaffee­bauern lassen sich mehr­fach zertifizieren, um Abnehmer zu finden.

Das 4C der Branchenriesen

Der nach Menge bedeutendste Stan­dard, 4C, ist kaum bekannt: der Common Code for the Coffee Community. Da hinter ihm große Firmen wie Tchibo stehen, wuchs der Anteil an 4C-Kaffee in kurzer Zeit rasant. 2006 vom deutschen Kaffee­verband gegründet, machte er 2014 bereits rund 30 Prozent der Welt­produktion aus. 4C ist ein Einstiegs­programm für Bauern, um den Anbau nach­haltiger zu gestalten. Mitglieder verpflichten sich, Kinder- und Zwangs­arbeit zu ächten, ebenso verbotene Chemikalien. Seit 2016 ist 4C Teil der Global Coffee Platform.

Fehlende Nach­frage

Heute ist es die Nach­frage, die Steigerungs­potenzial hat: Nur etwa ein Viertel des zertifizierten Kaffees wird als solcher verkauft. Der Rest geht zu normalem Preis und ohne Siegel in den Handel.

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