Espressokaffee Test

Espresso ist Lebensart. Aber nicht jeder Espressokaffee wird den Erwartungen gerecht. Von 30 untersuchten Produkten ist nur jedes dritte „gut“ und ein einziges „sehr gut“.

Der Testsieger heißt illy Espresso caffè macinato: Dieser gemahlene Espressokaffee schaffte die Traumnote „sehr gut“. Aber auch bei den ebenfalls geprüften ganzen Bohnen und den Pads lag der norditalienische Hersteller mit einem „Gut“ vorn. Kurzum, illy ist der beste.

Insgesamt haben wir 30 Produkte – Bohnen, Pulver, Pads und löslichen Espresso – von Experten verkosten lassen, dabei wurden auch Konsistenz und Stabilität der Crema untersucht. Außerdem wollten wir wissen, ob Schadstoffe wie Schimmelpilzgift den Espresso belasten.

Wie gut er schmeckt, hängt von vielen Faktoren ab: Röstung, Kaffeesorte (Mischung) und Mahlgrad. Auch die Art der Zubereitung und schließlich die Maschine können das Aroma entscheidend beeinflussen. Eine gute Crema rundet den Espressogenuss ab – im Idealfall bleibt sogar ein Löffel Zucker auf dem Kaffeeschaum liegen. Dank des Koffeins belebt Espresso die Sinne. Da Espressobohnen etwas länger und dunkler geröstet werden als für Filterkaffee, verlieren sie mehr Säure und der Espresso ist besser verträglich.

Die Kunst an der Bohne

Espressokaffee Test

Doch bevor der duftende Espresso in der Tasse landet, hat die Kaffeebohne einen langen Weg hinter sich. Nach der Ernte werden Kaffeekirsche und die beiden Bohnen darin voneinander getrennt. Nach dem Trocknen müssen noch zwei dünne Häutchen von jeder Bohne entfernt werden. Dann wird sorgfältig sortiert, ausgelesen, kontrolliert. Geröstet wird meist erst im Importland – damit das Aroma für die Kunden frisch bleibt.

Röstmeister sind Künstler: Bis zu 800 Aromastoffe aus der Bohne können sie lebendig machen. Zucker und Proteinbestandteile reagieren zu Verbindungen, die zum Teil bitter schmecken.

Die Mischung ist das große Geheimnis der Kaffeeanbieter. Sie verleiht einem Kaffee das ganz individuelle Aroma. Ob vor oder nach dem Rösten gemischt – viele Produkte werden dadurch harmonischer.

Das Aroma macht den Unterschied

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Laborküche: Keine Kaffeehausatmosphäre.

Am besten war der gemahlene Espresso von illy: Er hat einen typischen Espressocharakter mit einem ausgeprägten Aroma. Auch die Crema war perfekt: feinporig und hellfarbig mit weißen Streifen. Der Lohn für den fehlerfreien Geschmack: Gesamtnote „sehr gut“. Die gemahlenen Espressi Rewe/Caffè Barocco und Lavazza Caffè, Penny/Magico und Lavazza il Perfetto folgten mit „gut“. Mit einer Ausnahme waren alle anderen Gemahlenen „befriedigend“. Probleme gab es vor allem beim Espressocharakter. Er war häufig untypisch. Die Experten bemängelten das Aroma und beschrieben es als streng, bitter und sauer bis gemüsig. Der Lebensbaum Espresso minero, ein Bioprodukt, schnitt am schlechtesten ab. Er erinnerte im Geschmack eher an „starken Bohnenkaffee“ mit einer süßlich-chemischen Note. Die Crema wurde schnell dünn.

Auch die drei getesteten Espresso-Pads enthalten gemahlenen Kaffee: Hier kann sich aber nur illy mit „gut“ schmücken. Jacobs und Tchibo kamen in der Gesamtnote über „befriedigend“ nicht hinaus. Die Experten monierten unter anderem einen schwachen Espressocharakter und ein starkes Röstaroma. Punktabzug gab es für Jacobs auch bei der Deklaration. Auf der Verpackung steht: „Ideal für alle Kaffeepadmaschinen“. Zu viel versprochen: Die Pads passen zum Beispiel nicht in die adoro Minibar.

Auch bei den ganzen Bohnen heißt der Sieger illy. Cellini, Tchibo, Lavazza und Dallmayr schafften ebenfalls ein „Gut“. Jacobs hatte einen eher untypischen Espressocharakter, er schnitt „befriedigend“ ab. Segafredo war nur „ausreichend“. Er schmeckte etwas verbrannt und fiel durch eine starke Robustanote auf.

Lösliche fast wie „Gemüsebrühe“

Espressokaffee Test

Die Espressi werden anonymisiert verkostet. Geschmack, Aroma, Crema sind wichtig.

Ganz Eilige können auch löslichen Espresso kaufen. Grundlage sind zwar auch herkömmlich geröstete Bohnen. Der Kaffee wird dann aber in riesigen Kaffeemaschinen zubereitet, das Wasser anschließend entzogen. Doch dieses Produkt hält nicht ansatzweise, was es verspricht. Wir haben drei lösliche Espressi getestet. Ergebnis: Ihr Geschmack erinnert eher an Gemüsebrühe, eine Crema entsteht nicht. Der Verbraucher wird mit diesen Produkten getäuscht. Es handelt sich nicht um einen klassischen Espresso. Die Zubereitung ist eine andere, der Geschmack ist espresso-untypisch, eher wie löslicher Kaffee. Die Hersteller schreiben wohl auch deshalb „Typ“ Espresso auf die Verpackung.

Schadstoffe vom Rösten

Beim Erhitzen eiweiß- und zuckerhaltiger Lebensmittel können unerwünschte Stoffe (Schadstoffe) entstehen, zum Beispiel Acrylamid und Furan. Während Acrylamid in den letzten Jahren intensiv erforscht wurde, ist das Thema Furan noch Neuland. Weltweit befassen sich Wissenschaftler erst seit kurzem damit. Auch die Hersteller tun das. Weil es noch keine konkreten Bewertungsgrundlagen gibt, haben wir von einer Beurteilung der Furan-Funde abgese­hen.

Fest steht: Acrylamid, Furan und vermutlich auch seine Nebenprodukte können in Tierversuchen Tumoren erzeugen und das Erbgut verändern. Die Wirkung auf den Menschen ist wissenschaftlich noch nicht erwiesen. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Furan als möglicherweise Krebs erzeugend für den Menschen ein. Nicht mehr als ein Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht sollte täglich aufgenommen werden.

Im Test waren die Bohnen von Segafredo Zanetti Intermezzo am stärksten mit Furan belastet. Ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener müsste davon aber mehr als sieben Espressi täglich trinken, bis er den kritischen Wert erreicht.

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