Jeder Vierte geht früher

Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, hat von der gesetzlichen Rente oft nicht viel zu erwarten. Private Vorsorge tut Not.

Hektik, Leistungsdruck und Stress prägen unseren Berufsalltag. Das Risiko, aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur Altersgrenze im Job durchzuhalten, wird immer größer; jeder vierte Berufstätige geht früher. Gleichzeitig ist die soziale Absicherung für den krankheitsbedingten Verlust der Arbeitskraft zum Jahresanfang 2001 stark zurückgefahren worden.

Dies gilt zwar nicht für laufende Renten, neu beantragte gesetzliche Berufsunfähigkeitsrenten werden jedoch nur noch an Versicherte gezahlt, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden. Sie erhalten eine halbe so genannte Erwerbsminderungsrente, wenn sie ihren bisherigen Beruf nicht länger als sechs Stunden täglich ausüben können.

Bei Jüngeren spielt die berufliche Qualifikation keine Rolle mehr. Ob sie eine Rente wegen Erwerbsminderung erhalten, hängt allein davon ab, wie viele Stunden täglich sie noch irgendeiner Erwerbstätigkeit nachgehen können. Ein hoch spezialisierter Ingenieur kann vielleicht aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr machen, aber immer noch als Pförtner arbeiten.

Volle oder halbe Rente

Eine volle Erwerbsminderungsrente be­kommt, wer täglich keine drei Stunden mehr arbeiten kann. Eine halbe Rente erhält, wer mindestens drei, aber keine sechs Stunden am Tag arbeiten kann. Findet sich keine Teilzeittätigkeit, wird die Erwerbsminderungsrente aber in voller Höhe überwiesen. So kann ein 38-jähriger Versicherter in den alten Bundesländern, der von Beginn seines Berufslebens an stets ein Einkommen erzielte, das dem Durchschnittseinkommen entsprach (2002 sind dies 28 518 Euro), nach Angaben der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte zurzeit mit einer „vollen“ Erwerbsminderungsrente von rund 1 086 Euro rechnen. Doch so viel bekommt kaum einer. Oft verdienen Versicherte nicht durchgängig und am meisten erst in den letzten Jahren vor ihrer Erwerbsminderung.

Weil die Erwerbsminderungsrente aber das gesamte Berufsleben einbezieht, ist sie de facto niedriger. Bei Männern in den alten Bundesländern beläuft sich die durchschnittliche volle Erwerbsminderungsrente nur auf 855 Euro im Monat, bei Frauen auf 636 Euro. In den neuen Ländern erhalten Männer bei voller Erwerbsminderung im Schnitt monatlich 752 Euro, Frauen 647 Euro.

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