Zahlen oder nicht zahlen, darüber urteilen deutsche Gerichte beim Thema Telefonsex sehr unterschiedlich. 1998 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) Sexhotlines noch als "Wortbordelle" gebrandmarkt und ihren Service als sittenwidrig angesehen (Az. XI ZR 192/97). Ähnlich sahen das gut ein Jahr später die Oberlandesgerichte Stuttgart (Az. 9 U 252/98) und Düsseldorf (Az. 20 U 100/98). Mit Blick auf das BGH-Urteil hielten sie Telefonsexgebühren für nicht einklagbar.

Diese Rechtsprechung nahmen viele Kunden zum Anlass, die Hotlinezeche zu prellen. Damit haben sie jedoch in letzter Zeit immer weniger Erfolg. Unlängst verpflichtete das Oberlandesgericht Hamm einen Vieltelefonierer zum Bezahlen seiner Hotlinegebühren in Höhe von knapp 15.000 Mark (Az. 17 U 73/00). Auch die Oberlandesrichter aus Koblenz, Dresden und Jena erlaubten Telefonfirmen mittlerweile, die für Erotikhotlines angefallenen 0190-Gebühren zu kassieren. Das OLG Dresden gab als Begründung an, dass inzwischen ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden habe. Prostitution und Telefonsex würde mit Sicherheit nur noch von der Minderheit der Bevökerung für sittenwidrig befunden. Zur endgültigen Klärung wird der BGH erneut ein Machtwort sprechen müssen.

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