Erkältungs­spray Locabiosol Meldung

Das Mund- und Nasen­spray Locabiosol könnte bald aus den Apotheken­regalen verschwinden. Ein Ausschuss der Europäischen Arznei­mittel­behörde empfahl Mitte Februar, Medikamente mit dem entsprechenden Wirk­stoff Fusafungin aus dem Verkehr zu ziehen. Grund sind mögliche ernste allergische Reaktionen der Atemwege. Die Stiftung Warentest bewertet Locabiosol schon lange als „wenig geeignet“.

[Update: 25.04.2016] Inzwischen hat das Bundes­institut für Arznei­mittel und Medizin­produkte die Zulassung für Fusafungin widerrufen und dem Hersteller Stada eine Frist bis zum 28. Mai gesetzt, nach der Locabiosol nicht mehr verkauft werden darf. Der Hersteller wollte diese Frist jedoch nicht ausnutzen und hat einen Rück­ruf des Medikaments veranlasst. [Ende Update]

Als Neben­wirkung droht Atemnot

Das rezept­freie Präparat Locabiosol mit dem Wirk­stoff Fusafungin wird in den Rachen oder in die Nase gesprüht. Zum Einsatz kommt es bei akuten Entzündungen der oberen Atemwege wie Hals­schmerzen. In letzter Zeit gab es vermehrt Meldungen, wonach schwere allergische Reaktionen als Neben­wirkung auftraten. Oft handelte es sich um Bronchospasmen – Krämpfe der Bronchien, die Atemnot verursachen.

Risiko über­wiegt den Nutzen

Wegen der Vorkomm­nisse leitete die Europäische Arznei­mittel­behörde EMA im September 2015 ein Risiko­be­wertungs­verfahren ein. Der zuständige Ausschuss namens PRAC befand nun, die schweren allergischen Reaktionen kämen zwar selten vor, könnten aber lebens­bedrohlich enden. Dieses Risiko stehe nicht im richtigen Verhältnis zum Nutzen – zumal Infekte der oberen Atemwege vergleichs­weise harmlos verliefen und die wissenschaftliche Studien­lage für die therapeutischen Effekte des Mittels schwach sei.

Fortsetzung der Behand­lung mit Arzt oder Apotheker besprechen

Aufgrund seiner Risiko­be­wertung empfahl der Ausschuss, die Zulassung von Fusafungin europaweit zu widerrufen. Nun muss allerdings noch ein weiterer Ausschuss namens CMDh und gegebenenfalls die EU-Kommis­sion eine finale Entscheidung treffen, ob die Präparate am Markt bleiben oder nicht. Wegen der kritischen Bewertung des PRAC rät die deutsche Arznei­mittel­behörde BfArM Patienten, die Locabiosol anwenden, mit dem Arzt oder Apotheker zu erörtern, ob die Behand­lung fortgesetzt werden soll.

Negative Bewertung der Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest bewertet Locabiosol als „wenig geeignet“, und zwar schon seit Erscheinen ihrer ersten Arznei­mittel­bewertungen im Jahr 2000. Das Mittel wirkt antibiotisch, richtet sich also gegen Bakterien. Doch die meisten Entzündungen im Nasen- und Rachenraum entstehen durch ganz andere Erreger, nämlich Viren. Und selbst bei bakteriellen Infektionen im Nasen- und Rachenraum ist die therapeutische Wirk­samkeit von Locabiosol nach Beur­teilung der Stiftung Warentest nicht ausreichend nachgewiesen. Zudem weisen die Experten darauf hin, dass als Neben­wirkung Atemnot auftreten kann. Mehr Infos stehen in der Arzneimitteldatenbank der Stiftung Warentest. Die besten und güns­tigsten Arzneien bei Halsweh, Schnupfen, Husten finden Sie in unserem aktuellen Special Erkältung.

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