Erkältung Special

Es gibt etwa 200 Erkältungs­viren. Selbst eine starke Abwehr macht da mal schlapp.

Niesen, Husten, Hals­schmerzen: Fast jeden erwischt es, fast jeder bekommt gut gemeinte Ratschläge. Die Gesund­heits­experten der Stiftung Warentest erklären den Unterschied zwischen Erkältung und Grippe. Sie sagen, was wirk­lich hilft, wenn Nase und Immun­system auf Hoch­touren laufen – und was Arbeitnehmer dürfen, wenn sie krank­geschrieben sind.

Grippaler Infekt oder Grippe?

Ärzte nennen eine fieb­rige Erkältung mit Husten und Schnupfen grippaler Infekt. Mit „echter“ Grippe – Influenza – hat das jedoch wenig zu tun.

Alles auf einmal. Influenza wird durch andere Viren ausgelöst als Erkältungs­krankheiten. Außerdem treten die erkältungs­artigen Symptome bei Grippe meist nicht nach­einander, sondern gleich­zeitig und plötzlich auf. Man fühlt sich schlag­artig krank, bekommt Schüttelfrost oder hohes Fieber, heftige Kopf-, Muskel- und Glieder­schmerzen.

Arzt klärt ab. Bei Verdacht auf Grippe unbe­dingt einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn hohes Fieber trotz Medikamenten oder Wadenwi­ckeln länger als drei Tage anhält, sich die Beschwerden verstärken, Schmerzen in der Brust oder Luft­not dazu­kommen. Solche Symptome können auf eine Lungen­entzündung hindeuten. Auch ältere oder chro­nisch kranke Personen mit einem schwachen Immun­system oder Menschen, die von einer Fernreise zurück­gekehrt sind, sollten prüfen lassen, ob mehr hinter den Beschwerden steckt als eine normale Erkältung.

Tipp: In unserem Test Erkältungsmittel steht mehr zu grippalem Infekt und Grippe.

Stimmt

Ausruhen – und schon gehts besser

Das ist wahr. Schön die Ruhe bewahren, entspannen und schlafen: auf dem Sofa oder besser im Bett. Während des Schlafs kann sich das Immun­system darauf konzentrieren, den Infekt abzu­wehren. Das ist wissenschaftlich belegt. Wer Fieber hat, sollte sich drei Tage Erholung gönnen, nachdem es abge­klungen ist. Danach spricht nichts gegen einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft.

Husten, Schnupfen, Halsweh: Für jeden Schmerz ein Mittel!

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Ja. Das „Kranken“-Tablett darf voll­gestellt sein mit allerlei Helferchen: Symptome einzeln zu bekämpfen, lindert die Beschwerden. „Erkältung“ ist der Ober­begriff für verschiedene Leiden, die meist nicht gleich­zeitig auftreten, sondern oft nach­einander und mit unterschiedlicher Intensität. Deshalb empfiehlt es sich, sie einzeln zu bekämpfen. Die Stiftung-Warentest-Experten haben Präparate für Fieber, Hals­schmerzen, Husten und Schnupfen bewertet. Ihre Urteile finden Sie in unserem Test Erkältungsmittel.

Fiebersenker können das Leiden verlängern

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Das ist richtig. Bei einer erhöhten Temperatur bis rund 38,5 Grad Celsius arbeitet das Immun­system auf Hoch­touren. Es produziert mehr Abwehr­zellen und bremst so die Erkältungs­viren. Wer sofort Fiebersenker einnimmt, hindert es daran. Der Heilungs­prozess kann sich verzögern. Außerdem besteht das Risiko, dass sich keine Antikörper bilden. Die können künftige Infektionen verhindern. Erst ab etwa 39 Grad sollte man das Fieber senken: entweder mit Wadenwi­ckel oder mit fiebersenkenden Medikamenten. Hält es mehr als drei Tage an, ist ein Arzt­besuch geboten. Gefähr­lich wird es ab etwa 42 Grad, dann drohen Organschäden.

Zink verkürzt jede Erkältung

Immerhin um einen Tag. Einige Unter­suchungen weisen darauf hin. Insgesamt jedoch ist die Studien­lage nicht einheitlich. Für eine klare Empfehlung reicht sie nicht aus. Ausprobieren lohnt sich aber nur, wenn der Erkältungs­geplagte inner­halb von 24 Stunden nach den ersten Anzeichen hoch dosierte Zink­präparate schluckt.

Wechselduschen beugen vor

Ja, regel­mäßig gemacht. Der Wechsel zwischen warm und kalt fördert die Durch­blutung. Die Immun­zellen im Körper verteilen sich so besser, die Abwehr wird gestärkt. Das gilt für Körpergüsse mit kaltem oder abwechselnd kaltem und heißem Wasser – und noch mehr für Saunagänge mit anschließender Abkühlung. Wer bereits krank ist, dem hilft Abhärten nicht mehr. Heftige Temperatur­unterschiede können dann schaden.

Hände­waschen ist das A und O

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Einfach und wirk­sam. Was man auch anfasst, Türklinken, Haltegriffe in Bus oder Bahn, Geld­scheine – Erkältungs­viren lauern über­all. Ein Hände­druck genügt, um sich anzu­stecken. Oft fasst man sich mit der Hand ins Gesicht, die Viren geraten über Nase oder Augen zu den Schleimhäuten und so in den Körper. Deshalb ist Hände­waschen so wichtig. Antibakterielle Seife und Desinfektions­mittel sind für Gesunde unnötig, Wasser und Seife reichen: 20 bis 30 Sekunden gründlich die Hände waschen – das macht Viren den Gar­aus.

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Stimmt nicht

Da helfen nur noch Antibiotika

Nein, das stimmt nur extrem selten. Denn es sind Viren und nicht Bakterien, die Erkältungen auslösen. Gegen Viren sind Antibiotika nutzlos. Nur wenn sich infolge der Krankheit Bakterien etwa auf den angegriffenen Schleimhäuten ansiedeln und eine weitere Infektion auslösen, kann man Antibiotika in Erwägung ziehen. Dass Bakterien im Spiel sind, zeigen etwa eitrige Mandeln oder grünlicher Auswurf an. Ob sie die Ursache sind, welche Behand­lung sich anbietet und ob Antibiotika nötig sind, klärt der Arzt ab.

Sehr viel trinken ist ganz wichtig

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Nicht mehr als sonst auch. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Heilung beschleunigt wird, wenn man über den Durst trinkt. Also sich nicht zum Trinken zwingen. Das eigene Durst­gefühl kann eine gute Orientierung sein. Ausnahme: Wer fiebert, schwitzt Feuchtig­keit aus und muss den Verlust ausgleichen, am besten mit ungesüßten Kräuter­tees und Wasser.

Inhalieren vertreibt Erkältung im Nu

Stimmt nicht – und im Nu schon gar nicht. Wärme und Feuchtig­keit fördern die Durch­blutung in den Schleimhäuten und können fest­sitzenden Schleim lösen. Mehr ist wissenschaftlich aber nicht belegt. Viele empfinden das Einatmen von Wasser­dampf als wohl­tuend. Kräuter oder etwas ätherisches Öl im Wasser können diesen Effekt noch verstärken.

Nasse Haare im Winter = Erkältung

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Nein, so direkt ist der Zusammen­hang nicht. Kälte löst weder Husten noch Schnupfen aus. Wer mit nassen Haaren nach draußen geht, friert am Kopf, wird aber nicht auto­matisch krank. Allerdings fährt das Immun­system bei kalten Temperaturen herunter und arbeitet nicht mehr so effektiv. Außerdem verengen sich durch die Kälte die Gefäße, vor allem die der Extre­mitäten und der Nase. Das kann Immun­zellen hindern, in ausreichender Zahl zu den Schleimhäuten zu gelangen, um eindringende Viren abzu­wehren. Durch wissenschaftliche Studien belegt ist diese Theorie allerdings nicht.

Pflanzliche Mittel wirken am besten

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Das ist nicht belegt. Laut alten Über­lieferungen sollen Tees mit Weiden­rinde und Mädesüß Schmerzen lindern, Thymian und Holunder den Schleim lösen, Lindenblüten den Schweiß treiben. Dass sie darüber hinaus auch den Verlauf einer Erkältung verbessern, dafür gibt es noch keine ausreichenden Beweise. Extrakte aus dem Kraut des Sonnenhuts – Echinacea purpurea – sollen die Abwehr stärken und so vorbeugend und heilend wirken. Studien legen das allenfalls für Erwachsene nahe – aber nur dann, wenn Erkrankte Sonnenhut direkt zu Beginn einer Erkältung einnehmen.

Vitamin C erstickt Erkältungen im Keim

Dafür gibt es keinen Beweis. Vitamin C ist wichtig für die Gesundheit, die meisten von uns nehmen mit der Ernährung genug auf. 100 Milligramm Vitamin C am Tag reichen laut Bundes­amt für Risiko­bewertung aus. Rote, frische Paprika etwa liefert pro 100 Gramm bereits 140 Milligramm Vitamin C. Hoch dosierte Pillen bringen nichts, wenn es einen schon erwischt hat. Der Körper scheidet über­schüssige Mengen aus, er kann das Vitamin nicht speichern. Nur Höchst­leistungs­sportler oder körperlich schwer Arbeitende können Erkältungen vorbeugen, wenn sie regel­mäßig mindestens 200 Milligramm Vitamin C einnehmen. Vermutlich brauchen sie wegen der hohen körperlichen Anstrengung Nach­schub.

Aspirin Complex ist der Retter in der Not

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Schön wärs. Das Medikament, das Husten, Schnupfen, Kopf­schmerzen im Verbund und umge­hend nieder­ringt, muss erst noch erfunden werden. Eine Erkältung selbst lässt sich nämlich nicht bekämpfen, sondern es lassen sich nur die Symptome lindern. Kombimittel wie beispiels­weise Aspirin Complex oder Wick MediNait, die versprechen, gleich­zeitig mit Schnupfen, Husten, Heiser­keit und Fieber fertig zu werden – sind nach Ansicht der Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest keine gute Wahl. Die Kombination verschiedener Wirk­stoffe im selben Medikament erhöht das Risiko von starken Neben­wirkungen. Die Einnahme von Aspirin Complex etwa kann zu Herz­rasen, Blut­druck­anstieg, Nervosität und Unruhe führen.

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Arbeits­recht: Spazieren ist erlaubt

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Raus­gehen. Trockene Heizungs­luft tut den Schleimhäuten nicht gut – spazieren gehen schon.

Wer sich eine fieb­rige Erkältung einfängt, ist gerade in den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Infektion eine Viren­schleuder. Die Chance, andere anzu­stecken, ist dann besonders hoch.

Unbe­dingt auskurieren. Nur wer völlig gesund ist, über­trägt keine Erreger mehr. Also spätestens bei Fieber nach Hause und sich krank melden. Nach sieben bis zehn Tagen ist alles ausgestanden. Bei Kindern dauert es meist länger – ihr Immun­system ist noch nicht ganz ausgebildet.

Attest vom Arzt. Bevor man nicht wieder ganz fit und fieberfrei ist, sollte man nicht zur Arbeit gehen. Wer krank im Büro sitzt, steckt andere an und läuft Gefahr, die Erkältung zu verschleppen – ein Rück­fall droht. Spätestens nach drei Tagen Krankheit verlangen Arbeit­geber ein Attest vom Arzt.

Erlaubt ist, was zur Genesung beiträgt. Solange man sich schlapp fühlt, ist Schonen die beste Medizin. Sind die schlimmsten Beschwerden über­standen, tut ein kleiner Spaziergang gut. Frische Luft ist eine Wohl­tat für die Atemwege. Arbeits­recht­lich ist nichts dagegen zu sagen – was zur Genesung beiträgt, ist erlaubt. Auf Kino­besuche sollte man wegen der Anste­ckungs­gefahr mit Rück­sicht auf die Mitmenschen verzichten. Informationen zum Arbeits­recht im Krank­heits­fall sind in unseren FAQ Krankmeldung beim Arbeitgeber abruf­bar.

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