Ergo-Konzern Meldung

Ergo-Vertreter haben Kunden möglicherweise zu teure Betriebsrenten-Verträge verkauft. Das vermutet der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Er hat Strafanzeige wegen des Verdachts auf Betrug erstattet.

Einzelverträge statt günstiger Gruppentarife

Ergo-Versicherungsvermittler sollen Arbeitnehmern statt der günstigeren Gruppenverträge erheblich teurere Individualverträge als betriebliche Altersvorsorge verkauft haben. Für Einzelverträge bekommen Vertreter deutlich höhere Provisionen als für die Gruppentarife. Negativer Effekt für die Kunden: So fließt ein geringerer Anteil der Beiträge in die verzinsliche Anlage und der Kunde erhält später für sein eingezahltes Geld weniger Leistung.

Rund 600 Verträge möglicherweise fehlerhaft

Die ERGO Versicherungsgruppe prüft zurzeit den Bestand der Hamburg-Mannheimer Pensionskasse. Diese Kasse gehört zum Ergo-Konzern. Ergo hat aus den Gruppenverträgen von über 20 000 Unternehmen etwa 160 zur weiteren Untersuchung herausgefiltert. Für weniger als zehn dieser Gruppenverträge mit insgesamt 600 Versicherten laufen die Prüfungen noch, sagte ein Sprecher der ERGO gegenüber test.de. Falls sich herausstellen sollte, dass Kunden Nachteile erlitten hätten, werde Ergo die Verträge nachträglich umstellen. Von Vertretern, die aus Provisionsinteresse in großem Umfang falsch beraten, wolle sich der Konzern trennen.

Strafanzeige gegen unbekannt

Der vzbv geht derweil davon aus, dass Ergo-Vertreter Kunden getäuscht haben und hat deshalb bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts auf Betrug durch Ergo-Versicherungsvermittler und durch Mitarbeiter des Ergo-Konzerns erstattet. Der vzbv vertritt die Auffassung, dass Ergo verantwortlich für das Verhalten aller seiner Vermittler ist.

Verbraucherschützer fordern Entschädigung

„Den Kunden ist durch Betriebsrentenverträge mit schlechteren Konditionen ein Schaden entstanden, den Ergo ersetzen muss“, sagt Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim vzbv. Betroffene Kunden müssten rückwirkend so gestellt werden, als hätten sie von Anfang an den günstigeren Gruppentarif ihres Betriebes abgeschlossen. Sie können allerdings ihrem Vertrag oft selbst nicht entnehmen, ob es der für ihren Arbeitgeber übliche Gruppenvertrag ist oder nicht.

Tipp: Haben Sie eine Betriebsrente von einem Ergo-Versicherer, zum Beispiel der Hamburg Mannheimer Pensionskasse, dann klären Sie, ob sie den „richtigen“ Vertrag haben. Wenden Sie sich an Ihren Arbeitgeber und lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass Sie die für Ihr Unternehmen üblichen Konditionen und Unterlagen erhalten haben.

Ergo weiter in den Schlagzeilen

Der Ergo-Konzern bleibt damit weiter in den Schlagzeilen. Erst machte das Handelsblatt öffentlich, dass Vertriebsmitarbeiter des Konzerns Sexpartys in Ungarn gefeiert hatten. Dann stellte sich heraus, dass die Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer Kunden beim Abschluss von Riester-Rentenversicherungen zu hohe Kosten aufgebrummt hatte. test.de berichtete über die problematische Riester-Rente von Ergo.

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