Ergebnisse der Umfrage Psychotherapie Meldung

Knapp 4 000 Menschen mit seelischen Problemen beteiligten sich an der Umfrage zur Psycho­therapie. Vielen Dank! Ergebnis: Die Behandlung besserte bei vielen das seelische Leid und die Schwierig­keiten im Alltag. Doch Teil­nehmer berichten auch von Miss­erfolgen. Informationen zu den Therapie­formen finden Interessierte im Artikel „Welche Therapie hilft“.

Depressionen und Ängste am häufigsten

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Von Angst bis Zwang: Art der seelischen Probleme

Knapp 4 000 Umfrageteilnehmer hatten in den letzten fünf Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen (Grafik 1). Mit Abstand am häufigsten: Depressionen (79 Prozent), gefolgt von Ängsten (64 Prozent) und Belastungsreaktionen (27 Prozent). Letztere entstehen zum Beispiel nach traumatischen Erlebnissen. Auch oft genannt: Persönlichkeitsstörungen (20 Prozent), Essstörungen (18 Prozent) sowie Missbrauch von zum Beispiel Alkohol (12 Prozent) und Abhängigkeiten, also Süchte (8 Prozent). Häufig wurden mehrere psychische Probleme genannt.

Die meisten setzen auf Psychotherapie

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Praxis oder Klinik: Wo Hilfe gesucht wird

Knapp 3 000, also etwa drei Viertel der Umfrageteilnehmer mit seelischen Problemen, suchten schließlich professionelle Hilfe (Grafik 2). Dabei entschied sich die große Mehrheit (83 Prozent) für eine ambulante Psychotherapie in einer Praxis oder Ambulanz, etwa von Krankenhäusern oder Ausbildungsstätten für Psychotherapeuten. 40 Prozent der Befragten ließen sich stationär in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik behandeln. Dort kommen oft Psychotherapien, Medikamente und weitere Maßnahmen kombiniert zum Einsatz. Zu empfehlen ist ein Klinikaufenthalt vor allem Patienten, die Abstand vom Alltag brauchen oder an schweren psychischen Problemen leiden. Etwa jeder achte der Umfrageteilnehmer ging in eine Tagesklinik: Er wurde tagsüber stationär betreut, schlief aber zuhause. Und 22 Prozent nutzten andere professionelle Hilfen. Dabei wurden auch Psychopharmaka genannt. Diese Medikamente helfen oft schnell, können aber Nebenwirkungen haben und leicht zur Dauertherapie geraten. Daher sind sie vor allem bei schweren psychischen Störungen – und kombiniert mit einer Psychotherapie – zu empfehlen.

Nur wenige suchen sich sofort Hilfe

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So lange warteten Betroffene bis zur Therapie

Nicht jeder Leidende sucht sofort Hilfe. So entschieden sich knapp zwei Drittel der Befragten erst für eine Psychotherapie, nachdem ihre seelischen Probleme schon mindestens ein Jahr bestanden hatten (siehe Grafik 3). Jeder fünfte Umfrageteilnehmer wartete sogar länger als zehn Jahre bis zu diesem Schritt. Die wichtigsten Gründe für ein Zögern: „Ich wollte allein mit dem Problem fertig werden“ und „Die Probleme kamen mir nicht schwer genug vor“. Diese Argumente nannten auch die Umfrageteilnehmer am häufigsten, die sich grundsätzlich einer Therapie verweigerten.

Therapeutensuche über Ärzte und Freunde

Wer sich für eine Psychotherapie entscheidet, muss erst einmal einen geeigneten Therapieplatz finden. Die meisten Umfrageteilnehmer erhielten eine von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Therapie. Dabei handelt es sich um eine analytische, tiefenpsychologisch fundierte oder Verhaltenstherapie bei einem Psychotherapeuten mit Kassenzulassung. Die Kontakte vermittelten ihnen meist ihre behandelnden Ärzte (37 Prozent) oder Verwandte und Freunde (19 Prozent). Weit weniger, nämlich je 11 Prozent, nutzten für die Psychotherapeutensuche das Internet oder Verzeichnisse, etwa die Gelben Seiten. Sie bieten oft einen guten Überblick, meist aber ohne Infos zur Qualifikation und Kassenzulassung. Eine gezielte Suche bieten die Kassenärztlichen Vereinigungen ( www.kbv.de/arztsuche) oder die Psychotherapeutenkammern ( www.psych-info.de, www.bptk.de).

Drei Monate Warten auf Therapieplatz

Oft gibt es lange Wartezeiten bis zum Beginn der Therapie – vor allem auf dem Land, in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet, beklagt die Bundespsychotherapeutenkammer. Das liege an der „Bedarfsplanung“ von 1999, die große regionale Unterschiede bei den Kassenzulassungen für Psychotherapeuten vorsieht. Hilfreich beim Überbrücken von Wartezeiten: passende Selbsthilfegruppen (etwa über www.nakos.de) oder Beratungsstellen (etwa über www.bzga.de/service). Diese helfen bei vielen Problemen, teils sogar psychotherapeutisch und häufig kostenlos. Unsere Umfrageteilnehmer warteten übrigens im Schnitt etwa einen Monat auf ein Erstgespräch und dann noch einmal drei Monate bis zur richtigen Therapie. Wem es sehr schlecht geht, sollte sich am besten an eine Klinik wenden.

„Zuhören und Reden“

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Diese Bestandteile hatten die Psychotherapien

Meist fand die Therapie in Form von Einzelsitzungen statt, häufig einmal die Woche (55 Prozent). 62 Prozent der Behandler waren psychologische Psychotherapeuten, 27 Prozent ärztliche Psychotherapeuten. Beide Gruppen haben nach ihrem Studium mehrjährige Spezialausbildungen durchlaufen. Der Hauptunterschied: Die Psychologen dürfen keine Medikamente verordnen, müssen dafür also gegebenenfalls mit Ärzten kooperieren. Bei den Therapien kamen viele Methoden zum Einsatz (siehe Grafik 4). Doch als Schwerpunkt nennen fast alle: „Zuhören und Reden“.

Motivation und Sympathie entscheiden

Über das Gelingen einer Psychotherapie entscheiden vor allem zwei Dinge: Die Bereitschaft des Patienten zum Mitmachen und eine gute Beziehung zum Therapeuten. Beides scheint laut Umfrage oft zu klappen. So bemühten sich fast alle Befragten, aktiv mitzuarbeiten und so offen wie möglich zu sein (je 97 Prozent). Zudem gaben viele an, sich auch zwischen den Sitzungen mit den besprochenen Themen zu beschäftigen (92 Prozent). Umgekehrt bescheinigten viele ihren Therapeuten eine gute Arbeitsweise, etwa ein beruhigendes und unterstützendes Verhalten (83 Prozent), Aufgeschlossenheit gegenüber Fragen und Kritik (77 Prozent), Gründlichkeit bei der Problemlösung (73 Prozent). Und knapp 80 Prozent waren insgesamt mit ihrem Therapeuten zufrieden oder sehr zufrieden.

Große Wirkung bei vielen Befragten

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Diese Wirkung zeigte die Behandlung

Vor allem aber zeigt die Umfrage den Nutzen der Psychotherapie. So fanden 77 Prozent der Teilnehmer vor Beginn der Behandlung ihr seelisches Leiden „sehr groß“ oder „groß“. Nach dem Ende der Therapie lag dieser Anteil nur noch bei 13 Prozent (siehe Grafik 5). Auch die Einschränkungen im Alltag, genauer in Beruf, Freizeit und Familie, sanken bei vielen Befragten deutlich. Und es wurden weitere positive Effekte genannt, etwa mehr Lebensfreude (68 Prozent), ein besseres Selbstwertgefühl (63 Prozent), ein leichterer Umgang mit alltäglichem Stress (61 Prozent) oder ein Anstieg der Arbeitsfähigkeit (53 Prozent).

Kein Allheilmittel für jeden

Ein Spaziergang ist die Seelenerkundung allerdings nicht. Entsprechend berichteten viele Befragte über vorübergehende unerwünschte Effekte, vor allem eine Belastung durch die Beschäftigung mit unangenehmen Themen (46 Prozent), neue Probleme (39 Prozent) oder Angst in schwierigen Situationen (25 Prozent). Und es gab auch Misserfolge. So brach etwa jeder fünfte Befragte die Behandlung ab. Die häufigsten Gründe: Keine Besserung (45 Prozent), Schwierigkeiten mit dem Therapeuten (39 Prozent) oder Zweifel an dessen Kompetenz (36 Prozent). Das zeigt: Ähnlich wie medizinische Behandlungen ist Psychotherapie kein Allheilmittel für jeden.

Tipps

Wichtig für hohe Erfolgschancen einer Psychotherapie ist Ihre Herangehensweise. Das können Sie selbst tun:

  • Informieren Sie sich über die Psychotherapierichtungen, gleichen Sie sie mit den eigenen Vorstellungen ab.
  • Befragen Sie den Therapeuten zu Beginn zu seiner Arbeitsweise, seinen Erfahrungen mit Ihrem Problem und seinem Zeitplan für Ihre Therapie.
  • Vor allem aber achten Sie darauf, ob Sie ihn sympathisch finden.
  • Scheuen Sie sich später nicht, Zweifel und Kritik zu äußern.
  • Und denken Sie daran: Psychotherapien leben von Ihrer aktiven Mitarbeit.

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