Ergebnisse der Umfrage Krankenkassen Meldung

Solange man gesund ist, gibt’s kein Problem mit der Kasse. Doch auch im Ernstfall fühlen sich Versicherte gut versorgt - zumindest die Teilnehmer der Finanztest-Umfrage zum Thema Krankenkassen. Lesen Sie im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse.

Rund 300 Teilnehmer

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer Krankenkasse gemacht? Haben Sie sich schon einmal beschwert, und was ist dabei herausgekommen? Das wollte Finanztest in einer Online-Umfrage im Juni dieses Jahres wissen. Rund 300 Fragebögen haben die verantwortlichen Redakteure ausgewertet. Sie können ein erfreuliches Fazit ziehen: Mit der medizinischen Versorgung durch ihre Krankenkasse sind 92 Prozent der Teilnehmer sehr zufrieden bis zufrieden, mit Unterstützung und Beratung 83 Prozent. Die Umfrage ist natürlich nicht repräsentativ für alle gesetzlich Versicherten – allein schon deswegen, weil sie ausschließlich über das Internet erfolgte.

Leistungen in vollem Umfang bewilligt

Doch die überwiegend positive Einschätzung der Kasse liegt nicht daran, dass ausschließlich junge, gesunde Versicherte an der Umfrage teilgenommen hätten. Bei etwa jedem zehnten ging es um eine schwere oder chronische Krankheit, etwa ebenso viele hatten wegen einer Krankenhausbehandlung mit ihrer Kasse zu tun. Etwa ein Viertel gaben an, sie hätten wegen einer beantragten Leistung Kontakt mit ihrer Kasse gehabt. Überwiegend machten die Umfrageteilnehmer beim Kontakt mit ihrer Kasse gute Erfahrungen: Zwei Drittel bekamen rasch einen geeigneten Ansprechpartner und erhielten korrekte und hilfreiche Auskünfte. Wer eine Leistung bei der Kasse beantragte, bekam zügig Bescheid – die meisten nach weniger als zwei Wochen. Die beantragte Leistung, also zum Beispiel eine Psychotherapie, Zahnersatz, eine Kur oder ein Hilfsmittel, wurden in mehr als der Hälfte der Fälle in vollem Umfang bewilligt.

Hilfe im Notfall

Manchmal tut eine Kasse mehr als nur zu beraten: Sonja Müller (Name von der Redaktion geändert) erhielt von der Techniker Krankenkasse konkrete Unterstützung in einer Notlage. Ohne dass es in ihrem beruflichen und familiärem Umfeld jemandem auffiel, war sie vor drei Jahren in eine tiefe Depression geraten. Sie schleppte sich zwar weiter zur Arbeit, vernachlässigte aber ihre Gesundheit, ging trotz häufiger Erkrankungen zu keinem Arzt mehr. Als sie gar nicht mehr weiter wusste, suchte sie eine Geschäftsstelle ihrer Kasse auf und fragte um Rat. Die Mitarbeiter dort erkannten zum Glück gleich, was das Problem war. Innerhalb kürzester Zeit vermittelten sie ihr einen Termin bei einem Psychotherapeuten.

Feste Kontaktperson für Fragen

So schnelle Hilfe ist selten. Nach Angaben der Bundes­psychotherapeuten­kammer erhalten nur knapp die Hälfte aller Patienten, die wegen eines ersten Gesprächs anfragen, überhaupt einen Termin. Erwachsene Patienten müssen dann durchschnittlich zwei Monate warten, bis sie erstmals mit einem Therapeuten über ihre Probleme sprechen können. Die Behandlung beginnt im Schnitt erst nach fast fünf Monaten. Auch nach Behandlungsbeginn fand Sonja Müller (Name von der Redaktion geändert) es hilfreich, eine feste Kontaktperson bei der Krankenkasse zu haben, die zu allen Fragen von Krankengeld bis Reha ansprechbar war. Gerade bei schweren und langwierigen Erkrankungen wollen Patienten schließlich nicht jedes Mal einem anderen Mitarbeiter erklären, worum es geht.

Nicht immer plausible Erklärungen

Nicht ganz so glücklich läuft die Kommunikation offenbar, wenn eine Kasse einen Antrag ablehnt. Mehr als ein Drittel derer, denen dies passierte, gaben an, sie hätten von der Kasse keine verständliche Begründung erhalten, warum ihnen die Leistung nicht gewährt wurde. Auch wenn eine Kasse besonders lange braucht, um einen Antrag zu bearbeiten, oder wenn sie weitere Unterlagen benötigt, erklärt sie das den Versicherten nicht immer plausibel. Als sehr wichtigen Punkt, der für sie eine gute Kasse ausmacht, schreibt zum Beispiel eine Versicherte der Barmer GEK: „Die Kasse sollte Leistungen, die einem gesetzlich zustehen, sofort bewilligen und nicht erst nach wochenlanger Diskussion über die Kosten.“

Beschweren lohnt sich oft

Ergebnisse der Umfrage Krankenkassen Meldung

Das muss sich kein Versicherter bieten lassen. Ein Drittel der Umfrageteilnehmer hat sich schon ein- oder mehrmals bei der Kasse beschwert. Mehr als die Hälfte von ihnen erreichten damit zumindest eine akzeptable Lösung (siehe Grafik). Den förmlichen Weg des Widerspruchs gegen eine Entscheidung der Kasse haben 13 Prozent der Befragten schon ein- oder mehrmals eingeschlagen. Die Erfolgschancen eines Widerspruchs sind hoch. In 23 von 52 Fällen wurde den Versicherten vollständig Recht gegeben, weitere 13 Widersprüche waren zumindest teilweise erfolgreich.

Medizinische Versorgung am wichtigsten

Ergebnisse der Umfrage Krankenkassen Meldung

Medizinisch gut versorgt zu sein, wenn es ernst wird, ist für fast alle Umfrageteilnehmer der wichtigste Punkt, der eine gute Kasse ausmacht (siehe Grafik). Logisch – dafür ist die Kasse schließlich da. Genauso wichtig wie die medizinische Leistung sind den Versicherten aber auch kompetente und freundliche Kassenmitarbeiter. Gut zwei Drittel finden es wichtig oder sogar sehr wichtig, dass die Kasse alternative Behandlungs­verfahren wie Homöopathie bezuschusst. Auf eine Geschäftsstelle in der Nähe oder ein Hausarzt­programm legen viele deutlich weniger Wert.

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