Ergebnisse der Umfrage Handypannen Special

Egal welche Marke: Schwachstellen haben alle. Bei Nokia sinds defekte Displays, bei Siemens die Tastaturen, bei Motorola macht der Akku gern schlapp und bei Sony Ericsson streikt öfter mal die Mobiltelefon-Software. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Stiftung Warentest, an der sich mehr als 2 000 Leser beteiligt haben. Herzlichen Dank dafür! Hier nun die ausführlichen Ergebnisse.

Gute Teile, schlechte Teile

Ergebnisse der Umfrage Handypannen Special

Es gibt auch gute Bauteile. Wer mal ein richtig robustes Handy zusammenbauen möchte, nimmt am besten folgende Zutaten: Akku von Sony Ericsson, Tastatur von Motorola, Display und Software von Alcatel. Das sollte halten - ist aber leider nicht möglich. Die mit Abstand häufigsten Defekte meldeten Umfrageteilnehmer an Nokia- und Siemens-Handys. Das ist nicht verwunderlich: Diese Hersteller haben halt weit mehr Mobiltelefone verkauft als Motorola, Alcatel und Sony Ericsson. Angaben zu recht neuen, wenn auch innovativen Anbietern wie Samsung gingen zu selten ein, um verlässliche Aussagen treffen zu können.

Defekte: Nokia und Siemens vorn

Ergebnisse der Umfrage Handypannen Special

Die Balken zeigen, mit welchem Handy eines Herstellers unsere Leser die meisten Probleme hatten. Basis der Daten ist unsere Leserumfrage, an der 2 158 Leser teilnahmen.

In der Ausfallstatistik einzelner Han­dymodelle liegt das Nokia 6210 mit 30 Prozent der Nennungen deutlich vorn (siehe Grafik). Mit der Marktbedeutung allein ist das aber kaum zu erklären. Das mit 13 Prozent Nennungen folgende Nokia 3310 wurde auch viel verkauft, hat aber deutlich weniger Probleme. Auffällig: Das Nokia 6210 schaltet sich im Vergleich zur Konkurrenz im Schnitt etwa 2,5- mal so häufig ohne Grund ab, auch beim Empfang gabs oft Komplikationen.

Interessant ist auch der Unterschied zu den fast baugleichen und natürlich jüngeren Nachfolgern Nokia 6310 und 6310i: Hier meldeten nur 6 beziehungsweise 5 Prozent der Nokia-Nutzer einen Defekt. Das auffälligste Handy bei Siemens ist das S35i: Es kam auf 18 Prozent der Siemens-Fehlermeldungen. Die Leser kritisierten bei diesem Modell den schwächelnden Akku und die sonst selten auftretenden Probleme mit der Sim-Karte.

Akku: Generelles Problem

Die Funktionsfehler der Handys sind breit gestreut. Am häufigsten traten Probleme mit Akkus und Displays auf. 17 Prozent aller Teilnehmer beklagen Akkuprobleme. Jeder zweite Betroffene berichtet, dass der Akku nicht mehr die volle Leistung erreicht. Weitere Meldungen waren „Akku warnt zu spät, wenn leer“, „Ladevorgang funktioniert nicht“ oder „Wackelkontakt beim Laden“. Einige Male genannt, aber kein Defekt: Der Akku entlädt sich bei ausgeschaltetem Handy. Dieser Effekt ist in Grenzen „normal“. Im Unterschied zu Batterien entlädt sich ein Akku selbst, je nach Modell ist er nach wenigen Wochen leer. Wurde das Handy längere Zeit nicht benutzt, muss es an die „Tankstelle“ – je älter der Akku, desto eher.

Tipp: Akkus sind Verschleißteile und sollten bei guter Pflege mindestens zwei Jahre halten. Laden Sie den Speicher nicht nach kurzem Gebrauch und schon gar nicht täglich auf, sondern nur wenn er fast leer ist. Darüber hinaus sollten Akkus nicht zu warm oder zu kalt werden.

Display: Fehlanzeige

Typische Displayfehler waren unter anderem Totalausfall oder nur zeitweiser Ausfall, seltsame, unverständliche oder nicht lesbare Zeichen auf der Anzeige, Flecken oder leere Stellen, Risse oder Kratzer sowie Empfindlichkeit bei Erschütterungen. Fast jeder zweite Handybesitzer mit Displayproblemen beklagt den zumindest zeitweisen Ausfall der Anzeige – bei Nokia-Nutzern sind es 54 Prozent. Absoluter Spitzenreiter: Sieben (!) von zehn aller Nokia 8210-Besitzer, die an der Befragung teilgenommen haben, meldeten ein fehlerhaftes Display.

Der Umgang des Handymarktführers mit diesem Problem kann nur als kundenunfreundlich bezeichnet werden. Bereits im April 2002 berichtete test.de über sehr häufige Displayausfälle. Damals teilte das Unternehmen der Stiftung mit, dass die Zahl der Fehler nicht für eine Rückrufaktion ausreiche. Auch jetzt scheint Nokia die Displayprobleme zum Ärger vieler Kunden herunterzuspielen: Nur etwa 9 Prozent der Teilnehmer mit defekten Nokia-Displays bekamen ein Austauschhandy.

Tastatur: Drücken zwecklos

Bei defekten Tastaturen hat Siemens die unangenehme Führungsposition. Vor allem die Tastaturen der weitgehend baugleichen Modelle S45 und S45i sind etwa viermal anfälliger als die anderer Mobilfunktelefone. Typische Probleme: Tasten reagieren schlecht oder klemmen, sind schnell abgenutzt oder lassen sich gar nicht mehr bedienen wie zum Beispiel der Ein-/Ausschaltknopf.

Aussagekräftig ist aber der Umgang der beiden großen Handyhersteller mit den genannten Problemen. Bei Beschwerden verhält sich Siemens deutlich kulanter als Nokia. 61 Prozent der Teilnehmer mit einer defekten Siemens-Anzeige berichteten, dass sie umgehend ein Austauschhandy erhielten. Noch deutlicher werden die Zahlen beim „Siemens“-Problem Tastatur: Acht von zehn Befragten mit entsprechenden Nutzerproblemen tauschten ihr defektes Handy gegen ein funktionierendes Modell ein. Das kommt an: Im direkten Vergleich sind Besitzer von Siemens-Handys etwas zufriedener als diejenigen eines Nokia-Modells.

Software: Wachsendes Problem

Ein in der Zukunft sicher wachsendes Problem ist die Software. Mobiltelefone werden zunehmend zu Minicomputern. Sie müssen viel mehr können als simples Telefonieren: Termine speichern und koordinieren, Musik oder Videos abspielen, Fotos aufnehmen, Daten aus dem Internet laden oder Multimedia-Mails versenden. Der Teufel steckt im Detail: Manche Handys hängen sich bei der Nutzung einer bestimmten Unterfunktion regelmäßig auf, verunstalten gespeicherte Namen und Adressen. Neun Prozent der Umfrageteilnehmer gaben Softwareprobleme an. Viele Kunden bekommen von der Hersteller-Hotline den Tipp: „Das ist ein Softwarefehler, lassen Sie beim Service neue Software aufspielen.“ Doch oft genug beseitigt die neue Programmversion nicht den eigentlichen Mangel.

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