Ergebnisse Umfrage Fernunterricht Meldung

Rund 400 000 Menschen im Jahr bilden sich per Fernunterricht weiter, Tendenz steigend. Die Stiftung Warentest hat per Umfrage ermittelt, warum diese Lernform so beliebt ist und welche Erfahrungen Kursteilnehmer machen. Ergebnis: Fast alle schätzen die zeitliche Flexibilität, einige brechen den Kurs aber aus Zeitmangel ab.

Mehr als 2 000 Teilnehmer

Mehr als 2 000 Teilnehmer absolvierten die Umfrage zum Thema Fernunterricht, die vom 30. März bis zum 8. Mai auf test.de lief. Gut die Hälfte der Befragten besuchte zum Zeitpunkt der Umfrage gerade einen Lehrgang, mehr als jeder Dritte verfügte über frühere Erfahrungen mit dem Fernlernen.
Ganz herzlichen Dank noch einmal für Ihre rege Teilnahme an der Umfrage!

Mit Job und Familie vereinbar

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Hauptargument für das Lernen aus der Ferne ist die große Flexibilität: Auf die Frage „Warum ist Fernunterricht für mich die richtige Lernform?“, antworteten 89 Prozent „weil es zeitlich flexibel ist“ und 72 Prozent „weil es räumlich flexibel ist“. Unter „sonstige Gründe“ gibt es auch Antworten wie „weil ich sonst meinen Beruf hätte aufgeben müssen, um zu studieren“ oder „mit Job und vier Kindern nicht anders möglich“. Einige verweisen auch auf das selbstbestimmte, eigene Lerntempo, andere auf den freien Zugang ohne eine Beschränkung wie den Numerus Clausus.

Auch großes privates Interesse

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Überraschend sind die Gründe für die Weiterbildung. Zwar erhoffen sich die meisten davon einen beruflichen Aufstieg – entweder innerhalb der Firma oder auch außerhalb. Über die Hälfte der Teilnehmer macht den Kurs aber auch aus privatem Interesse. Typische Textaussagen dazu lauten etwa „um mich persönlich weiterzuentwickeln“, „um mal wieder meinen Kopf anzustrengen“ oder einfach nur „weil Lernen Spaß macht“. Das Bemerkenswerte dabei: Fast die Hälfte der durchgeführten oder geplanten Lehrgänge sind im Bereich Kaufmännisches Wissen/Wirtschaft angesiedelt.

Teilnehmer profitieren von Weiterbildung

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Die Stiftung Warentest wollte auch wissen, welchen beruflichen Nutzen der Fernunterricht bisher gebracht hat. Die Hälfte der Teilnehmer konnte das Gelernte anwenden, 17 Prozent berichten von einem beruflichen Aufstieg, 16 Prozent bekommen mehr Gehalt und 11 Prozent haben einen neuen Job gefunden. „Es war ein persönlicher Nutzen da, den man einfach nicht in Geld aufwiegen kann“, betont zum Beispiel ein Teilnehmer ergänzend.

Überwiegend selbst finanziert

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Starkes privates Engagement zeigt sich auch bei der Frage nach der Finanzierung: Die große Mehrheit trägt die Kosten zumindest zum Teil selber. Nur 16 Prozent bekommen eine Finanzspritze vom Arbeitgeber, gerade mal 12 Prozent Fördermittel vom Staat. Darüber ärgert sich ein Teilnehmer und merkt an: „Was mich an dieser ganzen Sache wütend macht, ist die Tatsache, dass man vom Staat viel zu wenig Förderung bekommt. Gerade die Leute, die das Ganze neben dem Job machen, sollten finanziell mehr entlastet werden.“

Knapp ein Fünftel bricht ab

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Knapp ein Fünftel der Fernlerner bricht den Kurs ab. Der häufigste Grund dafür ist ein Mangel an Zeit, zudem konnten sich viele Abbrecher nicht ausreichend motivieren. Aber auch vom Lehrgang selbst waren viele Abbrecher enttäuscht: Sie fühlten sich allein gelassen und ihre Erwartungen wurden nicht erfüllt. Wer dagegen einmal einen Kurs erfolgreich absolviert hat, beginnt oft irgendwann den nächsten: Gut ein Viertel hat bereits mehrere Lehrgänge abgeschlossen.

Mails an den Tutor

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Fernlerner beschäftigen sich meist in ihrer Freizeit, also nach Feierabend oder am Wochenende mit ihren Studienbriefen. Im Internetzeitalter läuft die Kommunikation mit dem Tutor überwiegend per E-Mail. 92 Prozent haben auf diese Weise Kontakt zu ihrem Ansprechpartner. Zwei Drittel der Lerner treffen sich im Online-Forum mit ihrem Tutor und fast eben so viele telefonieren per Festnetz miteinander. Fast die Hälfte der Tutoren ist zu den üblichen Arbeitszeiten ansprechbar (siehe Grafik). Jeder Dritte kann seinen Lernbegleiter auch am Wochenende sprechen, 35 Prozent können abends nach 17 Uhr ihre Fragen loswerden.

Anforderungen richtig einschätzen

Am Schluss der Befragung war Raum für allgemeine Anmerkungen. Erfreulich viele Teilnehmer machten davon Gebrauch. Das Bild, das sich daraus ergibt: Viele Fernlerner sind insgesamt zufrieden, warnen aber vor falschen Erwartungen. Einige O-Töne:

  • „Ein Fernstudium ist eine sinnvolle Sache, aber leider nicht für jeden geeignet. [...] wer sich nicht motivieren kann, jeden Tag zu lernen, beziehungsweise sich nicht selbst organisieren kann, der wird ziemlich schnell aufgeben“.
  • „Der größte Nachteil beim Fernunterricht ist einfach, dass man keinen Lehrer oder andere Schüler neben sich hat, die man schnell mal was fragen kann.“
  • „Man kann zwar seine Zeit frei einteilen, aber man steht auch unter einem enormen Zeitdruck.“

Unterstützung ist wichtig

23 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie den Kurs einmal abbrechen wollten. Als Grund dafür, warum sie dennoch durchgehalten haben, nennen einige beispielsweise ihren „Ehrgeiz“, das bereits investierte Geld und die eingesetzte Zeit. Auch Mitstreiter und die Unterstützung durch die Familie spielen eine wichtige Rolle. Zwei Stimmen:

  • „Durch das gegenseitige Motivieren klappte es dann ganz gut mit dem Weitermachen.“
  • „Dieses Studium war nur möglich durch die Unterstützung und Bestärkung meiner Familie.“

Unsicherheit bei der Kursauswahl

Groß ist die Unsicherheit manch eines Fernlerners bei der Auswahl des Kursanbieters: „Die Auswahl fällt sehr schwer, schwarze Schafe sind nicht so leicht zu erkennen.“ Oder: „Bei der Auswahl des Studiums war ich irgendwie mit der Flut von Anbietern, die aber meist nicht das Richtige anbieten, überfordert gewesen.“ Ein Teilnehmer meint: „Es ist wohl schwierig, die Unseriösen von den Seriösen [...] zu trennen“.

Weiterbildungstests der Stiftung Warentest

Die Umfrageergebnisse zeigen neben einer großen Zufriedenheit, wie wichtig Aufklärung und Qualitätskontrolle im Weiterbildungsbereich Fernunterricht sind. Die für alle Fernunterrichtsangebote in Deutschland vorgeschriebene Zulassung durch die Zentralstelle für Fernunterricht prüft vorab die Einhaltung bestimmter Standards. Die Stiftung Warentest untersucht regelmäßig die tatsächliche Durchführung der Kurse und vergleicht deren Qualität. Darunter sind immer wieder auch Fernlehrgänge. Die vielen Antworten aus der Umfrage helfen dabei, künftige Untersuchungen noch praxisnaher zu gestalten.

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