Erfolgsgebühren für Aktienfonds Test

Mehr Geld. In guten Börsenjahren können die Erfolgsgebühren alle anderen Kosten weit übertreffen.

Wenn die Börsen boomen, kassieren Fondsgesellschaften doppelt. Neben den üblichen Kosten zweigen sie Erfolgshonorare in Millionenhöhe ab.

Rund eineinhalb Millionen Euro kassierte die Fondsgesellschaft DWS im vergangenen Jahr allein aus ihrem Fonds DWS Internationale Aktien Typ O. Das waren rund 4 Prozent des Fondsvermögens. Mehr als die Hälfte davon stammte aus einer erfolgsabhängigen Vergütung, die Anleger immer dann zahlen müssen, wenn der Fonds gut gelaufen ist.

Trotz der hohen Kosten haben wir von einem Aufschrei der Anleger weder in diesem noch in vergleichbaren Fällen gehört. Solange die Fondskurse steigen, sind die Investoren großzügig und sehen über noch so happige Gebühren milde hinweg.

Kaum einer denkt darüber nach, dass die Rendite noch viel höher wäre, wenn sich die Anbieter mit weniger zufriedengeben würden. Die DWS-Anleger hätten ­ohne den Abzug der erfolgsabhängigen ­Gebühr im vergangenen Geschäftsjahr des Fonds statt 10,5 Prozent rund 12,8 Prozent gewonnen.

Finanztest hat am Beispiel von Aktienfonds Welt die Fondskosten untersucht und dabei besonderes Augenmerk auf die Erfolgsvergütung, im Fachenglisch „Performance Fee“, gelegt.

Wie unsere Tabelle zeigt, steht dem Zusatzhonorar fürs Management nur selten eine außergewöhnlich ­gute Fondsentwicklung gegenüber. Eine Ausnahme ist der UniValueFonds: Global A. Der Fonds hat trotz des Erfolgshonorars in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 11,9 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet.

Gesamtkosten sind unvollständig

In guten Börsenjahren wie dem vergangenen sind die Erfolgsprämien manchmal höher als alle anderen Gebühren zusammen. In der offiziellen „Gesamtkostenquote TER“ im Fondsprospekt sind Erfolgshonorare aber ebensowenig enthalten wie Transaktionskosten des Fonds für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren.

Dabei soll die TER, Englisch für Total Expense Ratio, eigentlich Aufschluss über sämtliche laufende Kosten geben. Der beim Kauf einmalig zu zahlende Ausgabeaufschlag läuft ohnehin extra.

Warum Anleger neben den normalen Managementgebühren überhaupt eine Leistungsprämie entrichten sollen, ist nicht ohne weiteres einzusehen. Schließlich sind gemanagte Fonds gerade deswegen deutlich teurer als Fonds, die nur eins zu eins einen Index abbilden, weil sie eben diesen Index übertreffen sollen. Ein zusätzlicher Obolus an die Fondsgesellschaft ist allenfalls plausibel, wenn der Fonds dieses Ziel sehr deutlich hinter sich lässt.

Akzeptabel wäre es auch, wenn bei Einführung einer Erfolgsprämie im Gegenzug die normale Managementvergütung gesenkt würde. Doch keine der von uns befragten Fondsgesellschaften bestätigte, dass sie dies getan hat.

Erfolg ist eine Frage der Definition

Was ein Anlageerfolg ist, kann jede Fondsgesellschaft selbst festlegen. Wer die Messlatte niedrig legt, kann den Anleger mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Kasse bitten.

Einige Anbieter wählen für ihren Aktienfonds Welt nicht etwa einen Aktienindex als Maßstab, sondern orientieren sich an einem Zinssatz für Termingelder. Dem Fonds C-Quadrat ARTS Total Return ­Global-AMI (AGI) dient der 3-Monats-Euribor als Richtschnur, das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken in Europa untereinander Geld leihen können. Er liegt zurzeit um die 4 Prozent.

Sobald die Wertentwicklung des Fonds darüber liegt, müssen Anleger davon 20 Prozent abgeben. Im vergangenen Jahr gewannen ihre Anteile um 10,6 Prozent an Wert, ohne Erfolgshonorar wären es 13,3 Prozent gewesen.

Auch andere Fondsgesellschaften machen sich das Leben leicht, indem sie einen für sie günstigen Index heranziehen. Die DWS nimmt zum Beispiel für den Fonds Internationale Aktien Typ O den DJ Global Titans 50 als Maßstab.

Dabei war dieser Index in den vergangenen fünf Jahren nun wirklich kein Paradebeispiel. Einen Indexfonds auf diesen Index würden wir gewiss nicht empfehlen. Warum wird er dann zum Maßstab für global anlegende Aktienfonds geadelt?

Dividenden fallen unter den Tisch

Eine andere Möglichkeit, um dem Erfolg auf die Sprünge zu helfen, ist der Umgang mit Dividenden aus den Aktien des Fonds. Die Anbieter messen die Leistung ihrer Fonds gern an einem Kursindex und verschaffen sich so einen beträchtlichen Startvorteil, da Dividenden in den Kursindizes nicht enthalten sind.

Für einen breit streuenden Index ist der Kursindex oft 2 bis 3 Prozent schlechter als sein Gegenstück, der Performance-Index, der die Dividenden enthält. Ein Fonds, der sich mit dem Kursindex vergleicht, kann sich diese Marge von vornherein gutschreiben.

Nicht immer nachteilig für Anleger

Erfolgsgebühren sind nicht zwangsläufig ein Nachteil für den Anleger. Das zeigt der aktuelle Spitzenreiter der Aktienfonds Welt im Finanztest-Dauertest, der UniValueFonds: Global A.

Dieser Fonds liegt auf Fünfjahressicht hervorragende 8 Prozentpunkte pro Jahr besser als sein Vergleichsindex, der MSCI Welt. Wohlgemerkt sind in dieser Rechnung die nicht gerade niedrigen laufenden Fondskosten und die Erfolgsgebühren bereits enthalten. Im vergangenen Geschäftsjahr summierte sich alles zusammen auf immerhin 2,9 Prozent.

Auch hier könnten Anleger damit hadern, dass sie ohne Abzug eines Erfolgshonorars eine noch höhere Rendite hätten, aber solche Einwände verblassen vor dem überragenden Anlageerfolg des Fonds.

Erfolgsprämie bei Verlust möglich

Das Erfolgshonorar ist ein einseitiges ­Geschäft: Die Fondsgesellschaft bittet den Kunden beim Überschreiten ihrer Zielmarke zur Kasse, gewährt aber umgekehrt keinen Gebührennachlass, wenn ihr Management schlecht gewirtschaftet hat.

Bei vielen Fonds können sogar dann ­Erfolgsgebühren anfallen, wenn der Fonds an Wert verloren hat, dabei aber besser gelaufen ist als sein Vergleichsindex. Ob die Fondsgesellschaften von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, konnten wir bisher aber nicht prüfen.

Immerhin sind einige Anbieter so fair, die Verluste eines Fonds in die Zukunft vorzutragen und mit späteren Gewinnen aufzurechnen, ehe eine Erfolgsprämie fällig wird. Und einige Fondsgesellschaften erheben die Performance Fee nur, wenn der Fonds einen neuen Höchststand erreicht hat. So müssen Anleger zumindest nichts zahlen, wenn der Fonds nur Verluste aus der Vergangenheit wieder aufholt.

Honorar statt Ausgabeaufschlag

Die Börsenrallye hat den Trend zu erfolgsabhängigen Gebühren verstärkt. Unter den untersuchten Aktienfonds Welt, die alle mindestens fünf Jahre alt sind, ist diese Vergütung noch nicht die Regel. Für neuaufgelegte Fonds und solche für spezielle Märkte sieht das schon anders aus.

Anleger stehen immer häufiger vor der Situation, dass sie ihre Fonds äußerst billig oder sogar ohne Ausgabeaufschlag kaufen können, in der Folge aber mit hohen laufenden Kosten leben müssen. Manchmal ist der Ausgabeaufschlag das kleinere Übel, da er sich zumindest klar kalkulieren lässt. Jährliche Gebühren können sich dagegen ändern – ganz besonders, wenn sie größtenteils von Erfolgshonoraren abhängen.

Je länger der Anleger einen Fonds hält, desto günstiger ist es für ihn, einen Ausgabeaufschlag statt höherer laufender Kosten zu wählen. Auch wenn die Kosten ­bereits in unserer Bewertung eingerechnet sind, sollten Anleger möglichst Fonds auswählen, die bei guter Bewertung geringe laufende Kosten haben. Das gilt besonders für die langfristige Geldanlage und für Sparpläne zur Altersvorsorge.

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