Benzin- und Dieselpreise steigen unaufhaltsam. Auf ein Erdgasauto umzusteigen, ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern kann auch eine ökonomische Alternative sein.

Dieselautos gelten vor allem bei Vielfahrern als kostengünstige Alternative zum Benziner. Seit Anfang 2005 haben sie aber ein Problem: Es gelten EU-Qualitätsstandards für weniger Feinstaub und Stickstoffoxid in der Luft von Innenstädten. Davon sind vor allem Dieselautos betroffen. Ihnen drohen Mo­bi­litätseinschrän­kun­gen bis zum Fahrverbot. Erdgasautos haben kein Partikelproblem und wegen der billigeren Kraftstoffkosten können sie sich schon nach wenigen Jahren bezahlt machen.

Der Fiskus verbilligt die Rechnung

Nicht zu unterschätzen ist der Beitrag der Politik. Weil Erdgas sauberer verbrennt als Benzin, wird es in Deutschland nur mit 20 Prozent des üblichen Mineralölsteuersatzes belastet. Diese Steuervergünstigung wurde bis zum Jahre 2020 festgeschrieben. Das schafft Planungssicherheit bei Gasautokäufern und Tankstellenbetreibern. Weil Erdgas nur halb so teuer ist wie Benzin, rechnet sich ein Erdgasauto für immer mehr Autofahrer. Ein Beispiel: Bei einem Verbrauch von acht Litern kostet Erdgas je 100 Kilometer etwa 5 Euro weniger als Benzin. Ein Fahrzeugaufpreis von 2 000 Euro ist also bei einer Jahresfahrleistung von 20 000 Kilometern bereits nach dem zweiten Jahr rausgefahren. Diese Zeit verkürzt sich bei höheren Fahrleistungen und durch (regional unterschiedliche) Zuschüsse, zum Beispiel in Form von Kraftstoffgutscheinen. Fragen Sie Ihren Gasversorger, ob er diese Möglichkeit bietet. Auch bestimmte Berufsgruppen können mit einer Förderung rechnen, zum Beispiel Berliner Taxifahrer im Rahmen der Aktion TUT, Tausend Umwelttaxen. Immer häufiger sind Opel Zafiras und Volvos mit der Aufschrift „Ich fahre mit Erdgas“ zu sehen. Auch das Standardmodell des deutschen Taxis, den Klasse-­E-­Mercedes, gibt es inzwischen in einer Erdgasversion. Wer in einem Erdgastaxi mitfährt, kann leicht feststellen: Das Fahrgefühl unterscheidet sich nicht von dem im Benzin- oder Dieselauto.

Weg vom Hinterhof

Erdgasfahrer sind heute keine Kunden zweiter Klasse mehr, die auf Hinterhöfen nach der passenden Zapfsäule suchen. Die inzwischen mehr als 20 000 Autos können an 500 Zapfsäulen befüllt werden – an Tankstellen, meist direkt neben der Super- und Dieselsäule. Weitere 500 Zapfstellen sollen bis Ende 2006 dazu kommen. Das bedeutet: Jede zehnte Tankstelle bietet dann das umweltfreundliche und kostengünstige Erdgas an. Ein regelmäßig aktualisierter Wegweiser zu allen Erdgas-Tankstellen in Deutschland ist zum Beispiel bei der Kampagne Erdgasfahrzeuge erhältlich. Die Kampagne ist eine Gemeinschaftsaktion von Gaswirtschaft, Auto- und Mineralölindustrie, ADAC und Umweltministerium.

Der ADAC hat 30 Fiat Multipla Bipower als Straßenwachtfahrzeuge angeheuert und die Deutsche Telekom verfügt über eine Flotte von rund 100 Erdgasautos, meist Opel Astra Caravan, 300 weitere Autos sind bestellt. Aber auch das ist erst ein bescheidener Teil des Fahrzeugbestands, der vorzugsweise in Regionen mit höherer Tankstellendichte eingesetzt wird. Überregionale Flottenbetreiber wünschen sich einen zügigen Ausbau des Tankstellennetzes, das dann auch dem Privatfahrer die Reiseplanung erleichtert.

Mono- oder bivalent

Bisher sind Erdgasautos meist bivalent ausgerüstet. Das heißt: Der Benzintank bleibt an Bord und verlängert die Reichweite, wenn der Gasvorrat verbraucht und keine Tankstelle in der Nähe ist.

Erdgas hat einen höheren Brennwert als Benzin. Die Oktanzahl, ausschlagge­bend für die Klopffestigkeit, beträgt zum Beispiel bei Eurosuper 95, bei Erdgas jedoch 130. Es ist also wirtschaftlich, einen Motor auf den Gasbetrieb zu optimieren. Während Fiat den Multipla bisher als Bipower (bivalent) und Blupower (monovalent) anbot, ist im aktuellen Jahrgang nur noch das bivalente Modell Naturalpower im Programm. Dessen Tanks fassen 164 Liter Erdgas und 38 Liter Superbenzin.

Eine andere Strategie verfolgt Opel. Die monovalenten Astra und Zafira sind auf Erdgasbetrieb optimiert und bieten 110 Liter Erdgas in Unterflurtanks. Als Reservekanister dient ein kleiner Benzintank mit 14 Liter Volumen. Auch die drei Bi-Fuel-Modelle von Volvo haben über 100 Liter Gas an Bord, aber nur relativ bescheidene 29 Liter Benzin. Das kleinere Benzinfass ermöglicht auch hier die Unterflurmontage der Drucktanks für das Erdgas.

Bivalente Autos, bei denen der Originalbenzintank erhalten bleibt – das gilt auch für die nachträgliche Umrüstung –, büßen neben der Reserveradmulde meist noch einen Teil des Kofferraums ein. Das fällt beim E-Mercedes freilich weniger ins Gewicht als beim Fiat Punto. Dafür ist der kleine Italiener eine besonders preiswerte Art, ein Gasauto zu fahren, während der noble Benz das Dreifache kostet. Jedenfalls zeigt die Modellauswahl in der Tabelle, dass es Erdgasautos für alle Anforderungen gibt. Limousine, Kombi oder Van, Kleinwagen, Kompakt-, Mittel- oder Oberklasse – alles ist möglich.

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