Erdbeer-Magerjogurt Test

Das Testergebnis der 16 Erdbeer-Magerjogurts fällt dürftig aus: Kein einziger ist „gut“. Der Geschmack hat wenig mit Erdbeeren zu tun und man spart auch kaum Kalorien.

Die Werbung hat sie zu großen Namen gemacht: Jogurts von Weihenstephan, Ehrmann Almighurt, Müller Froop, Danone, Campina Optiwell, Der große Bauer. Doch im Test überzeugt ihr Auftritt nicht. Mit einem „guten“ test-Qualitätsurteil kann sich keiner von ihnen schmücken, ebenso wenig wie die anderen untersuchten Erdbeer-Ma­ger­jogurts. Zott Jogolé enttäuscht zusammen mit Rewe Erlenhof am meisten: Beide sind „mangelhaft“. Insgesamt hält die ge­schmacks­­in­ten­sive „Industrieware“ dem Vergleich mit einem Mix aus Naturjogurt und frischen Erdbeeren nicht stand.

Dabei ist Erdbeerjogurt der beliebteste Fruchtjogurt: Jeder fünfte, der über den Ladentisch geht, hat Erd­beer­ge­schmack. Viele greifen zur fettre­du­zierten Variante. Sie verspricht viel Geschmack, aber kaum Kalorien. Doch denkste. Auch bei den Kalorien gaukeln die Magerjo­gurts etwas vor: Sie enthalten nicht wesentlich weniger Kalorien als normal fette.

Mit viel Glück eine Erdbeere

Erdbeer-Magerjogurt Test

Nicht vom Feld, sondern aus dem Labor: Den Erdbeergeschmack macht heute der Chemiker.

In einem Erdbeerjogurt erwartet der Käufer Fruchtstückchen von Erdbeeren. Er findet auch einige. Wie viel – darüber sagt das Etikett wenig: Steht „Fruchtjogurt“ oder „Jogurt mit Früchten“ drauf, sollten mindestens sechs Prozent Früchte drin sein. Bei „Jogurt mit Fruchtzubereitung“ reichen 3,5 Prozent. Steht auf dem Becher „mit Fruchtgeschmack“, darf es sogar noch weniger sein.

Der höchste Erdbeeranteil lag laut Etikett bei 11 Prozent. Demnach stecken in einem 150-Gramm-Jogurt mit viel Glück also 16,5 Gramm Frucht. Das entspricht etwa dem Gewicht einer Erdbeere. Übrigens: Eine wissenschaftliche Methode, die den Fruchtanteil im Jogurt exakt analysiert, gibt es noch nicht.

Viel Zucker, wenig Frucht

Erdbeer-Magerjogurt Test

Herstellen: Naturjogurt reift in Brütungstanks mithilfe von Milch­säure­­­­bak­terien.

Die Erdbeeren allein geben dem Erdbeerjogurt jedenfalls nicht seinen Geschmack. Das Ergebnis unserer Analyse lautet: In keinem Fall stammten die Aromen ausschließlich aus Früchten. 13 der 16 Erdbeerjogurts im Test wurden mit naturidentischen Aromen aufgepeppt. Diese Geschmacksstoffe stammen aus dem Labor und sind in der Struktur „Nachbauten“ der natürlichen Erdbeer­aromen.

Die übrigen Jogurts enthielten natürliche Aromen. „Natürlich“ heißt aber nicht, dass das Aroma aus Erdbeeren stammen muss. Die Aromenverordnung ist in dieser Hinsicht dehnbar, dort ist zum Beispiel von Stoffen die Rede, die durch „enzymatische oder mikrobiologische Verfahren aus Ausgangsstoffen pflanzlicher oder tierischer Herkunft ... aufbereitet werden“. Im Klartext: Bakterien, Schimmelpilze oder andere Mikroorganismen können den Geschmacksstoff produzieren. Auch aus den viel zitierten Sägespänen ließe sich ein Erdbeeraroma gewinnen. Woher es wirklich stammt, muss jedenfalls nicht auf dem Etikett stehen, die Angabe „Aroma“ genügt. Insgesamt haben wir rund 25 Aromastoffe in den unterschiedlichsten Mengen und Kombinationen gefunden.

Woraus die Fruchtzubereitung sonst noch besteht, musste bis vor kurzem nur dann deklariert werden, wenn der Anteil 25 Prozent übersteigt. Bis November 2005 gilt noch eine Übergangsfrist. Danach müssen alle Zutaten aufgeführt werden. Bis jetzt kann der Verbraucher aber nicht nachvollziehen, wie viel Zucker, Verdi­ckungs­mittel oder Konservierungsstoffe tatsächlich im Jogurt landen. Besonders kritisch ist der hohe Gesamtzuckeranteil: Im Test lag er bei bis zu 15 Prozent, Milchzucker eingeschlossen. Wenn über die Fruchtzu­bereitung geringe Mengen Konservierungsstoffe wie Sorbinsäure in den Jogurt gelangen, sollte das eigentlich schon jetzt auf dem Etikett stehen. Beim Danone-Jogurt war das nicht der Fall. Wir konnten geringe Mengen Sorbinsäure nachweisen, obwohl das Etikett „ohne Konservierungsstoffe“ versprach.

Mehr als 300 Aromakomponenten

Erdbeer-Magerjogurt Test

Essen: Knapp 16 Kilogramm Jogurt verspeist jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Am liebsten Erdbeer-Jogurt.

Den verführerischen Duft einer reifen Erdbeere kennt jeder. Mehr als 300 einzelne Aromakomponenten sind bisher bekannt. Ihre Komposition macht den speziellen Duft und Geschmack der Frucht aus. Industriell wird diese Struktur meist nur andeutungsweise und offenbar auch sehr beliebig nachgebaut, wie sich in unserem Test zeigte.

Wie etwas schmeckt, entscheiden Zunge und Nase. Rund 2 000 Geschmacks-knospen nehmen wahr, ob das Essen süß, salzig, bitter, sauer oder „umami“ (das ist der Geschmack von Glutamat) schmeckt. Vorher registrieren Riechzellen das Aroma. Der Duft entscheidet mit, ob der Jogurt nach Erdbeere schmeckt oder nicht.

Für eine Fruchtzubereitung reichen meist schon etwa zehn so genannte Leit-aromen aus, um im Jogurt den ungefähren Eindruck von Erdbeeren zu erwecken. Sie werden offenbar großzügig eingesetzt, denn der Geschmack ist im Vergleich zu Erdbeeren oft viel intensiver.

100fach überdosiert, bonbonartig

Bei vielen Jogurts schien es, als seien die Aromakomponenten kunterbunt und beliebig zusammengemixt worden. In sechs Fällen waren einzelne Geschmackskomponenten im Vergleich zu einem Joghurt mit zehn Prozent frischen Erdbeeren sogar bis zu 100fach überdosiert, zum Beispiel bei den Erdbeer-Magerjogurts von Aldi/Nord, Aldi/Süd und Müller Froop. Unsere Sensorikexperten beschrieben ihren Geschmack unter anderem als „bonbonartig“. Acht weitere Jogurts waren immerhin noch zehnfach überdo­siert, einer fünffach.

Erdbeerfremder Aromastoff

Nur der Zott Jogolé enthielt naturidentische Aromen, deren Gehalt mit dem natürlichen der Erdbeere vergleichbar war. Allerdings fanden wir darin Allylhexanoat, ebenso im Jogurt von Rewe Erlenhof. Allylhexanoat ist ein Aromastoff, jedoch kein Bestandteil des Erdbeeraromas. Die Mengen, die wir gefunden haben, sind gesundheitlich zwar unkritisch, gehören jedoch als erdbeerfremde Substanz nach unserer Ansicht nicht in einen Erdbeerjogurt. Urteil für die Aromaqualität und damit das test-Qualitätsurteil deshalb: „mangelhaft“.

Mit dem Ergebnis konfrontiert, erhielten wir von Rewe die Antwort, beim Hersteller sei ausdrücklich eine Fruchtzubereitung ohne Allylhexanoat bestellt worden. Die meisten Jogurt-Hersteller füllen eine fertige Fruchtzubereitung ein. Sie wird speziell für ihren Jogurt aus Früchten, Aromen und anderen Bestandteilen zusammengestellt, damit das Produkt unverwechselbar ist.

Kaum Fett, trotzdem viele Kalorien

Magerer Naturjogurt wird aus entrahmter Milch gemacht und enthält maximal 0,3 Prozent Fett. 100 Gramm davon kommen auf 38 Kilokalorien. Ein Vollmilchjogurt mit 3,5 Prozent Fett hat fast das Doppelte: rund 66 Kilokalorien. Wer Magerjogurt isst, schont also die Fettpolster. Allerdings gilt das nicht für mageren Fruchtjogurt. Denn wo an Fett gespart wird und wo es trotzdem süß schmecken soll, muss mehr Zucker oder Süßungsmittel rein. Wie schon erwähnt, fanden wir im Test bis zu 15 Gramm Gesamtzucker pro 100 Gramm Jogurt. Und der treibt die Kalorien in die Höhe. Bis zu 85 Kilokalorien hatten die mageren Erdbeerjogurts. Das ist nicht sehr viel weniger als ein vollfetter Fruchtjoghurt mit rund 100 Kilokalorien je 100 Gramm, aber auf jeden Fall mehr als bei einem vollfetten Naturjogurt.

Auch Traubenzucker ist da keine wirkliche Alternative. Im Gegenteil: Er hat einen hohen glykämischen Index und regt die Bauchspeicheldrüse zur Insulinausschüttung an. Was folgt, ist Lust auf mehr.

Zum Abnehmen nicht geeignet

Wegen der üppigen Kalorienzahl eignen sich magere Fruchtjogurts nicht zum Abnehmen. Genau das aber suggeriert zum Beispiel Weideglück wellness family: „Ideal für alle, die Wert auf geistige und körperliche Fitness legen und ihr Gewicht unter Kontrolle halten wollen“, heißt es auf dem Etikett. Tatsächlich enthalten 100 Gramm 75 Kilokalorien – ungefähr so viel wie die anderen Fruchtjoghurts im Test.

Süßstoffe satt in Diätjogurts

Mit den drei Diätjogurts im Test lassen sich dagegen wirklich Kalorien sparen. Sie enthalten Süßstoffe. Ihr Zuckeran­teil ist nur halb so hoch wie bei den herkömmlichen Magerjogurts und die Kalorienzahl entsprechend geringer. Allerdings hatten sie geschmackliche Mängel und waren oft sehr süß. Campina Optiwell schmeckte aromatisiert, die Erdbeere war kaum erkennbar. Auch Netto Marken-Discount schnitt nur „befriedigend“ ab: Die Prüfer beschrieben eine bonbonartige Note. Der große Bauer schmeckte sogar käsig. Verantwortlich dafür ist ein Aromastoff, der sich zu zersetzen begann. Die Erdbeere war geschmacklich nicht erkennbar.

Falsche Versprechungen

Ohne Zweifel ist Jogurt gesund. Er liefert vor allem Kalzium, aber auch Vitamine. Einer Studie japanischer Wissenschaftler zufolge könnte er sogar gegen Mundge­ruch helfen. Aber die Aussage auf dem Weideglück-Jogurt, er enthalte „alle wichtigen Vitamine und Vitalstoffe“, ist übertrieben. Und der Hinweis auf die regelmäßige amtliche Qualitätskontrolle ist Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Note für die Deklaration: „mangelhaft“.

Für Verwirrung sorgt die Verpackung des Plus-Erdbeerjogurts. Der Yoganic-Becher ist gleich mit vier Fruchtsorten bedruckt und auch die Deklaration bezieht sich nicht allein auf Erdbeer-Jogurt. Nur auf dem Deckel prangt eine Erdbeere mit der Aufschrift „Strawberry“.

Mikrobiologie in Ordnung

Wenig zu meckern gab es dagegen bei der Mikrobiologie. Krank machende Keime fanden wir nicht, Schimmel und Hefen waren kein Thema. Für die Mikrobiologie gab es nur „gute“ und „sehr gute“ Noten. Nur die Anzahl der lebenden Milchsäurebakterien entschied, welcher Jogurt besser als „gut“ war. Lebende Bakterien waren in allen Produkten vorhanden.

Industrie versus Natur

Fazit: Der Geschmack der Jogurts erinnerte allenfalls an Erdbeeren. Kein einziger schmeckte wie ein Naturjogurt mit rund zehn Prozent Früchten. Unsere Experten gestanden ihnen allenfalls das Attribut „erdbeerähnlich“ zu. Mehr war nicht erkennbar. Typische „Industrieware“ eben. Erst bestimmte Aromenkompo­sitionen ermöglichen, dass der Jogurt immer gleich schmeckt. Fällt die Ernte anders aus als im vergangenen Jahr, können die Geschmacksstoffe diesen Unterschied ausgleichen. Und nicht zu vergessen: Sie sind viel billiger als große Mengen Erdbeeren, mit denen Jogurt sonst produziert werden müsste.

Das Zuviel an einzelnen Geschmacksgebern prägt die Sinne und damit auch künftige Erwartungen. Wer von Kindesbeinen an mit solchen aromaintensiven Produkten konfrontiert wird, kennt kaum noch den ursprünglichen Geschmack. Und will mehr Labor-Aromen, die vor allem in Süßigkeiten stecken.

Der falsche geschmackliche Erdbeereindruck geht manchmal mit einer viel zu intensiven Farbe einher, die selten aus der Erdbeere stammt. Sieben Jogurts waren überfärbt. Auch einige mit großen Namen haben zu dick aufgetragen.

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