Den eigenen Sohn mit einem schnellen Auto zu einem Erbverzicht zu ködern, ist sittenwid­rig. Einen groben Verstoß gegen das Anstands­gefühl warf das Ober­landes­gericht Hamm einem geschiedenen Vater vor. Er habe die jugend­liche Unerfahrenheit gezielt ausgenutzt. Sein Sohn war bei der Mutter aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren Schul­probleme hatte, lotste der Vater – Zahn­arzt und Mitinhaber eines Dental­labors – ihn zu sich. Er sollte im Labor eine Ausbildung beginnen. Gleich­zeitig kaufte er einen 320 km/h schnellen Sport­wagen für 100 000 Euro und versprach ihn dem Sohn als Geschenk. Zwei Tage nach dem 18. Geburts­tag brachte er ihn zum Notar, um dies offiziell zu machen. Der Junge unter­schrieb, auf sein ganzes Erbe zu verzichten, um den Wagen zu erhalten – das aber erst sieben Jahre später und nur, wenn er die Meister­prüfung mit der Bestnote bestehen würde. Das hielt das Gericht für viel zu nach­teilig. Der Wert­verlust des Autos sei hoch. Dem Sohn müsse Spielraum bleiben, sich beruflich umzu­orientieren. Der Vater habe nur an sich gedacht und die Auto­begeisterung des Jungen ausgenutzt. Der Erbverzicht war unwirk­sam (Az. I-10 U 36/15).

Tipp: Wie Sie mit einem klug formulierten Testament sich und andere absichern und Konflikte unter Ihren Lieben vermeiden, verrät unser Special Testament.

Dieser Artikel ist hilfreich. 8 Nutzer finden das hilfreich.