Die Steuerklassen für Erbschaften können auch auf Umwegen zum Zuge kommen. Das hat der Bundesfinanzhof jetzt einem Kläger bescheinigt, der vorab auf das Erbe der Mutter verzichtete und dafür Geld von seinem Bruder erhielt. Zuvor hatte die Mutter diesem ihren gesamten Grundbesitz übertragen.

Beide Brüder schlossen anschließend einen notariellen Vertrag gemäß Paragraph 12 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Darin verzichtete der eine auf seinen Pflichtteil am Erbe und der andere sagte die Zahlung von 260.000 Mark zu. Dieses Geld wollte das Finanzamt wie eine Schenkung zwischen Geschwistern versteuern. Der Bundesfinanzhof entschied jedoch, dass der Bruder das Geld so versteuern muss, als hätte er es von der Mutter geerbt.

Derzeit haben Söhne bei Erbschaften Anspruch auf Steuerklasse I und bekommen einen Freibetrag von 400.000 Mark. Somit wären für die erhaltenen 260.000 Mark gar keine Steuern fällig. Bei Steuerklasse II, die bei Geschwistern zum Zuge kommt, könnte der aufs Erbe verzichtende Bruder dagegen nur 20.000 Mark als Freibetrag abziehen. Für die restlichen 240.000 Mark würde das Finanzamt rund 41.000 Mark (= 17 Prozent) Steuern kassieren (BFH, Az. II R 22/98).

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