Die neuen Regeln im Erbrecht ab 1. Januar 2010 greifen vor allem, wenn mehrere Erben Ansprüche haben.

Pflege. Angehörige, die den Verstorbenen gepflegt haben, bekommen dafür einen Ausgleich. Beispiel: Eine Witwe hinterlässt Sohn und Tochter 100 000 Euro. Ohne Testament bekam bisher jeder die Hälfte. Hat die Tochter ihre Mutter gepflegt und wird das mit 10 000 Euro bewertet, erhält sie nun 10 000 Euro vorab. Der Rest des Erbes wird geteilt. Pflegende Schwiegertöchter und -söhne erhalten nichts extra.

Pflichtteil. Änderungen gibt es auch beim Pflichtteil. Er steht nahen Angehörigen wie Kindern zu, auch wenn der Verstorbene sie nicht berücksichtigen wollte. Ein Entzug des Pflichtteils ist jetzt nur noch möglich, wenn der Angehörige eine mindestens einjährige Gefängnisstrafe ohne Bewährung absitzen musste. Zuvor reichte ein „unsittlicher Lebenswandel“ für den Ausschluss.

Schenkungen. Bislang galt: Bis zu zehn Jahre nach einer Schenkung war ihr Wert für den Pflichtteil voll zu berücksichtigten, danach nicht mehr. Nun zählen nur noch Schenkungen aus dem Jahr vor dem Erbfall voll. Liegen sie zwei Jahre zurück, zählen 90 Prozent, bei drei Jahren 80 Prozent und so weiter.

Eigenheim. Erben eines Eigenheims sind jetzt nicht mehr so häufig gezwungen, die Immobilie zu verkaufen, um Pflichtteilsansprüche Dritter zu erfüllen. Die Erben können sie auf später vertrösten, wenn der Verkauf eine „unbillige Härte“ bedeuten würde. Zuvor galt eine strengere Regel. Der Verkauf durfte nur unterbleiben, wenn er Erben „ungewöhnlich hart“ getroffen hätte.

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