Erbschaft ausschlagen

So werden Sie eine über­schuldete Erbschaft los

Wenn Sie wissen, dass der Nach­lass über­schuldet ist, schlagen Sie das Erbe am besten recht­zeitig aus. Dafür brauchen Sie Ihren Personal­ausweis und 30 Euro für die Kosten, die bei Gericht entstehen.

Inhalt
  1. Überblick
  2. Zum Anwalt
  3. So werden Sie eine überschuldete Erbschaft los. Anleitung in vier Schritten
  4. Artikel als PDF (4 Seiten)

Schritt 1

Fürs Ausschlagen haben Sie sechs Wochen Zeit. Die Frist beginnt, wenn der Erbfall einge­treten ist und Sie wissen, dass Sie Erbe sind. Es gilt: Wer das Verwandt­schafts­verhältnis kennt, weiß um sein gesetzliches Erbrecht. Sie werden also meist nicht extra benach­richtigt. Lebte der Verstorbene im Ausland oder halten Sie sich als Erbe außer­halb von Deutsch­land auf, verlängert sich die Frist auf sechs Monate.

Schritt 2

Sie können wählen, ob Sie sich an das Nach­lass­gericht am Wohn­sitz des Verstorbenen oder an das am eigenen Wohn­sitz wenden. Beide sind für die Ausschlagung zuständig. Das Gericht am eigenen Wohn­sitz aufzusuchen, ist meist einfacher. Nach­lass­gerichte sind bei den Amts­gerichten angesiedelt. Im Internet können Sie heraus­finden, welches Gericht für Sie zuständig ist, zum Beispiel mithilfe Ihrer Post­leitzahl auf der Internetseite Justiz.de. Sie können auch beim Notar erklären, dass Sie ausschlagen möchten. Der Notar leitet die Erklärung ans zuständige Nach­lass­gericht weiter.

Schritt 3

Gehen Sie zum Nach­lass­gericht oder Notar und denken Sie an ihren Ausweis. Das Ausschlagen kostet Geld: Beim über­schuldeten Nach­lass sind es 30 Euro. Beim Notar kommen Bearbeitungs­pauschalen und Mehr­wert­steuer hinzu.

Schritt 4

Informieren Sie Ihre Verwandten, wenn Sie das Erbe ausgeschlagen haben. Denn wenn Sie ablehnen, fällt die Erbschaft dem Nächsten in der gesetzlichen Erbfolge zu. Auch ihm bleiben sechs Wochen, um die Schulden loszuwerden. Die Frist beginnt, wenn Ihr Verwandter Post vom Nach­lass­gericht bekommt. Wer minderjäh­rige Kinder hat, muss auch für diese ausschlagen. Das ist sogar für ungeborene Kinder möglich. In einem Erbfall gelten sie rein recht­lich als „bereits geboren“.

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