Die Bewertung von Erbschaften und Schenkungen steht jetzt beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe auf dem Prüfstand. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat das seit 1996 gültige Steuergesetz für Erbschaften und Schenkungen den Verfassungsrichtern zur Prüfung vorgelegt. Sie sollen klären, ob die unterschiedlichen Wertansätze für verschiedene Vermögensarten bei der ­Berechnung der Erbschaft- und Schenkungsteuer verfassungswidrig sind.

Davon geht der BFH aus, weil vor allem die Bewertung von ­bebauten Grundstücken, Firmenanteilen, Betriebs-, Land- und Forstwirtschaftsvermögen besonders günstig ist. Nachkommen, die Kapitalvermögen als Geschenk oder Erbe bekommen, schneiden beim Finanzamt viel schlechter ab.

So kann es passieren, dass eine Tochter für die vom Vater geerbte Stadtvilla mit 2 Millionen Euro Verkehrswert nur 174 800 Euro Steuern zahlt. Der Sohn, der ein 2 Millionen Euro schweres ­Aktiendepot bekommt, muss dagegen 341 050 Euro Steuern hinlegen. Zwar bekommen beide den Freibetrag von 205 000 Euro. Das Aktiendepot setzt das Finanzamt aber mit dem Kurswert an. Von der Immobilie zählen dagegen nur 60 Prozent des Verkehrswerts.

Familien, die von der günstigen Bewertung einzelner Vermögensarten noch profitieren wollen, sollten ihr Hab und Gut möglichst bald übertragen. Hoffen sie dagegen, dass vom Kapitalvermögen künftig weniger steuerpflichtig ist, sollten sie den Ausgang des Verfassungsstreits abwarten.

Wer bereits Kapital geerbt oder geschenkt bekommen hat, bekommt gegebenenfalls rückwirkend Nachschlag. Steuerbescheide für Erbschaften und Schenkungen werden schon länger nur noch vorläufig erteilt.

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