Wer Angehörige pflegt, soll auch erben. Mit der Reform des Erbrechts, die Mitte des Jahres in Kraft treten soll, erhalten Ange­hörige, die den Verstorbenen gepflegt haben, Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich.

Beispiel: 100 000 Euro sind an den Sohn und die Tochter zu vererben. Die Tochter hat Pflegeleistungen für rund 20 000 Euro erbracht. Nach der Reform erhält sie nicht wie bisher das halbe Erbe, also 50 000 Euro, sondern vorab 20 000 Euro und vom Rest die Hälfte, insgesamt also 60 000 Euro.

Pflichtteil: Ein anderer Reformpunkt betrifft den Pflichtteil. Das ist der Erbanteil, den das Gesetz Angehörigen auf jeden Fall zuspricht, selbst wenn der Verstorbene sie enterben wollte. Diesen gesetzlichen Pflichtteil konnte er ihnen aber bisher entziehen, wenn sie einen „ehrlosen und unsittlichen Lebenswandel“ führten. Dieser juristisch kaum fassbare Grund soll entfallen. Stattdessen soll künftig eine Verurteilung ab einem Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung Bedingung sein.

Ein weiterer Grund für eine Pflichtteilsentziehung ist bisher, dass der Angehörige dem Erblasser nach dem Leben getrachtet hat. Dabei bleibt es, nur gilt das künftig auch, wenn er seinem Ehegat­ten, Lebenspartner oder den Kindern nach dem Leben trachtete.

Schenkung: In den Pflichtteil fließen auch Schenkungen aus den letzten zehn Jahren ein. Mit der Reform gilt das in voller Höhe nur bei Schenkungen im ersten Jahr vorm Erbfall, im zweiten Jahr zu 90 Prozent, im dritten Jahr zu 80 Prozent und so weiter.

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