Crashkurs Erbrecht

Das deutsche Erbrecht ist komplex. Welche Begriffe Sie kennen sollten.

Erbschaft

Nach dem Tod eines Menschen treten dessen Erben recht­lich an seine Stelle. Auf sie geht nicht nur das gesamte Vermögen über; auch die Verbindlich­keiten des Verstorbenen werden zu ihren (Gesamt­rechts­nach­folge). Erben erhalten also einer­seits Rechte, können etwa Miete für Immobilien verlangen, sie müssen aber auch Schulden bedienen oder Steuern nach­zahlen. Wer das nicht will, kann die Erbschaft binnen sechs Wochen ab Kennt­nis des Erbfalls ausschlagen.

Gesetzliche Erbfolge

Hat der Verstorbene keine speziellen Anordnungen getroffen, greift die gesetzliche Erbfolge. Danach erben Eheleute/Verpart­nerte und Verwandte des Verstorbenen in einer bestimmten Rang­folge. An erster Stelle stehen Kinder, Enkel oder Urenkel, dann folgen Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen. Stets erbberechtigt sind zudem Ehegatten und einge­tragene Lebens­partner des Verstorbenen. Stief­kinder bleiben bei der gesetzlichen Erbfolge außen vor, ebenso unver­heiratete Partner. Mehrere Erben bilden eine Erben­gemeinschaft. Sie kümmern sich zusammen um den Nach­lass und müssen Entscheidungen stets gemein­sam treffen. Gibt es weder gesetzliche Erben noch einen letzten Willen, der den Nach­lass regelt, fällt das Vermögen an den Staat.

Testament

Wer von der gesetzlichen Erbfolge abweichen will, muss ein Testament aufsetzen. Darin kann er – nach eigenem Gutdünken – Personen oder Firmen bedenken, beispiels­weise das eigene Familien­unternehmen, oder wohl­tätige Organisationen. Wichtig: Testamente sind an strenge Form­vorschriften gebunden. Wer nicht zum Notar gehen will, muss seinen letzten Willen von Anfang bis Ende per Hand schreiben, mit vollem Namen signieren und Ort und Datum der Errichtung fest­halten. Wichtig ist zudem, dass das Dokument eindeutige und klare Verfügungen enthält – sonst ist Streit programmiert.

Widerruf

Testamente lassen sich, mit wenigen Ausnahmen, durch ein neues Testament widerrufen oder ändern. Zerstören Sie in diesem Fall das ältere Schrift­stück! Bewahren Sie Ihr Testament sicher auf, jedoch so, dass eine Person Ihres Vertrauens es nach Ihrem Tod schnell finden kann. Sie können Ihr Testament auch beim nächsten Amts­gericht hinterlegen und im zentralen Testaments­register bei der Notariats­kammer in Berlin registrieren lassen.

Ehegattentestament

Verheiratete oder verpart­nerte Paare können ein gemeinschaftliches Testament verfassen. Beide Partner müssen es eigenhändig unter­schreiben. Ein Klassiker ist das „Berliner Testament“. Dabei erbt der längerlebende Partner zunächst alles. Nach dem Tod des zweiten Part­ners kommen dann die Kinder oder andere Schlusserben zum Zug – zum Beispiel eine gemeinnützige Organisation. Der Nachteil des Berliner Testaments: Wenn der eine Partner verstorben ist, kann der andere das Testament nur noch ändern oder ergänzen, wenn das Paar sich dies gegen­seitig im Testament erlaubt hat.

Pflicht­teil

Grund­sätzlich besteht in Deutsch­land Testierfreiheit. Das heißt: Jeder kann zum Erben bestimmen, wen er will. Ganz leer gehen die nächsten Verwandten aber selbst dann nicht aus, wenn sie im Testament nicht bedacht wurden. Das Gesetz spricht ihnen und den Ehepart­nern/einge­tragenen Lebens­part­nern einen Pflicht­teil zu. Sein Wert: die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Pflicht­teils­berechtigte sind keine Erben, sie können von ihnen aber die Auszahlung ihres Anteils in Geld verlangen.

Vermächt­nis

Erben bedeutet stets, neben den Rechten auch die Pflichten des Verstorbenen zu über­nehmen. Geht es nur darum, jemandem nach dem Tod eine bestimmte Summe oder einen bestimmten Gegen­stand zuzu­sichern, ist das Vermächt­nis das Mittel der Wahl. Vermächt­nisnehmer können das Zugesprochene von den Erben fordern. Diese müssen das Vermächt­nis erfüllen.

Testaments­voll­stre­cker

Wer sicher sein will, dass sein letzter Wille wirk­lich umge­setzt wird, kann einen Testaments­voll­stre­cker berufen. Er fungiert wie der verlängerte Arm des Erblassers und verteilt den Nach­lass wunsch­gemäß. Dafür kann er laut Gesetz eine „angemessene Vergütung“ verlangen.

Erbschaft­steuer

Von Erben, Pflicht­teils­berechtigten und Vermächt­nisnehmern kann das Finanz­amt Erbschaft­steuer verlangen. Ob und in welcher Höhe diese anfällt, hängt von der Höhe der Erbschaft und vom Verwandt­schafts­grad ab. Als Faust­regel gilt: Je näher der Erbe mit dem Verstorbenen verwandt ist, desto höher die Frei­beträge und so geringer die Steuer. Durch das geschickte Ausnutzen persönlicher Frei­beträge, etwa durch eine Schenkung zu Lebzeiten, lässt sich Erbschaft­steuer vermeiden oder vermindern.

Schenkung

Oft lohnt es sich, Vermögen schon zu Lebzeiten zu verteilen. Zwar fällt dann oft Schenkungs­steuer an, die genauso hoch ist wie die Erbschaft­steuer. Dafür lassen sich Frei­beträge mit diesem Instru­ment alle zehn Jahre neu ausschöpfen. Bei großen Vermögen spart das eine Menge Geld.

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