Arzneimittel­entwicklung: Zehn Jahre und Millionen Dollar

Etwa 30 000 Krankheiten sind heute bekannt, nur jede dritte lässt sich bisher mit Arznei behandeln.

Täglich werden in Labors und mit Computerprogrammen Tausende Stoffe auf ihre Wirksamkeit ge­checkt. Die Pharmaindustrie forscht vor allem bei chronischen Krankheiten: Diabetes, Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Rheuma- und Demenzerkrankungen sowie solchen des zentralen Nervensys­tems, bei Krebs und Psychophar­maka.

Weniger erforscht werden Impfstoffe und Diagnostika sowie Arzneimittel gegen seltene Krankheiten wie Chorea Huntington. Therapien für wenige Patienten werfen kaum Gewinne ab. Anreize zur Vermarktung solcher „Waisenarzneimittel“, so durch Befreiung von Zulassungsgebühren oder das Recht auf langjährigen Alleinvertrieb, sollen das Interesse an ihrer Erforschung erhöhen.

Die Entwicklung eines neuen Medikaments dauert heute etwa zehn bis zwölf Jahre. Über die Kosten gibt es unterschiedliche Angaben, je nachdem, ob Kosten für das Marketing oder die Fachinformationen den Forschungskosten zugerechnet werden. Die Pharmabranche spricht von 600 bis 800 Millionen Dollar pro Wirkstoff: Jeder zweite Dollar zählt dabei zu den „Opportunitätskosten“ – entgangenen Gewinnen, die man bei Investitionen in andere Projekte hätte erzielen können. Die US-Verbraucherorganisation Public Citizen veranschlagt die privaten Entwicklungskosten für einen neuen Wirkstoff dagegen auf maximal 110 Millionen Dollar.

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