Entschädigung bei Flugreisen Schnelltest

Keine Seltenheit: Flug­gäste stranden irgendwo wegen einer Flug­verspätung – und die Air­line hilft nicht.

Flug­linien müssen in vielen Fällen Entschädigung leisten, wenn ihre Flug­gäste das Ziel stark verspätet erreichen oder der Flug ganz ausfällt. Leider zahlen sie oft nicht freiwil­lig. Wer sich selbst die Auseinander­setzung mit der Fluggesell­schaft ersparen möchte, kann Dienst­leister wie Fairplane oder Flight­right damit beauftragen. Diese Flug­gast­portale bieten jetzt auch eine Sofortzahlung an – und kassieren im Gegen­zug hohe Abzüge.

Entschädigung für Flug­gäste

Wer sein Ziel um mehr als drei Stunden verspätet erreicht, kann Anspruch auf bis zu 600 Euro haben. Das gilt auch bei Flug­ausfall (siehe Special Fluggastrechte). Leider zahlen die Flug­linien oft nicht freiwil­lig. Inkasso­dienste wie Fairplane und Flight­right bieten Kunden Hilfe (Fluggasthelfer im Porträt). Notfalls klagen deren Anwälte gegen die Air­line. Die Kunden müssen nur ihre Flug­daten in eine Online-Maske eingeben – und dann warten, bis sich der Dienst gegen die Air­line durch­gesetzt hat. Von der Entschädigung muss der Kunde rund 30 Prozent abgeben. Bleibt die Inkasso­arbeit erfolg­los, entstehen dem Flug­gast keine Kosten.

Ungeduldige können jetzt sofort Geld bekommen...

Hat ein Passagier einen Flug­gast­helfer einge­schaltet, vergehen oft Monate, manchmal sogar ein Jahr, bis der Dienst seinen Anspruch gegen­über der Air­line durch­gesetzt und der zu Entschädigende die Entschädigungs­leistung auf seinem Konto hat. Dieses lange Warten frustriert viele. Darauf haben einige Flug­gast­helfer inzwischen reagiert und ein neues Angebot geschaffen: die Sofort­entschädigung. Der Dienst­leister kauft dem Flug­gast seinen Entschädigungs­anspruch gegen die Fluggesell­schaft ab. Der Kunde bekommt sofort Geld und kann die Sache gedank­lich sofort abhaken. Nachteil: Ihm werden in der Regel rund 40 Prozent von der Entschädigungs­summe abge­zogen, nicht wie sonst üblich rund 30 Prozent.

...wenn sie 40 Prozent Abzüge akzeptieren

Beispiel: Ein Kunde gibt auf der Internetseite von Flightright die Details seines Verspätungs­fluges ein. Flight­right prüft seinen Anspruch und kommt zu dem Ergebnis, dass ihm 600 Euro zustehen. Auf seinem Bild­schirm erscheinen zwei Angebote. Er kann nun wählen zwischen der (herkömm­lichen) Inkasso-Variante und der neuen Sofort­entschädigung.

  • Inkasso: Bei dieser Variante muss der Kunde monate­lang warten, bis Flight­right die Inkasso­arbeit erledigt und seinen Anspruch gegen­über der Air­line durch­gesetzt hat. Hat die Air­line die 600 Euro gezahlt, bekommt der Flug­gast 421,50 Euro. 178,50 Euro (29,75 Prozent der 600-Euro-Forderung) behält der Flug­gast­helfer als Provision für seine Arbeit ein.
  • Sofort­entschädigung: Unter dem Schlag­wort Flightright Now verspricht das Portal die Auszahlung einer Sofort­entschädigung in Höhe von 350,10 Euro. Flight­right kauft die Forderung des Kunden und behält 41,65 Prozent von den 600 Euro ein, auf die der Flug­gast Anspruch hat – das sind 249,90 Euro.

Über­weisung auf Paypal-Konto möglich

Entscheidet sich der Flug­gast für die Sofort­entschädigung, hat er das Geld inner­halb weniger Tage auf seinem Bank­konto. Flight­right bietet auch eine Über­weisung auf ein Paypal-Account des Reisenden an. Wählen Flug­gäste diese Auszahlungs­art, müssen sie allerdings einen kleinen Teil der Über­weisungs­summe an Paypal abgeben. Bei einer Über­weisung von 350 Euro sind das 7 Euro.

Wer bietet die Sofort­entschädigung an?

Wichtig: Der Flug­gast kann nicht in jedem Fall wählen, ob er die Inkasso-Variante nimmt oder lieber doch die Sofort­entschädigung. Flight­right & Co bieten diese Option nur ausgewählten Kunden an. Und zwar nach Einschät­zung von test.de nur solchen, bei denen die Dienste sicher sein können, die Forderung auch durch­setzen zu können. Flight­right, Fairplane und Wir Kaufen Deinen Flug bieten sowohl Inkasso als auch die Sofort­entschädigung an. Bei Euflight ist nur eine Sofortzahlung möglich. Compensation2go bezeichnete sich auf Anfrage von test.de als „Sofort­entschädiger“, bietet seinen Kunden aber in Ausnahme­fällen auch den Inkassoweg an, wenn der Anspruch des Flug­gastes nach Rechts­einschät­zung des Dienstes mit „erheblichen Risiken“ verbunden ist.

Über­sicht: Kostensätze bei Sofortzahlung und herkömm­lichem Inkasso

Anbieter

Von Entschädigung muss Kunde abgeben (Prozent)

Sofort­entschädigung

Herkömm­liches Inkasso

Fairplane (Express)

40,50

bis 29,40

Flight­right (Now)

41,65

29,75

Wir Kaufen Deinen Flug (Cash)

41,65

29,75

Euflight

41,65

---

Compensation2go

41,65

26,76

      Schlichtungs­stelle erste Anlauf­stelle für Flug­gäste

      Was die kommerziellen Flug­gast­helfer unerwähnt lassen: es gibt eine Möglich­keit für verärgerte Flug­gäste, 100 Prozent der ihnen zustehenden Entschädigung zu bekommen. Dieser Weg führt über die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (Söp) in Berlin. Wer von der Fluggesell­schaft abge­wimmelt wird, kann bei der Söp einen Schlichtungsantrag stellen. Alle deutschen Air­lines und viele ausländische Flug­linien sind mitt­lerweile bereit, an einem Schlichtungs­verfahren bei der Söp teil­zunehmen. Ziel der Söp ist es, inner­halb von 90 Tagen nach Eingang einer Verbraucher­beschwerde zu einem Schlichtungs­ergebnis zu kommen.

      Hohe Erfolgs­quote bei Schlichtung

      Im Jahr 2016 reichten 10 645 Flugreisende einen Schlichtungs­antrag ein, heißt es im Jahresbericht 2016. Grund der Beschwerde war in den allermeisten Fällen eine Verspätung oder Flugannullierung. In 76,7 Prozent der durch­geführten Schlichtungs­verfahren einigten sich Verbraucher und Air­line. Damit ist die Schlichtungs­bereitschaft der Air­lines zwar gegen­über 2015 um 14 Prozent­punkte zurück­gegangen. Für Verbraucher ist es aber dennoch empfehlens­wert, die Schlichtungs­stelle einzuschalten: Es ist durch­aus möglich, auf diesem Wege die volle Entschädigungs­summe ohne Abzüge zu bekommen. Das legen Rück­meldungen von Flug­gästen nahe, die sich an die Söp gewandt und test.de davon berichtet haben. Selbst wenn die Air­line im Rahmen der Schlichtung nur 80 Prozent der Forderung anbietet, ist das immer noch mehr als die Flug­gast­helfer aktuell zahlen. Dort bekommen Verbraucher im Erfolgs­fall bestenfalls rund 73 Prozent der eigentlichen Entschädigungs­summe (siehe Tabelle).

      Schlichtung für Verbraucher kostenfrei

      Ein Risiko gehen Flug­gäste dabei nicht ein. Niemand muss den Schlichtungs­vorschlag der Söp annehmen. Das Verfahren ist für Verbraucher kostenfrei. Und Zeit­druck gibt es auch nicht. Denn für die Dauer des Verfahrens ist die Verjährung des Anspruch auf Entschädigung gehemmt. Grund­sätzlich haben Reisende nach Ablauf des Jahres, in dem der Verspätungs­flug statt­fand, drei Jahre Zeit, um ihre Ansprüche geltend zu machen.

      Muster­schreiben zum Einfordern der Entschädigung

      Der Weg zur Entschädigung über die Schlichtungs­stelle steht Verbrauchern allerdings nur dann frei, wenn sie die Air­line zuvor selbst ange­schrieben und zur Zahlung aufgefordert haben. Erst wenn dieser Versuch ergeb­nislos geblieben ist, nimmt die Söp eine Beschwerde an. Ein Musterschreiben für Ansprüche wegen Verspätung und Annullierung bietet der ADAC an. Wem das schon zuviel Arbeit ist, der ist bei den Flug­gast­helfern tatsäch­lich an der richtigen Adresse. Denn dort müssen Flug­gäste nur ihre Flug­daten eingeben. Den gesamten Papierkram erledigt anschließend der Inkasso­dienst.

      Fazit: Lieber warten und die Schlichtung versuchen

      Bietet ein Flug­gast­helfer einem Reisenden den Ankauf seiner Flug­gast­rechte gegen eine Sofortzahlung an, ist die Wahr­scheinlich­keit hoch, dass die Fluggesell­schaft 100 Prozent Entschädigung an den Reisenden zu zahlen hat. Wer Geduld hat, beauftragt die Portale daher besser auf herkömm­liche Art mit dem Inkasso­verfahren – dann müssen Flugreisende zwar länger auf ihr Geld warten, haben aber weniger Abzüge. Unser Rat: Schreiben Sie die Air­line erst einmal selbst an und schalten anschließend die Schlichtungs­stelle für den öffent­lichen Personen­verkehr ein. Dann winken 100 Prozent.

      Dieser Schnell­test ist erst­mals am 16. April 2017 auf test.de erschienen. Er wurde mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 20. Juni 2017.

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