Die preis­werten Volks­hoch­schulen bieten keinen schlechteren Unter­richt als teure Sprach­schulen. Test­verlierer ist der 2 000-Euro-Kurs von Wall Street English.

Außergewöhnlich schnell und einfach die eng­lische Sprache“ lernen mit einer Methode, die „inno­vativ“ und „unter­halt­sam“ ist. Das klingt gut. „Bei uns lernen Sie Eng­lisch – und zwar richtig!“, verspricht Wall Street English, früher Wall Street Institute, auf seiner Webseite. Die Sprach­schule mit 450 Stand­orten welt­weit, davon 26 in Deutsch­land, kombiniert traditionellen Unter­richt in der Gruppe beim Lehrer mit E-Learning, Selbst­lernen am Computer.

Test­personen mit fort­geschrittenen Eng­lisch­kennt­nissen haben zwölf Kurse inkognito für uns besucht – davon vier bei kommerziellen Sprach­schulen und acht bei Volks­hoch­schulen. Rund 2 000 Euro kosteten die dreimonatigen Lernpakete bei Wall Street English, dem teuersten Eng­lisch­kurs im Test und dem schwächsten.

Da sind herkömm­liche Kurse die bessere Alternative, auch wenn die kommerziellen Sprach­schulen und die Volks­hoch­schulen im Test viel Mittel­maß offen­barten. Interes­sant ist vor allem eins: Die güns­tigen Volks­hoch­schulen, häufig belächelt, stehen den teuren Sprach­schulen in nichts nach. Der größte Unterschied ist der Preis.

Stupides Wieder­holen von Vokabeln

Beim wichtigsten Prüf­punkt, der Kurs­durch­führung, schneidet das teure Wall Street English nur ausreichend ab. Das Unternehmen setzt auf Masse statt Klasse beim E-Learning. Statt vielfältiger Aufgaben­stel­lungen – damit es nicht lang­weilig wird – Unmengen eintöniger Übungen, Lücken­texte etwa, bei denen stupides Wieder­holen von Vokabeln und grammatischen Formen gefragt ist. Unter­halt­sam? Nein.

Die begleitenden Lehr­bücher sind von Grammatik dominiert und teil­weise veraltet. „E-Mail: the future of business communication“ heißt es da zum Beispiel in einer Über­schrift. Der Unter­richt trainierte immerhin das Sprechen passabel.

Allerdings durften unsere Tester zu den 60-minütigen Lektionen beim Lehrer erst antreten, wenn sie drei Übungs­einheiten am PC und drei im Lehr­buch absol­viert hatten. Das nahm etwa acht Stunden in Anspruch. Vor dem Vertrags­abschluss war von diesem Prozedere keine Rede. Hinzu kommt: Für die Buchung des Unterrichts gab es Fristen. „Wer die Frist verpasste, bekam unter Umständen in einer Woche gar keinen Unter­richt“, sagte eine Test­person. Alles in allem nicht zu empfehlen.

Bester Unter­richt im Test in Dresden

Die Volks­hoch­schule Dresden gestaltete den besten Unter­richt im Test. Als einziger Anbieter bot sie eine gute Kurs­durch­führung. Ein gutes Gesamt­urteil vermasselte sie sich durch deutliche Mängel in den Vertrags­bedingungen. Die drückten das Ergebnis um eine halbe Note nach unten.

Was die Volks­hoch­schule Dresden besser machte als andere? Ihr gelang ein ausgewogener Mix abwechs­lungs­reicher Übungen, die Sprechen, Lesen, Hörverstehen und Schreiben schulten, dazu ein über­zeugendes Grammatik- und Wort­schatz­training. So sollte guter Unter­richt aussehen.

Bei anderen lag der Fokus oft zu sehr auf Sprech­übungen. Kein Zweifel: Es ist gut, wenn die Teilnehmer oft zu Wort kommen, ob im Rollenspiel oder in Diskussionen. Hemmungen sind da schnell über­wunden. Den Schwer­punkt aber allein darauf zu legen, genügt nicht. Die Teilnehmer sollen Eng­lisch ja umfassend lernen.

Plauderei – ohne roten Faden

Extrem erlebte das ein Tester bei Inlingua. Der Unter­richt bestand fast nur aus Plauderei – ohne roten Faden. Die Lehr­kraft sorgte nicht einmal für abwechs­lungs­reiche Sprech­übungen. „Statt des Kurses hätte ich genauso gut einen eng­lischen Mutter­sprachler einmal pro Woche zum Essen einladen können“, sagte unsere Test­person. „Das wäre deutlich billiger gewesen und ich hätte genauso viel gelernt.“

Dabei hatte Inlingua, wie die anderen Sprach­schulen, eng­lisch­sprachige Mutter­sprachler als Lehrer verpflichtet. In dem Kurs lehrte eine Opern­sängerin aus den USA, die ihr Geld auch mit Eng­lisch­lektionen verdiente. Wichtiger als Unter­richt beim Mutter­sprachler ist, dass die Dozenten auch pädagogisch qualifiziert sind.

Für und wider Volks­hoch­schulen

Alle Volks­hoch­schulen im Test schneiden besser ab als die renommierten Sprach­schulen Berlitz und Inlingua. Nur Stevens English Training, eine Sprach­schule in Nord­rhein-West­falen, liegt im test-Qualitäts­urteil vor ihnen.

Volks­hoch­schul­kurse haben auch Nachteile. Der Unter­richt im Test fand in großen Gruppen von bis zu 20 Teilnehmern statt. Da sind Eng­lisch­lernende bei kommerziellen Sprach­schulen deutlich besser dran. Was bei den Volks­hoch­schulen ebenfalls aufs Lerntempo drücken kann, sind nicht ganz so ehrgeizige Mitschüler. Dort büffelt so mancher zum Vergnügen. Teilnehmer, die Eng­lisch für den Job lernen wollten, trafen die Tester eher bei den Sprach­schulen.

Nicht ohne Einstufung starten

Ob Volks­hoch­schule oder Sprach­schule – fort­geschrittene Eng­lisch­lernende sollten darauf achten, dass der Anbieter ihre Kennt­nisse vorab einstuft. Wer trotzdem in der falschen Gruppe landet, sollte auf einen Kurs­wechsel drängen. Programme für den PC oder Lernportale im Internet helfen zusätzlich, mit Eng­lisch voran­zukommen (www.test.de/thema/sprachen-lernen).

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