Anfang Januar 2019 hatte die Bayerische Energieversorgung (BEV) Insolvenz angemeldet und alle Lieferungen gestoppt. Jetzt ist das Insolvenz­verfahren eröffnet worden. Als Insolvenz­verwalter ist der Münchener Rechts­anwalt Axel W. Bierbach bestellt, der zuvor schon vorläufiger Insolvenz­verwalter war. Wer bei dem Versorger noch ein Guthaben hat, kann seine Ansprüche bis zum 10. Januar 2020 zur Insolvenz­tabelle anmelden. Allerdings ist nicht sicher, wie viel Geld die Gläubiger zurück­bekommen.

Endabrechnung genau prüfen

Derzeit erhalten ehemalige Kunden ihre Endabrechnung. Diese sollten sie gründlich prüfen: Sind alle gezahlten Abschläge aufgelistet? Ist der genannte Zählerstand korrekt? Was ist mit dem versprochenen Bonus? Bei Kunden, die mindestens ein Jahr lang durch­gängig beliefert wurden, muss der Neukundenbonus verrechnet werden.

Nach­forderung zahlen, Guthaben anmelden

Ergibt sich aus der Schluss­rechnung eine Nach­forderung der BEV, müssen Kunden sie bezahlen. Guthaben zahlt die BEV nicht mehr aus, sie gehören zur Insolvenzmasse. Kunden, die Anspruch auf eine Rück­zahlung haben, können ihre Forderungen bis 10. Januar 2020 zur Insolvenz­tabelle anmelden. Sie erhalten dafür ein Aufforderungs­schreiben. Sie können auch nach dem 10. Januar 2020 noch Forderungen anmelden, dann wird allerdings eine Gerichts­gebühr in Höhe von 20 Euro fällig.

Verfahren kann Jahre dauern

Der Insolvenz­verwalter hat angekündigt, dass das Geld zwar reicht, um die Kosten des Verfahrens zu bezahlen, nicht aber alle Schulden („Masseun­zuläng­lich­keit“). Kunden müssen daher damit rechnen, nur einen Teil ihres Geldes zurück­zubekommen und das auch erst nach Ende des Insolvenz­verfahrens. Und das kann noch Jahre dauern.

Tipp: Informationen über den Stand des Insolvenz­verfahrens finden Sie auf der Seite bev-inso.de.

Anscheinend schon länger in Schieflage

Schon lange vor der Insolvenz verhielt sich die BEV nicht wie eine gesundes Unternehmen: Leser berichteten uns von Neukundenboni, die nur auf Nach­frage ausgezahlt wurden, von verspäteten Abrechnungen und drastischen Preis­erhöhungen. Zum Schluss versuchte BEV sogar, die Preise inner­halb einer vereinbarten Preis­garan­tiezeit zu erhöhen.

Riskante Geschäfts­strategie

Ein Blick in die letzte veröffent­lichte Bilanz der BEV für das Geschäfts­jahr 2016 zeigt, warum das Unternehmen in Schieflage geriet. Die BEV hat mehr als 10 Millionen Euro für Verkaufs­provisionen ausgegeben. Viel davon dürfte an Vergleichs­portale geflossen sein. Interes­sant ist auch, dass die BEV offensicht­lich nicht einkalkuliert hat, dass jedem Kunden, dem sie einen Bonus versprochen hat, dieser auch auto­matisch zusteht. Statt­dessen spricht das Unternehmen in der Bilanz nur von einer „prognostizierten Einlösequote“, die es einkalkuliert hat. Hinzu kommt: BEV hat seine Energie ausschließ­lich am „Spotmarkt“ einge­kauft. Das ist hoch­riskant. Hier werden Strom­kontingente nicht für Monate oder Jahre zu fest­gelegten Preisen im Voraus gekauft, sondern nur für den gleichen oder den nächsten Tag. Die BEV hat aber Tarife mit einer Vertrags­lauf­zeit von zwölf Monaten und mit einer Preis­garantie für diese Zeit angeboten, ohne selbst die Einkaufs­preise zu kennen.

Dieser Artikel ist erst­mals am 22. Januar 2019 auf test.de erschienen. Wir haben ihn seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 6. November 2019.

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