Anfang Januar 2019 hatte die Bayerische Energieversorgung (BEV) Insolvenz angemeldet und alle Lieferungen gestoppt. Das Insolvenz­verfahren läuft. Wer noch ein Guthaben hat und seine Forderung angemeldet hat, bekommt noch zumindest einen Teil seines Geldes. Wie viel das sein wird, ist allerdings unklar. Neu: Wegen des Streits um Neukundenboni können Betroffene ihre Rechte jetzt kostenlos anmelden. Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) hat Muster­fest­stellungs­klage erhoben.

Update: Muster­fest­stellungs­klage wegen Neukundenbonus

Zahlreiche Kunden hatten ihren Vertrag bei der BEV inner­halb des letzten Jahres vor der Insolvenz abge­schlossen. Laut AGB der BEV ist der Neukundenbonus aber erst nach einem Jahr fällig. Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) meint: Die Regelung gilt aber für Kunden, die die BEV von sich aus inner­halb des ersten Jahres verlassen haben. Alle anderen Kunden müssten den Neukundenbonus trotz der Insolvenz erhalten. Sie können ja nichts für die Pleite. Die Verbraucherschützer haben deshalb eine Muster­fest­stellungs­klage gestartet. Betroffene können sich anmelden. Das ist schnell, einfach und kostenlos. Wenn die Klage Erfolg hat, muss der BEV-Insolvenz­verwalter den Neukundenbonus zugunsten aller Klage-Teilnehmer berück­sichtigen. Weitere Einzel­heiten finden Sie im Special Musterfeststellungsklage. Zur Musterklage anmelden können Sie sich über ein spezielles Online-Formular des Bundesamts für Justiz. .

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Nach­forderung zahlen, Guthaben anmelden

Ergibt sich aus der Schluss­rechnung eine Nach­forderung der BEV, müssen Kunden sie bezahlen, wenn sie es noch nicht getan haben. Guthaben zahlt die BEV nicht mehr aus. Sie gehören zur Insolvenzmasse. Die Frist für die Anmeldung von Forderungen ist im Januar abge­laufen. Es ist möglich, nach­träglich Forderungen gelten zu machen. Dann wird allerdings eine Gerichts­gebühr in Höhe von 20 Euro fällig.

Verfahren kann Jahre dauern

Der Insolvenz­verwalter hat angekündigt, dass das Geld zwar reicht, um die Kosten des Verfahrens zu bezahlen, nicht aber alle Schulden („Masseun­zuläng­lich­keit“). Kunden müssen daher damit rechnen, nur einen Teil ihres Geldes zurück­zubekommen und das auch erst nach Ende des Insolvenz­verfahrens. Und das kann noch Jahre dauern.

Tipp: Informationen über den Stand des Insolvenz­verfahrens finden Sie auf der Seite bev-inso.de.

Anscheinend schon länger in Schieflage

Schon lange vor der Insolvenz verhielt sich die BEV nicht wie eine gesundes Unternehmen: Leser berichteten uns von Neukundenboni, die nur auf Nach­frage ausgezahlt wurden, von verspäteten Abrechnungen und drastischen Preis­erhöhungen. Zum Schluss versuchte BEV sogar, die Preise inner­halb einer vereinbarten Preis­garan­tiezeit zu erhöhen.

Riskante Geschäfts­strategie

Ein Blick in die letzte veröffent­lichte Bilanz der BEV für das Geschäfts­jahr 2016 zeigt, warum das Unternehmen in Schieflage geriet. Die BEV hat mehr als 10 Millionen Euro für Verkaufs­provisionen ausgegeben. Viel davon dürfte an Vergleichs­portale geflossen sein. Interes­sant ist auch, dass die BEV offensicht­lich nicht einkalkuliert hat, dass jedem Kunden, dem sie einen Bonus versprochen hat, dieser auch auto­matisch zusteht. Statt­dessen spricht das Unternehmen in der Bilanz nur von einer „prognostizierten Einlösequote“, die es einkalkuliert hat. Hinzu kommt: BEV hat seine Energie ausschließ­lich am „Spotmarkt“ einge­kauft. Das ist hoch­riskant. Hier werden Strom­kontingente nicht für Monate oder Jahre zu fest­gelegten Preisen im Voraus gekauft, sondern nur für den gleichen oder den nächsten Tag. Die BEV hat aber Tarife mit einer Vertrags­lauf­zeit von zwölf Monaten und mit einer Preis­garantie für diese Zeit angeboten, ohne selbst die Einkaufs­preise zu kennen.

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Versorgerwahl: Auf kommunale Anbieter setzen

Bisher sind nur private Versorger pleite­gegangen: Teldafax, Flex­strom, Care Energy, jetzt BEV. Stadt­werke und andere kommunale Unternehmen haben ein geringes Insolvenzrisiko. Sie kalkulieren ihre Preise meist auch nicht so knapp wie Strom­discounter. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wählt einen kommunalen Anbieter.

Tarife von Stadt­werken und kommunalen Unternehmen

Entweder man sucht sich einen güns­tigen Tarif bei seinem Stadt­werk vor Ort – die meisten Stadt­werke bieten inzwischen güns­tige Online­tarife an – oder man schließt einen Vertrag bei einem anderen kommunalen Unternehmen ab. Viele haben eigene Marken gegründet, unter denen sie über­regional zu markt­fähigen Preisen Energie verkaufen. Hierzu gehört zum Beispiel die Marke Emma Energie der Tech­nischen Werke Ludwigs­hafen (TWL).

Nicht immer über Vergleichs­portale zu finden

Einige kommunale Betriebe verkaufen ihre Tarife nicht über Vergleichs­portale, zum Beispiel die Berliner Stadt­werke und die Stadt­werke Güstrow. Die Portale zeigen deren Tarife und Preise zwar an, wenn man die Voreinstel­lungen ändert, um abzu­schließen, müssen Interes­senten aber selbst auf die Webseite des Anbieters gehen.

Stadt­werke: Marken und Tarife kommunaler Versorger

Sicher und oft auch günstig sind die Angebote dieser Stadt­werke, die über­regional Energie verkaufen:

Berlin­Strom (Berliner Stadt­werke)

Energiehoch3 (Gelsen­wasser AG)

Emma Energie (Tech­nische Werke Ludwigs­hafen TWL)

Strom Zuhause (EWE AG)

Hammer Strom (Stadt­werke Hamm)

Kaiser Strom (Stadtw. Heidenheim)

M-Strom (Stadt­werke München)

Original Energie (Stadt­werke Oranienburg)

Simply Green (Entega)

Strommanu­faktur (Stadtw. Dresden)

Stro­missimo (Stadtw. Güstrow)

Diese Angebote haben wir durch zwei Abfragen bei Vergleichs­portalen für die Post­leitzahlen 10435, 50939 und 80807 ermittelt. Wir haben die Voreinstel­lungen teil­weise verändert. Gelistet sind kommunale Anbieter der ersten fünf Plätze, die mindestens zweimal vorkamen. Alle Firmen sind mindestens zu 90 Prozent in kommunaler Hand.

Tipp: Wie Sie Ihren Strom- oder Gasversorger wechseln, lesen Sie in unserem Special Gewusst wie: Versorger wechseln.

Dieser Artikel ist erst­mals am 22. Januar 2019 auf test.de erschienen. Wir haben ihn seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 19. Februar 2020.

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