Schlaf-wach-Rhythmus: Blaulicht am Schreibtisch hält wach

Die innere Uhr. Fast alle physiologischen Prozesse im Körper des Menschen werden von einer inneren Uhr bestimmt. So sinken etwa Blutdruck, Puls und Körpertemperatur zur Nacht hin ab und steigen tagsüber wieder an. Dieses biologische Auf und Ab wird circadianer Rhythmus genannt (lat. circa = ungefähr, dies = der Tag).

Das Auge. Licht hat großen Einfluss auf die innere Uhr. Auf der Netzhaut des Auges befinden sich Rezeptoren, die Lichtreize verarbeiten. Neben solchen zum Sehen und Erkennen von Farben gibt es auch Rezeptoren, die über das zentrale Nervensystem den circadianen Rhythmus steuern. Sie reagieren vor allem auf diffuses Himmelslicht, das von oben einfällt.

Melatonin. Gesteuert wird die innere Uhr über das Hormon Melatonin, auch Schlafhormon genannt. Registrieren die Rezeptoren der Netzhaut Dunkelheit, produziert der Körper Melatonin. Infolgedessen sinken Körpertemperatur und Blutdruck, der Puls verlangsamt sich – wir werden müde. Fällt dagegen Licht auf die Netzhaut, wird die Melatoninausschüttung unterdrückt. Licht hält also wach. Das gilt sowohl für Sonnenlicht als auch Kunstlicht.

Lichtspektrum. Die größte Wirkung auf den Melatoninhaushalt hat kurzwelliges, blaues Licht mit hoher Farbtemperatur ab 6 500 Kelvin. Das entspricht dem Sonnenlicht am Tage. Langwelliges, rotes Licht mit geringer Farbtemperatur wirkt dagegen kaum auf den circadianen Rhythmus. Die Wirkung hängt zudem von der Lichtintensität und der Dauer des Aufenthalts im Licht ab. Die Sonne hat einen viel stärkeren Einfluss als Kunstlicht.

Circadianer Rhythmus. „Warmweiße“ Energiesparlampen (2 700 Kelvin Farbtemperatur) beeinflussen die innere Uhr weniger als herkömmliche Glühlampen. Sie eignen sich daher gut als Nachttischlampe. Dagegen wirken „tageslichtweiße“ Lampen (6 500 Kelvin) zwei- bis dreimal stärker als Glühlampen auf den circadianen Rhythmus. Ihr Licht hält also eher wach und ist daher am Schreibtisch sinnvoll.

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