Energiesparlampen Kaufberatung Meldung

Halogen, LED, Energiesparlampe, Spirale oder Birne: Lampenkauf wird immer unübersichtlicher und Beratung wichtiger denn je. Doch so mancher Verkäufer tappt hier im Dunkeln.

Die Zeiten, in denen allein die Wattzahl und die Größe der Fassung zur neuen Lampe führten, sind vorbei. Vom Boden bis in ausgestreckte Armhöhe stapeln sich die unterschiedlichsten Lampentypen in meterlangen Regalen der Bau- und Elektromärkte: Halogen-, LED- und Energiesparlampen, in Stab- und Birnenform, als Spirale und Kugel. „Neutralweiße“, „warmweiße“, „Tageslichtlampen“ und andere Lichtarten werden beworben. Doch nicht jede Lampe ist für jeden Einsatz geeignet.

Der schnelle Griff zur Glühbirne

Energiesparlampen Kaufberatung Meldung

Eine Halogenlampe in Birnenform unterscheidet sich von einer herkömmlichen Glühlampe durch den kompakten Glaskolben im Innern.

Eine Halogenlampe in Birnenform unterscheidet sich von einer herkömmlichen Glühlampe durch den kompakten Glaskolben im Innern.

Die Fachverkäufer könnten helfen, die passende Lampe für das Wohnzimmer, die Küche oder das Treppenhaus zu finden. Und sie sollten dem Kunden die neuen Möglichkeiten erläutern, die er heute für eine energiesparende Beleuchtung hat. Sie könnten, wie gesagt. Doch die Auskünfte der Verkäufer sind nicht unbedingt erhellend. Viel zu oft gehen noch herkömmliche Glühlampen über den Ladentisch, wie Recherchen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Zusammenarbeit mit der Stiftung Warentest zeigten. In einer Stichprobe besuchten BUND-Testkunden 35 Filialen von Bauhaus, Conrad, Ikea, Media Markt, Obi, Praktiker und Saturn.

Oft scheint der gewohnte Griff zur alten Glühbirne noch das Übliche zu sein: „Wollen Sie nicht wieder ’ne Glühlampe nehmen?“, war die verdutzte Reaktion eines Verkäufers bei Praktiker auf die Kundenfrage, was er denn als Ersatz für die durchge­brannte 60-Watt-Glühbirne aus dem Wohnzimmer empfehlen könne.

Auch ein Verkäufer bei Obi griff sofort zur herkömmlichen Glühbirne. Sein Kommentar: „Spart Geld, geht noch bis 2012.“ Abgesehen davon, dass das europäische Glühlampenverbot bei konventionellen 60-Watt-Birnen schon ab 1. September 2011 gilt, tappt der gute Mann im Hinblick auf die Energieeffizienz völlig im Dunkeln: Mit der Glühlampe lässt sich im Wohnzimmer ganz sicher kein Geld sparen.

Im Gegenteil: Eine gute Energiesparlampe kann im Vergleich zu einer Glühlampe annähernd 80 Prozent Strom sparen. Im Laufe von 10 000 Betriebsstunden kann das gegenüber der 60-Watt-Birne rund 100 Euro in der Stromrechnung ausmachen.

Die wenig erhellenden Auskünfte

Das Ergebnis der BUND-Einkaufstour lässt einiges zu wünschen übrig: In immerhin 15 der 35 besuchten Märkte empfahlen die Verkäufer als Ersatz spontan wieder eine Glühbirne. In den übrigen Fällen verwiesen sie meist auf Energiesparlampen oder Halogenlampen in Birnenform. Halogenlampen sparen auch Stromkosten, allerdings weniger als Energiesparlampen.

Die besondere Situation bei Ikea

Auf eine besondere Situation trafen die Testkunden bei Ikea: Das schwedische Möbelhaus hatte die herkömmlichen stromzehrenden 40- und 60-Watt-Glühbirnen bereits im Vorgriff auf das Verbot aus dem Sortiment genommen. Und so bot das Personal von Ikea den Testkunden nur Energiespar- und Halogenlampen an. Anderswo verschwindet derzeit nur Ware, die laut Glühlampenverbot auch verschwinden muss: 100-Watt-Glühbirnen oder die mattierten Lampentypen fanden die Testkunden im Dezember nur noch als „Restbestände“ in etwa jedem vierten Markt.

Die seltene Eigeninitiative

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Immer mehr Angaben auf den Lampenverpackungen sollen die Kunden optimal informieren, doch vieles ist erklärungsbedürftig. Ein guter Verkäufer kann hier weiterhelfen.

Immer mehr Angaben auf den Lampenverpackungen sollen die Kunden optimal informieren, doch vieles ist erklärungsbedürftig. Ein guter Verkäufer kann hier weiterhelfen.

Um die richtige Lampe zu finden, sollte sich ein guter Verkäufer nach den detaillierten Kundenwünschen erkundigen, nach der Form der Leuchte zum Beispiel. Doch nicht einmal in jedem dritten besuchten Markt fragten die Verkäufer von sich aus nach: Ob die Lampe in der Leuchte zu sehen ist, wie viele Stunden sie täglich brennt oder wie wichtig es dem Kunden ist, dass die Lampe schnell ihre volle Helligkeit erreicht.

Tipp: Überlegen Sie sich vor dem Einkauf selbst, welche Eigenschaften die neue Lampe haben soll. Dann können Sie den Verkäufern gezielt Fragen stellen.

Die ausdrückliche Nachfrage

Mitunter konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Kunden detailliertes Wissen aus den Fachverkäufern erst herauskitzeln müssen. Manche präsentierten ihre energiesparenden Lampentypen erst, als die Testkunden ausdrücklich von sich aus das Thema „Energie sparen“ ansprachen. Ganz überwiegend empfahlen die Verkäufer auf diese Nachfrage hin letztendlich doch noch Energiesparlampen.

Der falsche Rat des „Fachmanns“

Pech hat, wer falsche Informationen vom „Fachmann“ bekommt. „Energiesparlampen lohnen sich wegen langer Aufhellzeit erst ab drei Stunden Brenndauer am Stück“, war sich ein Verkäufer bei Ikea sicher. Das ist Unfug: Bei unseren Tests erreichten die Lampen bereits spätestens nach 1 bis 2 Minuten 80 Prozent ihrer vollen Helligkeit. In einer Saturn-Filiale behauptete der Verkäufer, dass „häufiges Schalten schlecht für die Lebensdauer der Energiesparlampen“ ist. Tatsächlich überlebten im Test gute Lampen mehr als 210 000 Schaltzyklen.

Die Kompetenten und Engagierten

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Die Thermografie zeigt, was man auch mit der Hand spüren kann: Glühlampen werden viel heißer als Energiespar- und LED-Lampen. Ursache ist der schlechte Wirkungsgrad der Glühfäden. Nur ein sehr kleiner Teil der Energie wird in sichtbares Licht verwandelt, der viel größere Teil geht als Wärme weitgehend nutzlos verloren.

Wenn die Tester Glück hatten, trafen sie in verschiedenen Märkten durchaus auf kompetente und engagierte Verkäufer, die ihnen halfen, zum Beispiel bei Conrad in Berlin-Steglitz: Vom Kunden angesprochen, übernahm der Verkäufer die Initiative. Im Hinblick auf die Lampenform fragte er, ob die Lampe in der Leuchte zu sehen sein soll. Dann informierte er über die lange Lebensdauer von Energiesparlampen und erklärte die für Kunden oft noch gewöhnungsbedürftigen Lumen-Angaben für den Lichtstrom. Um die Aufhellzeit und die Lichtfarbe zu demonstrieren, schraubte er die Lampe an einem Pult ein. Als sie zu schummrig wirkte, probierte er eine andere.

Fazit: Das immer vielfältigere und bessere Angebot an moderner Lichttechnik bietet Chancen und verlangt Beratung. Doch die erweist sich in der Praxis viel zu oft als spärlich. So steigt das Risiko ärgerlicher Fehlkäufe. Handelsunternehmen mit zu wenigen oder unzureichend geschulten Verkäufern schaden sich letztlich selbst: Wenn schlecht informierte Kunden veraltete Billigbirnen kaufen und in der Folge unnötig viel Geld für hohe Stromrechnungen ausgeben, fehlt es an anderer Stelle. Zum Beispiel auch beim nächsten Einkauf.

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