Energiesparförderung Meldung

Anteil der Energieverluste und -gewinne am gesamten Fehlbedarf eines herkömmlichen Hauses. Der Fehlbedarf von 74 Prozent muss durch Heizenergie gedeckt werden.

Der Traum von der Solaranlage auf dem Dach und vom selbst produzierten Strom scheitert oft am lieben Geld. Warum eigentlich? Der Staat zeigt sich spendabel.

Auf Klimagipfeln wird noch immer endlos diskutiert, wie viel Kohlendioxid jedes Land in die Atmosphäre blasen darf. Aber im Kleinen tut sich schon was zum Schutz der Umwelt. Bund und Länder haben eine Reihe von Förderprogrammen aufgelegt. Ihr Ziel: beim Bauen und Wohnen Kohlendioxid einzusparen. So vielfältig wie die Möglichkeiten, den Kohlendioxidausstoß zu senken, sind auch die staatlichen Hilfsprogramme. Sie lassen sich ganz grob in zwei Bereiche unterteilen: Nutzung von regenerativen Energien und Minimierung von Energieverlusten.

Wärmelöcher stopfen

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Verbesserter Wärmeschutz an der Außenwand senkt Energieverbrauch und Heizkosten.

An alten Gebäuden sollen vor allem die Energieverluste gesenkt werden. Ein wesentlicher Teil der Förderung fließt konsequenterweise in den Wärmeschutz. Über drei Viertel des Energieverbrauchs in Privathaushalten entfällt auf die Heizenergie. Durch schlecht gedämmte Mauern und schlecht isolierte Fenster entweicht der größte Teil der teuer erzeugten Wärmemenge ungenutzt. In Altbauten können durch eine erhöhte Wärmedämmung 65 bis 75 Prozent dieser Verluste verhindert werden. Das senkt die Heizkosten spürbar. Sogar in älteren Neubauten lässt sich noch bis zu einem Drittel der Heizenergie sparen. Die Bundesregierung fördert aus gutem Grund die "Vor-Ort-Beratung" durch unabhängige Gutachter. Sie kommen ins Haus, spüren die Wärmelöcher im alten Gemäuer auf und beraten die Besitzer über sinnvolle energiesparende Umbauten. Sie werfen auch einen Blick auf die Heizanlage. Der Gutachter beurteilt, ob es sinnvoll und rentabel ist, die technisch veraltete Heizung durch eine neue zu ersetzen.

Die Kosten für solch ein Gutachten werden durch den Zuschuss auf etwa 330 Mark für ein Ein- bis Zweifamilienhaus gesenkt. Eine Liste der Gutachter, die Vor-Ort-Beratungen durchführen, können Interessierte beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Tel. 0 61 96/90 86 25 anfordern.

Zum Wärmeschutz gehören die Isolierung von Fenstern und Türen und die Dämmung von Außenwänden, Keller und Dachgeschoss. Bei der Wand wird zwischen Innen- und Außendämmung unterschieden. Vorteil der Innendämmung: Es muss nicht gleich das ganze Haus eine Dämmhülle bekommen. Mieter und Wohnungseigentümer können nur ihre eigenen vier Wände dämmen, indem sie das Dämmmaterial ­ fachkundig samt "Dampfsperre"­ von innen auf der Außenwand befestigen. Auch Isolierglasfenster können in einzelnen Wohnungen eines Hauses eingebaut werden. Wirkungsvoller und meist auch kostengünstiger ist jedoch eine komplette Erneuerung der Dämmschale.

Verbrauch senken

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Solarkollektoren erwärmen das Wasser umweltschonend und unterstützen immer häufiger die Heizanlage.

Wer neu baut, bekommt Geld aus dem Staatssäckel, wenn er sich für ein Niedrigenergie- oder Passivhaus entscheidet. Niedrigenergiehäuser verbrauchen maximal 7 Liter Heizöl oder 7 Kubikmeter Erdgas pro Quadratmeter und Jahr. Das sind mindestens 25 Prozent weniger Verbrauch als bei Häusern, die nach der noch geltenden Wärmeschutzverordnung errichtet wurden. Ausschlaggebend dafür sind bessere Dämmung, optimierte Heizung und Energie sparende Warmwasserbereitung. Die geplante Energieeinsparverordnung will den Niedrigenergiestandard für alle neuen Häuser festschreiben. Auch die Anforderungen an Altbauten sollen an den technischen Fortschritt angepasst werden. Die neue Verordnung tritt voraussichtlich Ende 2001 in Kraft.

Noch einen Schritt weiter gehen die Standards für das Passivhaus. Im Vergleich zu "normalen" Häusern kommen Passivhäuser mit etwa 80 Prozent weniger Heizenergie aus. Ihr Verbrauch liegt bei rund 3 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Die Super-Sparhäuser sind zum einen extrem gut gedämmt. Zum anderen nutzen sie die Sonneneinstrahlung zum Heizen durch große, nach Süden gerichtete Fensterflächen, lichte Wintergärten und Glasanbauten. Außergewöhnlich ist auch ihr Lüftungssystem. Die verbrauchte Luft aus Küche und Bad wird abgesaugt und frische Luft in die Wohnräume geblasen. Ein Wärmeaustauscher überträgt die Wärme der Abluft auf die angesaugte Frischluft und senkt so die relativ hohen Lüftungsverluste.

Als Wärmequellen für die Raumheizung gelten in Passivhäusern auch die Wärmeabgabe elektrischer Geräte und sogar die Eigenwärme der Bewohner. Eine konventionelle Heizanlage mit Kessel und Brenner ist dort überflüssig. An Frosttagen liefern Sonnenkollektoren oder kleine Elektroheizungen die erforderliche restliche Raumwärme.

Solarenergie nutzen

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Solarzellen produzieren Strom, der im Haus verbraucht oder ins öffentliche Netz eingespeist wird.

Dass der Staat den Bau von Solaranlagen mit Finanzspritzen aufpäppelt, ist bekannt. Für Energiesparer sind Solarkollektoren zur Wärmeerzeugung (Solarthermie) und Solarzellen zur Stromproduktion (Photovoltaik) interessant. Solarkollektoren dienen seit langem dazu, umweltschonend Warmwasser zu bereiten. Immer häufiger sorgen sie in Kombianlagen zusätzlich noch für die Raumheizung. Allerdings schafft es eine Solar- anlage nicht allein, ein normal gedämmtes Haus im Winter komplett zu beheizen. Dann muss die Öl- oder Gasheizanlage im Keller zusätzlich einspringen.

Mit dem 100.000-Dächer-Solarstrom-Programm und der garantierten Vergütung von 99 Pfennig für die ins öffentliche Netz eingespeiste Kilowattstunde wird die Photovoltaik auch für private Hausbauer und -besitzer annähernd rentabel. Die garantierte Mindestvergütung für Solarstrom heizte das Interesse für die zinsgünstigen Kredite aus dem Solarstrom-Programm kräftig an. Mit derzeit 1,9 Prozent Nominalzins, festgelegt auf zehn Jahre, schaffen es auch private Investoren, Photovoltaikanlagen bis zu fünf Kilowatt Leistung ohne größeres Eigenkapital zu finanzieren.

Lange warten

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Allerdings sind beim 100.000-Dächer-Programm die Bearbeitungszeiten sehr lang. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bewilligt jeden Monat nur einen Maximalbetrag an Fördergeldern. Das Programm wird dadurch zeitlich gestreckt. Und Antragsteller müssen oft über ein Jahr lang warten. Viele weichen auf ungünstigere Fördermöglichkeiten aus, die merklich schneller genehmigt werden.

Wer einen Antrag auf Förderung aus dem 100.000-Dächer-Programm gestellt hat, darf aber im Gegensatz zu den meisten anderen Programmen mit dem Bau beginnen, bevor die Bewilligung ins Haus flattert. Wer das Geld also anderweitig günstig beschaffen und vorschießen kann, für den kann sich das lange Warten durchaus lohnen. Aber: Zahlt der Stromversorger mehr als die vorgeschriebenen 99 Pfennig pro Kilowattstunde für den selbst produzierten Strom, dann ist eine Förderung aus diesem Topf nicht machbar.

Geld vom Staat winkt noch für eine andere Art der Stromerzeugung. Bei der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird die Abwärme, die bei der Stromproduktion entsteht, für die Heizung von Wohngebäuden genutzt. In Großkraftwerken verpufft sie meist in der Umwelt. Kleinere KWK-Blockheizkraftwerke werden deshalb immer häufiger in der Nähe von Wohnanlagen errichtet. Energiesparer können Strom und Wärme sogar mit Unterstützung des Staates im eigenen Keller erzeugen.

Was noch gefördert wird

Zum Schutz von Umwelt und Klima stehen eine ganze Reihe von neuen Energietechniken auf der staatlichen Förderliste. Einige Länder unterstützen zum Beispiel den Neubau oder die Reaktivierung von Wasserkraftwerken. Doch ein großer Ansturm ist hier kaum zu erwarten. Einige Chancen geben die Experten der Biomasse, also der Energie aus pflanzlichen und tierischen Stoffen wie Gülle und Mist, aber auch Klärschlamm, organischem Hausmüll (Biotonne), Gartenabfällen und anderen pflanzlichen Abfallstoffen. Aus diesem Material entsteht in Biogasanlagen unter Luftabschluss Methan.

Woher das Geld kommt

Die Förderungen der Bundesländer dürfen oft mit Bundesprogrammen kombiniert werden. Geld vom Bund wird meist als zinsgünstiges Darlehen ausgezahlt. Die Länder setzen dagegen in vielen Fällen auf Zuschüsse zu Bauvorhaben. Auch die regionalen Energieversorger locken Kunden teilweise mit Fördergeld. Nachfragen lohnt sich.

Tipp:

Als Eigenheimbesitzer, der die Bedingungen für die Eigenheimzulage erfüllt, sollten Sie nach dem Bau von ökologisch sinnvollen Maßnahmen beim Finanzamt unbedingt die Ökozulage beantragen. Auf diesem Weg erhalten Sie dann vom Staat acht Jahre lang bis zu 4.000 Mark als Förderung.

Als freiberuflich Tätiger können Sie in den Genuss von speziellen Programmen kommen, die für Privatpersonen nicht offen sind. Sie gelten als gewerblicher Antragsteller. Wägen sie aber sehr genau die Vor- und Nachteile gegenüber der Förderung für Private ab.

Wie hoch die Vergütung ist

Nachdem das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) am 1. April 2000 in Kraft trat, sind die Förderprogramme für regenerative Energien besonders interessant geworden. Das EEG garantiert für die Einspeisung von regenerativ erzeugtem Strom für 20 Jahre feste Vergütungen. Gegenüber seinem Vorläufer, dem Stromeinspeisegesetz, bietet es mehr Planungssicherheit für Investoren: Es legt sowohl die Abnahme als auch die Abnahmepreise für Strom fest. Bei Photovoltaikanlagen ist damit eine Rentabilität innerhalb von 20 Jahren gesichert. Allerdings gilt die Vergütung von 99 Pfennig pro Kilowattstunde für die nächsten 20 Jahre nur für Anlagen, die bis Ende 2001 installiert werden oder in Betrieb sind. Durch die höhere Nachfrage ist zu erwarten, dass die Preise für Solaranlagen sinken. Deshalb wird die Mindestvergütung für später installierte Anlagen gesenkt. In den folgenden Jahren fällt die Mindestvergütung jährlich um 5 Prozent für Neuanlagen.

Auch steuerlich ist die Anlage interessant. Der Betreiber kann die "unternehmerische Tätigkeit der Stromproduktion" in der Einkommensteuererklärung berücksichtigen lassen und die Anlage über 10 bis 20 Jahre abschreiben. Außerdem kann er die Mehrwertsteuer vom Finanzamt zurückverlangen.

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