Energieeinsparverordnung Meldung

Heizen mit weniger Energie. Das Thema ist alt. Aber jetzt setzt eine neue Verordnung neue Maßstäbe. Hausbesitzer und Bauherren müssen umdenken.

Die letzte, harte Frostperiode hat einige aus dem Winterschlaf geweckt. Plötzlich war der Öltank leer, schneller als sonst. Andere ärgerten sich über den Gaszähler, der ohne Rücksicht auf den Geldbeutel Tag für Tag neue Rekordmengen anzeigte. Blies dann noch ein scharfer Ostwind auf die Ritzen des Hauses und vertrieb kalte Zugluft die Gemütlichkeit, begann womöglich die Grübelei: Sollte die alte Heizanlage tatsächlich ein Groschengrab sein? Ist das traute Heim womöglich so winddicht wie ein Heuschober?

Seit dem 1. Februar schreibt die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) für neue und alte Häuser einen höheren Wärmeschutz und moderne Heizsysteme vor. In beiden Bereichen sollen Hauseigentümer bis Ende 2006 tätig werden. Beides ist auch sinnvoll: In einem normalen Haushalt entfallen noch immer über drei Viertel des gesamten Energieverbrauchs auf die Raumheizung, weitere 12 Prozent auf die Herstellung von Warmwasser. Das will der Gesetzgeber mit der Sparverordnung künftig ändern. Allerdings muss er dabei beachten, dass kein Eigentümer gezwungen werden kann, den Energieverbrauch in seinem alten Haus zu senken.

Die EnEV greift bei umfangreichen Sanierungsarbeiten im und am Haus, weil die zusätzlichen Energiesparmaßnahmen unter solchen Verhältnissen auch wirtschaftlich zu vertreten sind. Der Bauherr kommt um die EnEV nicht herum, wenn mindestens 20 Prozent einer Hausfläche ­ in gleicher Himmelsrichtung ­ erneuert werden. Oder wenn der beheizte Raum in seinem Haus um mehr als zehn Quadratmeter vergrößert wird. Die Grafik "Die Verordnung bestimmt die Sanierung" nennt weitere Beispiele, wann die Anforderungen aus der EnEV bei Bauarbeiten am alten Gemäuer gelten.

Die Instandsetzungskosten erhöhen sich kaum, wenn zusätzlich Dämmmaterial auf der Fassade angebracht wird. Kosten für das Gerüst und einen neuen Putz entstehen ohnehin. Besser noch: Putz abschlagen und Neuverputz entfallen zum Beispiel bei der Montage eines Wärmedämm-Verbundsystems, bei dem die Dämmplatten direkt auf der Außenwand montiert werden. Auch wenn das Dach neu eingedeckt werden muss, bietet sich gleichzeitig eine zeitgemäße Dämmung der Dachschrägen an.

Viele Ausnahmen im Altbau

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Die EnEV verlangt diese energiesparenden Nachbesserungen zusammen mit einer Sanierung, ist aber letztlich nicht konsequent: Sie befreit Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die selbst in den Häusern wohnen, von anderen wichtigen, wirksamen Verbesserungsmaßnahmen. In diesem Fall hoffen die Macher der EnEV einmal mehr auf Einsicht und Interesse der im Haus Wohnenden, durch einmalige Investitionskosten fortlaufend Kosten für die Heizwärme einsparen zu können. Bei einer "Lebensdauer" von höchstens 30 Jahren müssen viele von den zunächst verschonten Altkesseln sowieso bald sparsameren Platz machen ­ wegen größerer Schäden und umfangreicher Reparaturen.

Eine Kontrolle der Nachrüstpflichten, hauptsächlich der Dämmarbeiten, durch die Baubehörden erscheint schwierig und unwahrscheinlich. Es fehlen derzeit noch entsprechende Durchführungsverordnungen. Die vergangenen Jahre zeigen aber auch, dass staatliche Vorschriften und Kontrollen die Sanierung alter Häuser weit weniger mobilisieren als attraktive, zinsgünstige Förderprogramme.

In Deutschland werden derzeit nur wenige neue Häuser gebaut. Die Möglichkeit, durch Neubauten kräftig Energie zu sparen, ist im Vergleich zum Gebäudebestand sehr begrenzt. Fachleute schätzen, dass von den insgesamt 35 Millionen Wohnungen in Deutschland zwei Drittel aufgrund der EnEV nachgebessert werden müssten. Voraussetzung: Die Eigentümer entschließen sich freiwillig zu einer energiesparenden Sanierung oder führen umfangreiche Modernisierungen durch, bei denen die EnEV eingehalten werden muss. Wird das neue Niveau der Einsparverordnung für die Altbauwohnungen zugrunde gelegt, werden pro Jahr 38,5 Millionen Liter Heizöl beziehungsweise Kubikmeter Erdgas zu viel verheizt.

Mehr Dämmen im Neubau

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Beim Neubau geht die EnEV weniger behutsam vor. Hier heißt es umdenken. Der Standard für Niedrigenergiehäuser ist jetzt Mindeststandard. Neu zu errichtende Häuser müssen demnach deutlich weniger als 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr an Heizenergie verbrauchen. Oder anders gerechnet sind das 7 Liter Heizöl oder 7 Kubikmeter Erdgas.

Die Grafik "Neue Häuser brauchen weniger Brennstoff" veranschaulicht diesen geplant verordneten Rückgang. Der durchschnittliche Heizenergiebedarf für alle Altbauten liegt bei rund 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Verglichen damit wurde bereits durch die Wärmeschutzverordnung von 1995 der Bedarf für Neubauten auf Werte zwischen 55 und 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr energisch gedrückt. Um nochmals 30 Prozent darunter liegt der Standard für Niedrigenergiehäuser, der nun für Neubauten verbindlich ist. Für Passivhäuser, die noch stärker gedämmt sind und intensiv Solarenergie und andere regenerative Energien nutzen, gelten Werte von rund 15 Kilowattstunden.

Ganz entscheidend für die Höhe des Energiebedarfs ist das Verhältnis der Außenfläche des Hauses zum beheizten Raum. Auch das zeigt die Grafik. Mehrfamilienhäuser haben ein sehr günstiges Verhältnis und benötigen deshalb vergleichsweise wenig Heizenergie. Denn über den relativ kleinen Anteil ihrer Außenwände geht nur ein relativ geringer Teil der Wärme verloren. Deutlich ungünstiger in diesem Vergleich schneiden Einfamilienhäuser ab.

Niedrigenergiehäuser setzen weder eine exotische Hausform noch einen Verzicht auf Komfort voraus. Denn sie sind längst keine merkwürdig aussehenden Versuchshäuser mehr. Sie verlangen vom Bauherrn keine höhere Bereitschaft zum Risiko und sie sind auch wirtschaftlich vertretbar. Die Kosten für eine eingesparte Kilowattstunde Heizenergie liegen mit 0,5 bis 2 Cent unter den Preisen für eine Kilowattstunde Öl und Gas mit mindestens 2,5 Cent.

Moderne Heiztechnik

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Stand der Technik ist es, den Brennstoff mit möglichst geringen Verlusten in Raumwärme umzuwandeln. Fachleute sprechen von der Effizienz der Heizung. Durch den Austausch von Heizkesseln, die älter als 15 Jahre sind, können oft 15 bis 20 Prozent der bislang eingesetzten Energie eingespart werden. Die Effizienz steigt. Entsprechend sinken die jährlichen Heizkosten in einem Einfamilienhaus um 150 bis 250 Euro, nachdem der Eigentümer in einen neuen Wärmeerzeuger investiert hat.

Die EnEV vereint beide Wege zum sparsamen Verbrauch der Heizwärme: Wärmedämmung und Heiztechnik betrachtet der Gesetzgeber erstmals als Gesamtheit. Bislang waren die gesetzlichen Anforderungen getrennt geregelt: in der Wärmeschutz- und in der Heizungsanlagenverordnung.

Noch etwas Neues: Die nun geltenden Vorschriften sollen ganz wesentlich den Primärenergiebedarf eines Gebäudes begrenzen. Die Primärenergie ist die in den natürlichen Quellen wie Erdöl, Erdgas, Kohle, aber auch Uran und Wasserkraft gespeicherte Energiemenge. Dieser Energiebedarf muss in den Bauunterlagen für das Gebäude nachgewiesen werden. Die EnEV gibt den Planern und Architekten unterschiedliche Nachweisverfahren in die Hand. Die meisten sind recht kompliziert, schwer durchschaubar und ohne Computer kaum machbar.

Das Schaubild "Vom Rohöl zur Raumwärme" zeigt die Zusammenhänge. Der Bedarf an Primärenergie nimmt ab, wenn die ins Haus gelieferte Endenergie, also Erdgas, Heizöl, Strom oder Fernwärme, mit möglichst geringen Verlusten zum Heizen und fürs Warmwasser genutzt werden kann ­ und diese teuer erzeugte Wärme wegen des guten Wärmeschutzes schließlich nicht so schnell aus dem Haus entweichen kann.

Darüber hinaus verlangt die EnEV, die Verluste aller vorgelagerten Prozesse ­ außerhalb des Gebäudes ­ in das Rechenverfahren einzubeziehen. Energieverluste entstehen zum Beispiel auch bei Förderung, Transport und Verteilung der Energieträger und bei der Umwandlung von Primär- in Endenergie.

Mit welchen Mitteln der nachzuweisende Primärenergiebedarf eines Hauses letztlich niedrig gehalten wird, lässt die Verordnung offen. Der Bauherr oder Hausbesitzer kann selbst entscheiden, ob er entweder eine besonders sparsame Heiztechnik, zum Beispiel einen Brennwertkessel, einsetzt oder einen Wärmedämmstoff mit extrem guter Dämmwirkung. Kostengünstige und energetisch sinnvolle Lösungen ergeben sich aber fast nur durch die Kombination beider Techniken.

Niedrigere Heizkosten

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Um ein Haus auf den Stand der EnEV zu bringen, entstehen Kosten. Ein Zentimeter mehr Wärmedämmung als unbedingt nötig verursacht Mehrkosten von rund 1,30 Euro pro Quadratmeter. Werden statt acht insgesamt zwölf Zentimeter Dämmstoff auf den Putz der Außenwand geklebt, so erhöht diese "Thermohaut" den Wärmeschutz des Gebäudes und wirkt sich so günstig auf seinen Primärenergiebedarf aus: Er verringert sich um rund 8 Prozent. Bei einer Verdopplung von 8 auf 16 Zentimeter sind es sogar 13 Prozent. Ganz ähnlich im Keller: Für den Ersatz eines Niedertemperaturkessels durch einen Brennwertkessel statt eines Heizkessels gleicher Bauart muss der Besitzer eines Einfamilienhauses etwa 500 Euro mehr bezahlen. Auch so wird der Primärenergiebedarf um 5 bis 9 Prozent gesenkt.

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