Energieberatung Was Energieberater leisten

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Energieberatung - Was Energieberater leisten
Gründerzeithaus. Wie lässt sich in einem alten Gebäude Energie einsparen? Fachkundige Antworten sind selten.

Drei Häuser, neun Energieberater: Hilft die Beratung wirklich, die Heizkosten zu senken? Wir haben es geprüft. Das Ergebnis stimmt nachdenklich. Die Bewohner bleiben oft ratlos zurück. Die Experten verlangen 400 bis 833 Euro.

Inhalt

Die geräumige Gründerzeitvilla mit Terrasse, Balkon und den Rundbogenfenstern versteckt sich hinter einer hohen Hecke. In dem hübschen Haus am Stadtrand, Baujahr 1906, wohnt Familie Stein* mit ihren fünf Kindern. Die große Dachfläche, weitgehend ungedämmt, die Schimmelecken im Kinderzimmer und die immensen Stromkosten fürs Warmwasser signalisieren den Bewohnern eines: dringender Sanierungsbedarf.

Helmut Stein war sofort dabei, als wir Testobjekte für Energieberatungen suchten. Drei von uns ausgewählte Fachleute sollten sein Haus sachkundig ins Visier nehmen. Zwei analysierten, berechneten, drückten dem Hausherrn am Ende einen Beratungsbericht in die Hand und kassierten für ihre Arbeit. Nummer drei erwies sich als Flop. Dazu später mehr.

Was hat den Steins die Aktion gebracht? War das Geld gut angelegt? Wissen sie nun, welche Energiesparmaßnahmen in ihrem Haus wichtig sind? Betrübliche Antwort: Nicht nur in der Stein-Villa, auch in den beiden anderen Testhäusern enttäuscht das Ergebnis der neun Beratungen von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern meist. Zum Teil ist es auch ärgerlich. Die Qualität des Berichts und die daraus hergeleiteten Sparmaßnahmen sind die Voraussetzung für ein energieeffizientes Haus. Außerdem genehmigt die KfW-Bank ohne Bericht keine günstigeren Kredite. Das alles macht sich im Geldbeutel bemerkbar. test zeigt, worauf es bei der Beratung ankommt.

Erster Besuch und Rundgang

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Rundgang durchs Haus. Gute Energieberater weisen die Bewohner auf Schwachstellen hin.

Jeder erste Besuch begann mit einem freundlichen Gespräch, bei Familie Stein am Esstisch. Die Berater fragten, die Bewohner antworteten. Der fachkundige Gast erhielt erste Infos über das Haus und die Energiesparwünsche der darin Wohnenden. Es folgte meist ein Rundgang vom Keller bis zum Dachgeschoss und einmal rund ums Gebäude. Viele Energieberater machten die Hausbewohner auf Schwachstellen aufmerksam und erklärten, wie das eine oder andere Wärmeloch ohne großen Aufwand zu stopfen ist. Das Problem: Viele dieser kleinen, handfesten Tipps vermissten die Bewohner später im Gutachten.

Tipp: Weisen Sie den Fachmann darauf hin, dass er auch die kleinen Spartipps in den Bericht aufnehmen soll. Vorsichtshalber sollten Sie sich die Hinweise des Energieberaters notieren, wenn Sie zusammen mit ihm die erste Runde machen.

Viele bunte Wärmebilder

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Einer der drei im Hause Stein tätigen Berater entpuppte sich als echter Fan der Thermografie. Die mit einer Wärmebildkamera aufgenommenen bunten Bildchen zeigen die Punkte eines Gebäudes, an denen Wärme verloren geht. Die Schwachstellen bilden sich am besten ab, wenn Außen- und Innentemperatur weit auseinanderliegen. Der Experte vereinbarte deshalb einen Besuchstermin am frühen Morgen, um den Vorteil ohne störende Sonneneinstrahlung nutzen zu können. Und dann legte er los.

Das Ergebnis seiner Thermografiesafari: Der Beratungsbericht ist gespickt mit Wärmebildchen. Sie beeindrucken auf den ersten Blick, weil die Farbverläufe von Dunkelblau nach Dunkelrot bedrohlich wirken. Sie ersetzen aber keine sorgfältige Analyse. Erst recht nicht, wenn der interessierte Auftraggeber die Ursachen und Folgen nicht näher erklärt bekommt. Was soll er mit einer thermografischen Fotosammlung anfangen, die ihn ratlos zurücklässt.

Tipp: Ein Energieberater, der Sie mit Wärmebildern überhäuft, will sich möglicherweise die Arbeit einfach machen. Thermografien helfen nur weiter, wenn der Abschlussbericht festhält, was Sie auf ihnen erkennen, die Zusammenhänge erläutert und vor allem Lösungsvorschläge macht. Lieber nur wenige thermografische Aufnahmen, dann aber von den gravierendsten Mängeln im Haus.

Egal wer als Gutachter auftrat – Architektin, Bausachverständiger, Geschäftsführer eines Ingenieurbüros oder energieberatender Schreinermeister –, bei sechs Testberatungen bleibt festzuhalten: Die Abschlussberichte sind schwach. Sie sind lückenhaft, selbst wenn der Energieexperte dreimal zu Besuch war. Sie enthalten nur wenige Details und erläutern die erforderlichen Energiesparmaßnahmen nur unzureichend oder unverständlich.

Dünner Bericht auf vier Seiten Papier

Ein vierseitiges Papier, das der Hauseigentümer nach einem zweistündigen Besuch erhält und für das er 714 Euro bezahlen muss, ist schlicht eine Dreistigkeit. Vielfach hatten Spartipps in den Berichten ebenso Seltenheitswert wie Berechnungen der Wirtschaftlichkeit. Die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen verschiedener Baumaßnahmen und eine Prioritätenliste sind es aber hauptsächlich, die sparwillige Auftraggeber dazu ermuntern, beherzt mit der Sanierung zu beginnen. Diese Erwartungen erfüllten die Berater zu oft nicht.

Tipp: Pochen Sie auf ein vollständiges Gutachten. Darin sollten die mit dem Energieberater zuvor mündlich besprochenen Schwachstellen und Sparmaßnahmen detailliert aufgeführt sein. Verlangen Sie Nachbesserung, wenn etwas fehlt, und bezahlen Sie erst danach.

Zwei lobenswerte Berichte

Der Preis sagt kaum etwas aus über die Qualität der Beratung. Auch das ist ein Ergebnis unserer Stichprobe an den drei Testobjekten. Zwischen 400 und 833 Euro verlangten die Experten für ihre Tätigkeit. Die meisten stuften wir als unzureichend ein. Bis auf zwei lobenswerte Ausnahmen: Eine bayerische Architektin lieferte einen umfassenden, verständlichen Bericht und fiel beim zweimaligen Besuch durch kompetente Beratung auf. Kosten: 400 Euro. Auch der beratende Bauingenieur in Niedersachsen hinterließ nach seinen Besuchen in der Doppelhaushälfte einen umfangreichen Bericht mit Empfehlungen für Dämmmaßnahmen und zur Sanierung der Heizung. Er verlangte allerdings 833 Euro.

Schlussberichte mit Folgen

Die KfW-Förderbank fordert Energieberatungsberichte, bevor sie zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse für energieeffizientes Sanieren oder Modernisieren für Altbauten gewährt. Zuvor muss also immer eine „Vor-Ort-Beratung“ stattgefunden haben. Unabhängige geschulte Fachleute müssen diese spezielle Energieberatung vornehmen. Sie sind bei der „Bafa“ gelistet, ab Juli in der „Dena-Liste“ (siehe Glossar). Solche „Bafa-Gutachten“ können bis zu 1 000 Euro kosten und werden oft mit 300 Euro bezuschusst.

Tipp: Die Berichte sollten mehr als die Mindestanforderungen erfüllen, um die Kredite und Zuschüsse zu bekommen. Achten Sie darauf, dass die empfohlenen Sparmaßnahmen verständlich erklärt und beschrieben werden.

Einen totalen Reinfall hat Helmut Stein auch erlebt – mit einem Dachhandwerksachverständigen. Der kam wie vereinbart am Nachmittag und hatte sofort einen Blick auf die alten Kastenfenster geworfen. Auf den Hinweis des Hauseigentümers, dass er die Fenster sanieren, aber keinesfalls austauschen lassen werde, verebbte plötzlich das Interesse des Energieberaters. Er kürzte die Hausbesichtigung ab und verschwand schon nach einer halben Stunde mit der Ankündigung, er werde seine Berechnungen zum Energiesparen nachreichen. Aber weder diese Auflistung noch die Rechnung für seine Stippvisite haben die Steins jemals erhalten. War es ein verkappter Berater, der es nur auf den Verkauf moderner Wärmeschutzfenster abgesehen hatte? Wer weiß.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Sachverständiger am 25.07.2012 um 13:12 Uhr
Verbraucherzentrale Energieberatung

@test.de-Leserservice_Maack Und es sei noch eine Frage erlaubt, auf die Sie nicht eingegangen sind: Warum haben Sie nicht die Leistung der "Energieberatung vor Ort" der Verbraucherzentrale untersucht und nach den von Ihnen (test) formulierten Kriterien bewertet? Schließlich führt die Verbraucherzentrale Energieberatungen vor Ort in beachtlicher Höhe durch. Wären die "Mindestanforderungen des BAFA" an den Verbraucherzentrale Bericht angelegt worden wäre das Ergebnis wohl wenig werbewirksam ausgefallen.

Sachverständiger am 25.07.2012 um 13:05 Uhr
test bestätigt

@test.de-Leserservice_Maack
Sie bestätigen also meine Vermutung, das Sie eine allg. Energieberatung und nicht (!) eine"Energieberatung entsprechend den Mindestanforderungen des BAFA" beauftragt haben. Dann dürfen Sie die erfolgte "Energieberatung" auch nicht an den Kriterien des BAFA messen, denn diese haben Sie nicht beauftragt. Demnach ist Ihre Schlußfolgerung und Bewertung der Ergebnisse auch nicht korrekt. Das ein bei der BAFA zugelassener Energieberater beauftragt wurde hilft da auch nicht weiter, man muß ihm auch sagen, welchen Leistungsumfang man erwartet. Und die umfänglichste (und auch teuerste) Leistung ist dann die große "Vor Ort Beratung" nach BAFA. Meist verlangen die Kunden Initialberatungen. Auch diese führt der bei der BAFA zugelassene Energieberater durch, diese haben aber einen deutlich geringeren Umfang als die vom BAFA geförderte "Vor Ort Beratung".
Eigentlich ist jetzt eine öffentliche Richtigstellung des falsch durchgeführten test notwendig und angebracht.

test.de-Leserservice_Maack am 23.07.2012 um 12:51 Uhr
Auswahl der Energieberater

@Sachverständiger: Vielen Dank für Ihre Kritik. test hat für diese Untersuchung keine Förderung der Bafa in Anspruch genommen. Aus der Sicht eines Hauseigentümers wurde eine „Energieberatung“ beauftragt. Als Ziel wurde eine schrittweise energetische Sanierung der Immobilie genannt. Ausgewählt wurden Energieberater, die sich als solche bezeichnen. Viele von ihnen hatten eine Bafa-Zulassung. Die von den Energieberatern empfohlenen Maßnahmen wurden von einem sachverständigen Gutachter nach Vor-Ort-Begehungen geprüft. Die Bewertung des Berichtes erfolgte in Anlehnung an die Mindestanforderungen der Bafa. Weiterhin würde geprüft, ob die Beratungsergebnisse für die Hauseigentümer verständlich und hilfreich waren.

Sachverständiger am 16.07.2012 um 15:21 Uhr
Fortsezung des vorigen kommentars

7.Hätte man einen solchen Verbraucherzentrale "Energieberatungsbericht" nach Bafa Kriterien geprüft, wäre auch dieser vollkommen durchgefallen.Das hat man wohl absichtlich nicht gemacht, denn es ist stark zu vermuten, das die VZ im Fachbeirat zu diesem test saß.
8.Die Berechnungen des Verbraucherzentrale Bericht genüge auch nicht ansatzweise, um bei der KfW Fördermittel zu beantragen, denn schließlich wird dabei das Gebäude (ohne Vereinfachungen!) gerade eben NICHT auf den Energiebedarf berechnet!
Wer also vor hat zu investieren und KfW Gelder in Anspruch nehmen möchte macht lieber gleich eine Energieberatung nach BAFA, denn nur dieses präzise Rechenwerk garantiert auch das die Maßnahmen die KfW Richtlinien erfüllen.
FAZIT: Der Test war nötig, die Machart untauglich. Falls der Politik bewisen werden sollte wie schlecht die Energieberatung ist, so beweist der test eigentlich nur, wie inhomogen diese ist, und wie schlecht ein test durchgeführt werden kann. Schade um das viele Geld! t

Sachverständiger am 16.07.2012 um 15:10 Uhr
Fortsetzung des vorigen Kommentars

4. War denn ein schriftlicher Bericht beauftragt, und wenn ja in welchem Umfang? Auch darüber schweigt der test. Aber das Beurteilungskriterium muß sich am Auftrag orientieren!
5.Eine Beratung besteht aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil. Die mündlich gegebenen Hinweise müssen m.E. nicht nochmals schriftlich wiederholt werden. Ist dies dennoch gewünscht, so wird der Bericht sehr ausführlich und sehr gut, der Verfasser aller Wahrscheinlichkeit nach aber als "zu teuer" vom Markt abgelehnt. Die Mischung aus schriftlichen Fakten nach Bafa Richtlinien und mdl. Goodies ist eigentlich Marktgerecht und Richtig!
6. Der Schreiber "Visma" empfahl die 90 Minuten Beratung der Verbraucherzentrale für 60Euro. Dazu muß man wissen, das es noch eine öffentliche Förderung von weiteren 160 Euro für den Berater gibt, insofern ist dessen besuch wirtschaftlich. In den Genuß kommt allerdings nicht jeder qualifizierte Berater sondern nur die wenigen Vertragsberater der Verbraucherzentrale