Unsere Redak­teurin Alrun Jappe und ihr Mann Hans Carnol haben einen alten Hof in Brandenburg gekauft. Sie wollen in Zukunft ihr Haus klimafreundlich heizen. Ein Energieberater soll bei der Suche nach dem besten System helfen.

Vor einer Sanierung sollen Haus­besitzer einen Energieberater einbinden. Das kann helfen, Fehler zu vermeiden. Unsere Redak­teurin hat es ausprobiert. Hier berichtet sie, wie sie vorgegangen ist – und was sie dabei erlebt hat. Ihre wichtigste Schluss­folgerung ist: Man kann sich gar nicht früh genug um das Thema kümmern.

Wer seinen Ölkessel rauswirft, erhält Zuschüsse vom Staat

Die alte Ölhei­zung muss raus. Das schreibt nicht nur das Gesetz vor, das sagt uns auch unser Gewissen. Die Heizung ist Baujahr 1992 und damit eine Dreck­schleuder, die dem Klima schadet. Dazu kommt: Seit Jahres­anfang gibt der Staat für den Austausch alter Ölheizkessel üppige Zuschüsse. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Unser Rat

Warum. Einen Energieberater einzuschalten, ist immer sinn­voll, wenn Sie etwas am Haus erneuern möchten, zum Beispiel Fenster, Heizung oder Fassade. Schon kleine Fehler in der Planung können teure Bauschäden verursachen. Ein Energieberater betrachtet das Haus im Ganzen und hat den Über­blick über neue Technologien und Materialien.

Wann. Kümmern Sie sich früh um einen Termin. Gefragte Berater haben oft eine monate­lange Warte­zeit. Das gilt besonders, wenn Sie einen Energieberater brauchen, um bei der KfW Fördermittel zu beantragen.

Welche. Es gibt verschiedene Formen der Energieberatung. Welche für Sie infrage kommt, ist abhängig von Ihrem Vorhaben (Tabelle Diese geförderten Energieberatungen gibt es). Als Einstieg eignet sich die güns­tige Beratung durch die Verbraucherzentrale. Gut ist, wenn Experten haupt­beruflich als Energieberater tätig sind und ausreichend Referenzen vorweisen können.

Wer. Der Begriff Energieberater ist nicht geschützt. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass der Berater für Ihr Anliegen qualifiziert ist und keine Interes­senkonflikte entstehen könnten. Hinterfragen Sie vor allem kostenlose Angebote kritisch. Häufig steckt dahinter der Versuch, etwas zu verkaufen. Professionelle Berater, die sich zur Neutralität verpflichtet haben, finden Sie online (unter den-ev.de und energie-effizienz-experten.de).

Wie. Im Auftrag sollten die Leistungen des Energieberaters genau definiert sein. Nutzen Sie die Checkliste Vertragsgestaltung.

Eine neue Heizung muss her: Pellets? Gas? Wärmepumpe?

Bald 30 Jahre alt: Die Ölhei­zung soll ersetzt werden.

Um den Zuschuss zu bekommen, muss die neue Heizung zumindest zum Teil mit erneuer­baren Energien arbeiten. Was wäre da für uns die beste Lösung? Eine Pellethei­zung? Eine Gasheizung kombiniert mit Solar­thermie? Eine Wärmepumpe? Ein klassischer Fall für eine Energieberatung, denke ich – auch wenn wir unser mehr als 100 Jahre altes Haus nicht komplett sanieren wollen. Das Dach und die Fenster sind ja schon neu.

Als Einstieg wenden wir uns an die Energieberatung des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Sie kostet gerade einmal 30 Euro. Da kann man nicht viel falsch machen, sage ich mir und rufe die zentrale Nummer für die Termin­vergabe an. Eine freundliche Dame hört sich mein Anliegen an und empfiehlt einen sogenannten Detail-Check.

Tipp: Welche Heizung sich für wen rechnet, spielen wir in unserem Test Wärmepumpe, Pellets, Gas durch.

Der Energieberater stellt viele Fragen

Schon wenige Tage später ist ein Berater da. Toll! Er nimmt alle wichtigen Daten zu unserem Haus auf: Baujahr, Größe, Energieverbrauch, Alter der Heizung, Fenster, Dachneigung und so weiter. Dann erklärt er sehr viel und sehr ausführ­lich, wir verstehen höchs­tens die Hälfte. Klar wird aber schnell: Er legt uns eine Wärmepumpe ans Herz.

Wir brauchen eine zweite Meinung

Eine Wärmepumpe? Ich hatte doch gelesen, das sei nichts für einen mäßig gedämmten Altbau, weil man dann an kalten Tagen zu viel Strom verbraucht, um das Haus warm zu bekommen. Wir entscheiden uns, eine zweite Meinung einzuholen. Diesmal soll es ein Berater aus der großen Daten­bank Energie-effizienz-experten.de sein. Dort sind Fachleute gelistet, deren Beratung vom Bundes­amt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle (Bafa) zu 80 Prozent gefördert wird. Für uns bliebe ein Eigen­anteil von etwa 400 Euro.

Umfassender Sanierungs­plan hilft bei KfW-Förder­antrag

Dafür hätten wir danach nicht nur einen guten Rat für unsere neue Heizung in der Hand, erfahre ich. Ein von der Bafa geförderter Energieberater erstellt einen umfassenden Sanierungs­plan für das Haus. Ihn könnten wir auch fragen, ob und wie wir unser Haus dämmen sollen und was das ungefähr kosten würde. Sollten wir dafür später Fördermittel bei der staatlichen KfW-Bank beantragen wollen, könnten wir mit den Berechnungen des Beraters die Voraus­setzungen für den Förder­antrag erfüllen.

Wir suchen in der Experten­daten­bank

In der Experten­daten­bank finden wir eine Beraterin in der Nähe, die in ihrem Internet­auftritt sehr sympathisch wirkt und genau das bietet, was wir wollen: Sie ist haupt­beruflich als Energieberaterin tätig und auf Eigen­heime spezialisiert. Doch auf meine Anrufe und E-Mails kommt tage­lang keine Antwort. Wir fangen an, nervös zu werden. Denn in der Zwischen­zeit ist ein Brief von unserem Energieversorger gekommen. Vor einem halben Jahr hatten wir einen Gasanschluss beantragt. Damals waren die Zuschüsse für eine neue Heizung mit erneuer­baren Energien noch nicht so attraktiv. Jetzt soll der Gasanschluss in den nächsten Wochen gelegt werden. Über­flüssig, wenn wir wirk­lich eine Wärmepumpe einbauen lassen.

Wir finden niemanden, der Zeit hat

Zum Glück meldet sich die Beraterin doch noch zurück. Sie sei total über­lastet und habe leider keine Zeit, zu uns zu kommen. Als ich ihr unsere Not schildere, nimmt sie sich aber die Zeit für ein längeres Telefonat. Ergebnis: Eine Wärmepumpe ist vermutlich tatsäch­lich nicht die richtige Lösung. Auch von Solar­thermie rät sie ab. Es gebe in der Gegend einfach zu wenig Fachleute, die etwas davon verstehen. Bei einer Solar­anlage komme es darauf an, dass sie richtig installiert und regel­mäßig gewartet wird. Am Ende schlägt sie vor, einen Kamin­ofen in das Heiz­system zu integrieren.

Nach der dritten Meinung geben wir auf

Ist das wirk­lich eine gute Idee? Würde das bei uns funk­tionieren? Wir wollen eine dritte Meinung hören und suchen aus der Experten­liste eine weitere Beraterin raus. Sie geht ans Telefon, hat aber keine Zeit zu kommen. Wir geben auf. Nächste Woche wird der Gasanschluss gelegt. Dann sehen wir weiter.

Zahl der Förder­anträge ist deutlich gestiegen

Hermann Dann­ecker, Vorstand beim Deutschen Energieberater-Netz­werk (DEN), sagt: „Bis Sie bei einem guten Energieberater einen Termin bekommen, müssen Sie schon mal mit einem Viertel­jahr Warte­zeit rechnen.“ Kein Wunder: Im ersten Quartal 2020 hat sich die Zahl der Förder­anträge für energieeffizientes Bauen und Sanieren und für Investitionen in klimafreundliche Heizungen deutlich gesteigert. Insgesamt gingen bei der KfW-Förderbank und dem Bafa von Januar bis März rund 90 000 Anträge ein. Besonders die Austausch­prämie für Ölhei­zungen war gefragt: Über 20 000 Mal wurde sie beantragt.

„Energieberater“ ist keine geschützte Berufs­bezeichnung

Es haben also viele andere Haus­besitzer die gleiche Idee wie wir. Und viele von ihnen stehen vor der gleichen Frage wie wir: Wie findet man den richtigen Energieberater?

Die Berufs­bezeichnung „Energieberater“ ist nicht geschützt, für die Ausbildung gibt es keine einheitlichen Regeln. Laien wie uns fällt es schwer, das richtige Angebot auszusuchen. Was unterscheidet eine kostenlose Beratung von einem über Tausend Euro teuren Experten? Das DEN hat ein Berufs­leit­bild entwickelt. Wer von dem Verband anerkannt werden möchte, muss eine einschlägige Grund­ausbildung etwa als Ingenieur haben und Zusatz­qualifikation zum Energieberater nach­weisen. Er muss sich verpflichten, seine Kunden neutral und unabhängig zu beraten.

Unabhängig beraten

Auch die Energieberatung der Verbraucherzentrale stellt hohe Anforderungen an ihre Berater. Sie müssen wirt­schaftlich unabhängig sein und haupt­beruflich einer Tätig­keit als Energieberater nachgehen. Auch sie müssen sich verpflichten, die Kunden neutral zu beraten. Offen­bar hatten wir mit unserer Beratung also einfach ein biss­chen Pech.

Interes­senkonflikte vermeiden

Dass wirt­schaftliche Unabhängig­keit für eine gute Energieberatung wichtig ist, liegt an den möglichen Interes­senkonflikten. So treten beispiels­weise auch Energieversorger, Schorn­steinfeger oder Heizungs­installateure als Energieberater auf. Selbst wenn sie ihre Kunden nach bestem Wissen und Gewissen beraten – ganz neutral zu sein, dürfte ihnen oft nicht ganz leicht fallen. Empfiehlt ein Schorn­steinfeger im Zweifel wirk­lich den Einbau einer Wärmepumpe? Das Haus braucht dann keinen Schorn­stein – und keinen Schorn­steinfeger mehr.

Um die Suche nach einem Energieberater zu erleichtern, gibt es seit einiger Zeit die Energie-Effizienz-Experten­liste. In ihr sind nur Berater aufgeführt, die alle drei Jahre an einer Fort­bildung teilnehmen und regel­mäßig einen Nach­weis über ihre praktische Tätig­keit vorlegen. Neutralität ist keine Voraus­setzung für den Eintrag. Beratende, die von Bafa oder KfW gefördert werden, müssen allerdings eine Selbst­verpflichtung für eine neutrale Beratung abgeben (Tabelle Diese geförderten Energieberatungen gibt es).

Energieberatung wird Pflicht

Einen Energieberater ins Haus zu holen, war bislang eine freiwil­lige Entscheidung. Nur wer Fördermittel bei der staatlichen KfW-Förderbank beantragen möchte, ist verpflichtet, einen Sach­verständigen einzubinden. Haus­eigentümer, die wie wir vom Bafa einen Zuschuss für ihre Heizung bekommen oder die Steuer­förderung nutzen möchten, brauchen nicht zwingend einen Energieberater.

Mit dem neuen Gesetz zur Vereinheitlichung des Energie­einspar­rechts für Gebäude führt der Gesetz­geber nun eine Pflicht zur Energieberatung ein. Sie gilt, wenn ein Ein- oder Zweifamilien­haus umfassend saniert oder verkauft wird. Beim Verkauf müssen Verkäufer oder Makler die Beratung allerdings nur anbieten. Sie selbst soll kostenlos sein und von einem Sach­verständigen ausgeführt werden, der berechtigt ist, einen Energie­ausweis auszustellen. Stellt sich die Frage: Wird es damit in Zukunft noch schwieriger werden, zeit­nah einen Termin bei einem qualifizierten Energieberater zu bekommen?

Wie es weitergeht

Unser Gasanschluss ist inzwischen gelegt. Wir werden wohl vor­erst nicht mit erneuer­baren Energien heizen und auf die Fördermittel verzichten. Unser Fazit: Wir haben uns zu spät um eine gute Beratung und Informationen über die Alternativen gekümmert. Aber vielleicht werden wir am Ende doch etwas von dem tun, was uns der Energieberater der Verbraucherzentrale zum Schluss unseres Gesprächs empfahl: mit einer Photovoltaikanlage Strom erzeugen. Platz auf den Scheunendächern hätten wir genug.

Tipp: Weitere Informationen über aktuelle Fördermittel erhalten Sie in unserem Special Neue Förderung für Haus und Heizung.

Dieser Artikel ist hilfreich. 174 Nutzer finden das hilfreich.