Energie­ausweis

Tipps für Käufer und Mieter: Nicht auf die Farb­skala verlassen

Der Energie­ausweis soll Miet- und Kauf­interes­senten dabei helfen einzuschätzen, wie effizient ein Gebäude beim Thema Energie ist. Wie hoch ihre Heiz­kosten wohl sein werden, können sie darin nicht ablesen.

Inhalt

Eine Familie verbraucht mehr als ein Single

Bei einem verbrauchs­orientierten Energie­ausweis hängt der ausgewiesene Energieverbrauch davon ab, wie die Bewohner in den Jahren vor der Ausstellung geheizt und gelüftet haben. Eine Familie verbraucht mehr als Allein­stehende, die viel unterwegs sind. In einem Mehr­familien­haus hängt der Heizbedarf auch von der Lage der Wohnung ab, etwa ob sie viele Außenwände hat. Das bildet der Durch­schnitts­wert im Energie­ausweis nicht ab.

Der eine heizt mehr, der andere weniger

Bei Bedarfs­ausweisen legen die Aussteller durch­schnitt­lich 20 °C Raum­temperatur zugrunde. Manche Bewohner heizen mehr. „Jedes Grad darüber erhöht den Energieverbrauch um rund 6 Prozent“, weiß Philipp Mahler von der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen. Nach seinen Erfahrungen zeichnen Verbrauchs­ausweise tendenziell ein zu güns­tiges, Bedarfs­ausweise ein leicht zu ungüns­tiges Bild.

An den exakten Endenergiekenn­werten orientieren

Die Ausweise sind außerdem unterschiedlich, je nachdem, welche Energie­einspar­ver­ordnung (Enev) bei ihrer Ausstellung galt. Vor Oktober 2009 war es die Enev 2007. Bis April 2014 war die Enev 2009 die Leit­linie, seither ist es die Enev 2014. Mahler rät, sich an den exakten Endenergiekenn­werten zu orientieren und Vergleichs­werte aktueller Ausweisformulare zu nutzen. Sie wurden über die Jahre gesenkt, zum Beispiel von 200 auf rund 85 Kilowatt­stunden pro Quadrat­meter (kWh/(m2·a)) für ein „energetisch gut modernisiertes Einfamilien­haus“.

Bei den neuen Ausweisen schneller im roten Bereich

Früher reichte die Farb­skala außerdem von 0 bis weit über 400 Kilowatt­stunden pro Quadrat­meter. Mitt­lerweile endet sie bei 250 kWh/(m2·a). Das Beispiel unten zeigt: Ein Gebäude mit 222 kWh/(m2·a) Energieverbrauch lag in der Anfangs­zeit im gelben, heute im orange-roten Bereich.

Energie­ausweis - Viele ältere Ausweise werden bald ungültig
© Stiftung Warentest

Mehr zum Thema

  • Gebäudeenergiegesetz Grüner bauen und sanieren

    - Im November tritt das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft. Es fasst drei bestehende Gesetze zusammen und soll erneuer­bare Energien in Gebäuden fördern sowie den...

  • Wärmedämmung Fakten, Kosten, Wirkung

    - Wer ein älteres Haus besitzt und in Wärmedämmung investieren will, braucht Fakten. Wir haben Dämm­wirkung, Kosten und Schall­schutz verschiedener Materialien verglichen.

  • Modernisierungs­kredite im Vergleich Umbau günstig finanzieren

    - Zinsen vergleichen lohnt auch bei kleineren Darlehen wie Modernisierungs­krediten. Unser Vergleich zeigt: Top-Kredite sind rund 5 700 Euro güns­tiger als teure Angebote.

4 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 09.02.2015 um 13:16 Uhr
Energie-Ausweis für noch nicht fertige Wohnungen?

@Peter_Cornelius: Sie haben Recht. Energieausweise gibt es nur für fertiggestellte Bauten. Wenn der Bauherr in der Planungsphase ein Energiegutachten erstellt, muss dem "Dokument" deutlich zu entnehmen sein, dass es sich um ein vorläufiges Papier handelt.
Die Ausstellung eines Energieausweises hat unter Zugrundelegung der tatsächlichen energetischen Eigenschaften eines Hauses zu erfolgen - das bedeutet: unmittelbar nach der Fertigstellung (§16, Abs. 1 EnEV). Der Ausstellungszeitpunkt nach Baufertigstellung trägt hierbei bewusst dem Umstand Rechnung, dass sich in vielen Fällen im Planungsstadium oder auch noch nach Baubeginn Änderungen ergeben oder bestimmte Randbedingungen noch nicht entschieden werden können, die aber Einfluss auf die im Ausweis dokumentierten Energiekennwerte haben. Für die Gültigkeit des Dokumentes ist es entscheidend, dass der Energieausweis den tatsächlichen Zustand des Gebäudes dokumentiert.
Dokumente, die nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen bzw. vor dem Fertigstellungstermin des Hauses datiert sind, dürfen nicht als Energieausweis verwendet werden. Wie für andere Bauvorlagen auch, gilt für die Berechnungen zur Einhaltung der Energieeinsparverordnung ohnehin der Grundsatz, dass wesentliche Änderungen gegenüber dem Stand des Bauantrags einen Nachtrag bzw. eine Neuausfertigung erforderlich machen. (maa)

Gelöschter Nutzer am 04.02.2015 um 12:04 Uhr
Energieausweise zum Dumpingpreis ...?

Vorsicht vor schwarzen Schafen. Sofern man das erforderliche Hintergrundwissen hat und weiß, wieviel Zeit- und Arbeitsaufwand die Erstellung eines aussagekräftigen Energieausweises für ein größeres Gebäude erfordert, kann man sich an nur fünf Fingern ausrechnen, was von Gefälligkeits-Energieausweisen für hundert oder fünfzig Euro aus dem Internet zu halten ist, nämlich wenig bis nichts. Sie sind meistens das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt wurden. Eine Addition der Heizkosten z.B. über einen mehrjährigen Zeitraum mag theoretisch ausreichen, aber allein für eine Sichtung vorhandener Pläne und eine Besichtigung vor Ort sollte ein seriöser Anbieter einige Stunden ansetzen-und die müssen sich zwangsläufig in der Preiskalkulation wiederfinden. Wer ohne Fach- und Sachkenntnis lediglich Zahlen in eine Berechnungssoftware einhämmert, braucht sich nicht über völlig sinnlose und unverwertbare Ergebnisse zu wundern. Fazit: Man bekommt auch hier nur das, was man zu bezahlen bereit ist :-7

nils1896 am 01.02.2015 um 10:02 Uhr
@Peter_Cornelius

Das ist dann wohl die Variante "Bedarfsausweis" (siehe Text).

Peter_Cornelius am 30.01.2015 um 08:24 Uhr
Energie-Ausweis für noch nicht fertige Wohnungen ?

Ich befinde mich gerade in einem Bewerbungsverfahren für eine Wohnung einer Genossenschaft in Berlin in einem Neubau, der voraussichtlich im Oktober 2015 fertig sein soll. Dem Expose liegt, basierend sicher auf den obigen Erklärungen, ein Energie-Ausweis bei.
Nach welchen Überlegungen kann ein Energie-Ausweis erstellt werden, wenn das Haus noch gar nicht fertig ist ?