Empfehlungs­portale im Internet Meldung

Sushi oder Currywurst? Haute Couture oder Wühltisch? Edel-Figaro oder Discount-Friseur? Auf Empfehlungs­portalen können Nutzer ihre Erfahrungen mit Dienst­leistern und Orten weitergeben – zum Vorteil anderer Verbraucher. test.de zeigt, wie die Portale funk­tionieren.

Die Meinung der anderen

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Thomas Gotthal geht gerne essen. Und teilt das auch im Internet mit. Nicht, dass er gerne essen geht. Sondern wo er essen war. Und vor allem: wie es ihm geschmeckt hat, ob die Kellner freundlich gewesen sind und das Ambiente gestimmt hat. Thomas Gotthal ist kein Gastrokritiker im herkömm­lichen Sinn. Auf einem Empfehlungs­portal im Internet schreibt er auch Bewertungen zum Supermarkt um die Ecke oder einem Industrie-Kletterer. So können andere Nutzer von seinen Erfahrungen profitieren – der Grund­gedanke von Empfehlungs­portalen. Im Podcast erzählt Thomas Gotthal von seinen Erfahrungen mit Internet-Bewertungen.

Branchenbücher mit Kundenbe­wertungen

Empfehlungs­portale funk­tionieren ähnlich wie Branchenbücher. Sie listen Informationen zu Dienst­leistern wie Adresse, Home­page, Öffnungs­zeiten und Preis­niveau auf. Gegen­über der Papier­version haben sie jedoch einen entscheidenden Vorteil: Die Meinung von anderen Kunden steht direkt unter dem Eintrag. Je mehr Einträge vorhanden sind, desto differenzierter wird das Bild eines Frei­zeit­parks oder eines Restaurants.

Orientierung im Dienst­leistungs-Dschungel

Menschen auf der Suche nach einem Geheimtipp können sich hier informieren genauso wie Touristen oder neu Zugezogene. Die Empfehlungs­portale sind eine Entscheidungs­hilfe im täglichen Dienst­leistungs-Dschungel. Im besten Fall vermeiden sie unnötigen Ärger für Verbraucher, vor allem wenn es um finanziell riskantere Entscheidungen geht. Voraus­gesetzt, die viel beschworene Schwarm­intelligenz des Internets funk­tioniert.

test.de zeigt eine Auswahl an Empfehlungs­portalen für Dienst­leister und Orte mit aktiven Bewertern:

Die Portale im Überblick

Idee für lokale Empfehlungen aus USA

Yelp ist das amerikanische Vorbild von Qype (sprich: kwaip). 2004 in San Francisco gegründet, startete Yelp im Sommer 2010 die deutsche Community. Golocal arbeitet mit dem Telefon­buch Das Örtliche zusammen und verfügt so über viele Branchen­einträge. Kennst­dueinen hat sich auf Dienst­leister spezialisiert: Wer kennt einen guten Steuerberater? Welcher Klempner arbeitet zuver­lässig?

Google mit eigenem Dienst

Seit diesem Februar mischt auch Google mit: „Hotpot“ heißt das Empfehlungs­portal. Menschen, die ein Google-Konto besitzen, können nun Orte und Dienst­leister bewerten. Googles Sucher­gebnisse werden dadurch noch personalisierter. Eine Besonderheit: Nutzer, die nach einem bestimmten Geschäft suchen, bekommen auch die Erfahrungen aus anderen Empfehlungs­portalen wie beispiels­weise Qype und Yelp ange­zeigt.

Wie funk­tioniert das Bewerten?

In der Regel funk­tionieren die Portale so: Nach der kostenlosen Registrierung suchen die Nutzer den Dienst­leister, den sie bewerten wollen. Sie schreiben einen Text mit der eigenen Erfahrung und vergeben bis zu fünf Sterne. Die Bewertung erscheint, wenn andere Nutzer nach dem Dienst­leister suchen. Ähnlich wie bei test.de können die Bewertungen selbst auch wieder kommentiert werden: War die Erfahrung für andere hilf­reich oder nicht? So können die Nutzer offensicht­lichen Nonsens und Miss­brauch markieren.

Wirk­liche Empfehlung oder Schleichwerbung?

Das Herz­stück dieser Portale sind die Bewertungen der Konsumenten. Selbst­verständlich sind sie subjektiv und ihr Nutz­wert variiert stark. Manche Nutzer wollen gute Lokalitäten ernst­haft weiter empfehlen. Einzelne wollen einfach nur plump Dampf ablassen. Das Profil der Nutzer kann da weiterhelfen. Habe ich es mit einem notorischen Nörgler oder einem abwägenden Kenner zu tun? Auch ein Problem: Eigenlob von Unternehmern kann vorkommen, bedingt durch die Anony­mität im Internet. Tipps zum Einschätzen von Online-Bewertungen

Bewertungen vertrauens­würdiger machen

Klar, der naheliegende Web 2.0-Gedanke lautet: Die Community kontrolliert sich selbst. Zum Beispiel können fragwürdige Beiträge dem Portal gemeldet werden. Reicht nur leider nicht aus. Denn hier geht es auch um Geld – in den Taschen der potentiellen Kunden. Deshalb haben die Portale zusätzliche Kontroll­mecha­nismen einge­baut, um mehr Vertrauen herzu­stellen.

Tech­nische Filter und aufmerk­same Nutzer

Kennst­dueinen gleicht nach eigener Auskunft die E-Mail Adresse von Bewertern mit Dienst­leister-Namen ab, um so Miss­brauch zu verhindern. Ein auto­matischer Beitrags­filter, darauf vertraut Yelp. Google hat ein Sicher­heits­system installiert, das Verstöße erkennen soll. Genaue Angaben, wie das System funk­tioniert, will Google nicht machen. Sonst könne das System umgangen werden, so Google gegen­über test.de. Anders ist es bei Golocal und Qype: Sie verlassen sich größ­tenteils auf die Aufmerk­samkeit ihrer Nutzer, die bedenk­liche Bewertungen melden können. Den kritischen Verstand der Leser kann das allerdings nicht ersetzen. Tipps zum Einschätzen von Online-Bewertungen

Unterwegs mit Bewertungs­portalen

Sich zu Hause informieren: sinn­voll. Unterwegs nach gut bewerten Lokalitäten suchen: noch sinn­voller, funk­tioniert allerdings nur mit Smartphone und GPS. Alle Portale funk­tionieren auf verschiedenen Betriebs­systemen für Smartphones. Damit lässt sich die Realität erweitern: Kamera des Smartphones auf das gewünschte Café ausrichten. Dann zeigt die Anwendung Informationen zum Lokal an. So funk­tioniert beispiels­weise der „Monocle“ von Yelp. Auch bei Qype und golocal können Nutzer unterwegs die Bewertungen einsehen – und ob Freunde in der Bar nebenan sitzen. Und wenn das Schnitzel kalt und das Bier warm gewesen sind: Bewertungen schreiben geht natürlich auch von unterwegs aus. Tipps zum Schreiben von Online-Bewertungen

Daten­schutz

Die GPS-Funk­tion im Smartphone verrät den Stand­ort des Nutzers auch an Anbieter – kein spezi­fisches Merkmal von Empfehlungs­portalen. Die Anbieter mit Sitz in Deutsch­land wie Kennstdueinen, Golocal und Qype geben in ihren Daten­schutz-Bestimmungen an, Daten an Dritte nur mit Einwilligung des Nutzers weiterzugeben. Yelp mit Sitz in Irland kann Daten an Geschäfts­partner und Drittanbieter weitergeben, angeblich ohne die Daten einem konkreten Nutzer zuzu­ordnen. Dass Google gerne Daten sammelt, ist nichts Neues. Personalisierte Sucher­gebnisse gibt es nicht, ohne dass die Nutzer Daten von sich Preis geben. Gesonderte Daten­schutz-Bestimmungen für Hotpot weist der kalifor­nische Konzern nicht aus. Für Googles Empfehlungs­portal gelten dieselben Bestimmungen wie auch für andere Google Dienste.

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