Eltern­geld Special

Viele Mütter und Väter können die Höhe ihres Eltern­gelds beein­flussen. Mit dem nötigen Wissen und voraus­schauendem Handeln haben sie ab Geburt des Kindes bis zu 14 Monate lang mehr Geld in der Tasche.

Viel Zeit mit dem Baby verbringen: Damit der Wunsch finanzier­bar ist, erhalten Mütter und Väter Eltern­geld. Im Schnitt zahlte der Staat an Eltern, die vorher berufs­tätig waren, im Jahr 2010 rund 964 Euro im Monat. Viele hätten sich einen höheren Zuschuss sichern können. Wer gut plant, kann das Eltern­geld nach oben schrauben. Der legale Trick heißt: das Netto­gehalt optimieren.

Auf den ersten Blick ist das Prinzip einfach: Eltern, die mehr als 1 240 Euro netto verdienen, stehen bis zu 14 Monate lang 65 Prozent des Netto­einkommens zu, höchs­tens 1 800 Euro im Monat. Wer weniger als 1 240 Euro netto verdient, erhält einen höheren Satz, Gering­verdiener sogar bis zu 100 Prozent. Das Netto­gehalt ist jedoch keine fixe Größe, Arbeitnehmer wie Selbst­ständige können es beein­flussen. Daran ändert auch das neue „Gesetz zur Vereinfachung des Eltern­geld­voll­zugs“ nichts. Es gilt für Kinder, die nach dem 31. Dezember 2012 geboren werden (siehe „Ab 2013“).

Steuerklasse richtig wählen

Eltern­geld Special

Als Erstes sollten Ehepaare prüfen, ob sich vorüber­gehend ein Wechsel der Steuerklasse lohnt. Wer von der Stufe V in Steuerklasse III switcht, erhöht das Netto – und damit das spätere Eltern­geld – am stärksten. Im Gegen­zug steigen allerdings beim Partner die Lohn­steuer­abzüge, zu viel gezahlte Lohn­steuer bekommt er erst mit der nächsten Einkommensteuererklärung zurück. Vielleicht reichen bis dahin die Einnahmen nicht mehr, um die laufenden Ausgaben zu decken. Wie sich der Wechsel der Steuerklasse auswirkt, können Eltern unter www.abgabenrechner.de ermitteln. Eine neue Steuerklasse können Ehepaare jederzeit vor und während der Schwangerschaft beim Finanz­amt beantragen. Allerdings hat die Finanz­verwaltung die Möglich­keit Verheirateter, durch einen Steuerklassen­wechsel mehr Eltern­geld zu bekommen, in der Praxis stark einge­schränkt.

Grund­lage für die Berechnung des Eltern­gelds ist das Einkommen der zwölf Monate vor der Geburt. Sollte sich in dieser Zeit die Lohn­steuerklasse geändert haben, gilt ab 2013 das, was „in der über­wiegenden Zahl“ der zwölf Monate vor der Geburt gegolten hat. Wenn Ehepaare beispiels­weise die Steuerklasse wechseln, weil der Eltern­geld­empfänger in Klasse III oder IV mehr Eltern­geld bekommt als in der ungüns­tigen V, sollten sie das so früh wie möglich tun. Hier lauert eine neue Klippe. Die Zeit des Mutter­schutzes vor der Geburt – in der Regel 6 Wochen – gehört nicht zu den 12 Monaten der Berechnungs­grund­lage für das Eltern­geld. Folge: Mütter, denen Mutter­schutz zusteht, müssen bereits neun Monate vor der Entbindung die Steuerklasse wechseln, damit sie anerkannt wird (sieben Monate als „über­wiegende Zahl“ von zwölf plus andert­halb Monate Mutter­schutz vor der Geburt).

Frei­beträge beantragen

Ein zweiter Weg, das Netto­gehalt und damit das spätere Eltern­geld zu erhöhen, sind Frei­beträge. Arbeitnehmer, die etwa wegen hoher Werbungs­kosten Geld vom Finanz­amt zurück­erhalten werden, können beim Finanz­amt einen Frei­betrag beantragen. Statt späterer Steuererstattung erhalten sie dann direkt ein höheres Netto­gehalt.

Am meisten Spielraum bringen Ausga­ben für den Job: die Entfernungs­pauschale von 30 Cent für jeden Entfernungs­kilometer zwischen Wohnung und Betrieb, Ausgaben für Fort­bildung, Arbeits­mittel, ein häusliches Arbeits­zimmer, doppelte Haushalts­führung, Aufwendungen für Dienst­reisen. Vorab anrechnen lassen können sich Steuerzahler aber auch Kinder­betreuungs­kosten, Unter­halts­zahlungen, Spenden, Kirchen­steuer, Dienst­leistungen rund um den Haushalt, Hand­werk­erleistungen oder auch eine Haus­halts­hilfe mit Minijob. Ab 2013 gelten bei Frei­beträgen allerdings Einschränkungen (siehe „Ab 2013“).

Tantiemen und Provisionen addieren

Manchmal erhalten Arbeitnehmer neben dem monatlichen Grund­gehalt variable Gehalts­bestand­teile. Solche regel­mäßigen und fort­laufenden Zahlungen sind bei der Berechnung des Eltern­geldes als Arbeits­lohn zu berück­sichtigen, entschied das Bundes­sozialge­richt (Az. B 10 EG 3/09). Wenn zum Beispiel eine Friseurin neben ihrem monatlichen Grund­gehalt durch vertragliche Vereinbarungen sechs­mal im Jahr Provision erhält, muss diese in die Eltern­geldbe­rechnung einfließen. Ein Minijob auf 400-Euro-Basis oder ein selbst­ständiger Neben­job können ebenfalls helfen, das Eltern­geld aufzusto­cken.

Einmalzah­lungen wie Weihnachts­geld, Urlaubs­geld, Prämien oder Abfindungen wirken sich dagegen nicht aus. Sie werden vom Brutto­einkommen der vergangenen zwölf Monate abge­zogen. Das gilt auch für steuerfreie Einnahmen wie Trinkgelder oder Nacht- und Wochen­endzuschläge.

Zahlungs­zeitraum verlängern

Grund­sätzlich spendiert der Staat das Eltern­geld für die ersten zwölf Lebens­monate eines Kindes. Zwei zusätzliche Monate, also insgesamt 14 Monate, gibt es für Allein­erziehende. Auch Paare können das Eltern­geld 14 Monate lang nutzen, wenn Mutter und Vater für die Kinder­betreuung eine Auszeit nehmen. Nur etwa 25 Prozent der Väter beantragen bisher diese sogenannten Part­nermonate.

Gewinn maximieren

Selbst­ständige müssen anders kalkulieren als Arbeitnehmer. Grund­lage der Berechnung für das Eltern­geld ist der im Steuer­bescheid ermittelte Gewinn des letzten Jahres. Davon zieht das Amt die geleisteten Steuer­voraus­zahlungen sowie, soweit angefallen, Beiträge zur gesetzlichen Sozial­versicherung ab. Beiträge an private Versicherungen bleiben unbe­rück­sichtigt. Um das Eltern­geld zu erhöhen, sollten Selbst­ständige im Wirt­schafts­jahr vor der Geburt für einen möglichst hohen Gewinn sorgen – Rechnungen früh stellen, Außen­stände eintreiben, Vorschüsse aushandeln, Betriebs­ausgaben möglichst gering halten.

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